„Sehr wild“: SPD-Vizekanzler Klingbeil verrät Jugendanekdote bei Besuch in Regensburg

Karpfen auf dem Teller, Klingbeil auf der Bühne: Nach seiner Rede auf dem Politischen Aschermittwoch in Niederbayern schaute der SPD-Chef am Nachmittag noch bei seinen Genossen in Regensburg vorbei. Im Gepäck hatte er eine Anekdote – und er ging nicht mit leeren Händen.
Der Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil hatte es gerade noch geschafft, seine Order – Kaffee – beim Ober im Spitalgarten aufzugeben, da musste er auch schon auf die Bühne. Er sei schon einige Male in Regensburg gewesen – unter anderem bei einer Klassenfahrt. „Das hat mich sehr geprägt. Es war sehr wild. Ich hoffe, es gibt eure Jugendherberge noch.“ Nun, die gibt es noch, sie ist allerdings stark sanierungsbedürftig. Aber genug der Kommunalpolitik.
Klingbeil begann mit einem kleinen Impulsvortrag und bat um Verzeihung, sollten gewisse Inhalte schon aus seiner Rede auf dem Politischen Aschermittwoch bekannt sein. „Es ist einfach nicht viel passiert seit der Abfahrt in Vilshofen.“ Eher ungewöhnlich in diesen Zeiten, ergänzte er. Der Finanzminister warf Schlaglichter auf die unruhige Weltpolitik und forderte, dass sich Europa seiner Stärke bewusst werden müsse. Darüber hinaus müsse man die Wirtschaft stärken und Arbeitsplätze sichern. „Das ist unser Thema Nummer eins.“ Er warb überdies darum, einen positiven Blick auf Deutschland zu werfen.
Vizekanzler Klingbeil besucht Regensburg: Ein bunter Strauß an Themen
Im Anschluss bat Klingbeil um Fragen aus dem Publikum. Frontalreden, das sei etwas für Markus Söder. Davor hatte er allerdings noch kurz die Gelegenheit, von der Bühne zu hüpfen und sich seinen Kaffee zu schnappen.
Die Zuschauer ließen sich nicht zweimal bitten, schließlich – so drückte es ein Mann aus – bekomme man nicht jeden Tag in Regensburg einen Finanzminister zu sehen. Die Besucher hatten einen bunten Strauß an Fragen. Das reichte von Fragen zur Integrationsförderung bis hin zu Fragen nach der Finanzierung von Kinderwunschkliniken. Immer wieder setzten Besucher dabei zu flammenden Plädoyers an. Exemplarisch zu nennen ist dabei der Vortrag von Dr. Juan Lima Ojeda. Der SPD-Stadtratskandidat ist Arzt und kam in Mexiko zur Welt. „Das hört man vielleicht an meinem Akzent.“
„Du“, konterte Klingbeil: „Für mich reden hier alle komisch.“ Ojeda hielt ein flammendes Plädoyer dafür, Zuwanderung als Chance zu sehen. „Wir brauchen Migration. Aber die Wahrheit ist: Die Leute kommen nicht mehr so gerne nach Deutschland.“ Klingbeil betonte, dass die SPD in dieser Frage eine klare Haltung brauche. Ja, man ordne und steuere Migration. „Aber ohne irgendeinen Rassismus.“ Man müsse betonen, dass Vielfalt ein Mehrwert sei. „Aber ja, das ist schwierig, bei dem Zeitgeist, den wir haben.“
Nicht weniger flammend war das Plädoyer von Beate Büttner, Gemeinderatskandidatin in Obertraubling und seit über 50 Jahren SPD-Mitglied, für ein Verbot der AfD. „Wann passiert hier endlich etwas?“, wollte sie wissen. Klingbeil gab zu bedenken, dass man das richtig angehen müsse. „Das kann uns sonst auf die Füße fallen.“ Darüber hinaus müsse man auf den Koalitionspartner Rücksicht nehmen. „Ich habe keine Lust, dass wir da jeden Tag streiten. Das macht am Ende nur die AfD stärker.“ Dabei ließ er keinen Zweifel daran, ein solches Verbotsverfahren zu befürworten. Schließlich habe ihn der Kampf gegen Rechts in die Politik getrieben.
Ein Mann, der sich als Jahrgang 2008 vorstellte, brachte seine Sorge zum Ausdruck, dass die Bundeswehr junge Soldaten nicht ausreichend schützen könne, wenn sie in drohende Einsätze müssen. Klingbeil betonte: „Wir haben die Bundeswehr in keinem guten Zustand vorgefunden. Aber wir machen seit vier Jahren wirklich massiv was.“ Defizite könne man allerdings nicht von heute auf morgen lösen.
Ein Jahn-Leiberl als Souvenir für Vizekanzler Klingbeil in Regensburg
Nach rund anderthalb Stunden musste Klingbeil los – ein Termin in Nürnberg wartete. Der Chef-Genosse zog allerdings nicht ohne Geschenk von dannen. Vertreter der hiesigen SPD überreichten ihm einen Schal und ein kleines Trikot des SSV Jahn für seinen Nachwuchs. Klingbeil ist zwar bekennender Fan des FC Bayern München, aber rot ist rot.
Im Anschluss interviewte die SPD-Bundestagsabgeordnete Carolin Wagner den OB-Kandidaten der Genossen, Thomas Burger, und Silvia Gross, die für die Sozialdemokraten in das Landratsamt einziehen will. Dabei wurde Burger gefragt, ob er denn das Münchner Oktoberfest oder die Regensburger Dult bevorzuge. Der Sozi konnte die Frage gar nicht gescheid beantworten, da funkte ihm ein Ober mit vollem Tablet dazwischen und betonte: „Rengschburger Dult natürlich. Das muss doch gar nicht drüber reden.“