Brennende Plakate, Korruptionsvorwürfe: So hart ist der Wahlkampf im Kreis Regensburg

Der Wahlkampf geht in seine heiße Phase. In nicht einmal drei Wochen schreiten die Bürger im Landkreis Regensburg zur Wahlurne. Wer sich bei Politikern umhört, stellt fest: Nicht immer geht es beim Werben um Wahlstimmen fair zu. Mitunter kommt es zu erschreckenden Vorfällen.
Ein Wahlplakat der SPD in Barbing brennt: „Eine Gefahr für die Allgemeinheit“
Für die SPD geht Silvia Gross ins Rennen um den Landratsposten. In den vergangenen Tagen habe es zwei Attacken auf Wahlplakate gegeben. Zum einen wurde eine Leitplanke in ein Banner in Pentling gerammt. Dazu wurde ihr Gesicht ausgeschnitten. Auch die Nase von Bürgermeisterkandidat Christian Knittl fiel der Attacke zum Opfer. Zum anderen brannte unlängst ein Wahlplakat in Barbing. „Das ist schon heftig“, findet Gross. Insbesondere die Brand-Attacke besorgt sie. „Das stellt eine Gefahr für die Allgemeinheit dar.“ Ganz generell findet sie: „Solche Aktionen verbessern nichts an der Situation in diesem Land. Sie sind sinnlos.“ Klar ist für sie allerdings auch: „ Ich lasse mich von sowas nicht ins Bockshorn jagen.“ Solche Vorfälle zeugten von einer großen Frustration. „Wenn jemand so frustriert ist, soll er sich doch engagieren, in einem Verein, bei einer Partei oder wo auch immer.“
Anonyme Korruptionsvorwürfe gegen die Landrätin in Pettendorf
Hans-Peter Landsmann, Geschäftsführer des Kreisverbands der Freien Wähler, berichtet davon, dass durchaus Plakate verschwinden. „Es ist allerdings nicht so massiv.“ Gebrannt habe jedenfalls noch keines. Bei der Landtagswahl 2023 sei das allerdings sehr wohl vorgekommen. „Damals ist ein Banner in Barbing in Flammen aufgegangen. Das war nicht so lustig.“ Ganz generell macht ihm die Entwicklung Sorgen. Er könne durchaus verstehen, dass manche von zu vielen Wahlplakaten gestört werden. „Aber was ist die Alternative? Eine Diktatur? Dann brauchen wir keine mehr aufhängen. Wollen wir das?“ Wenige Minuten, bevor ihn die MZ erreicht, meldete sich Landrätin Tanja Schweiger bei ihm und berichtete von einem besonderen Vandalismus-Fall. Jemand hat ein Plakat von ihr in ihrem Heimatort beklebt. „Betrug und Korruption im Landratsamt – Schweiger muß weg“ steht darauf. Bislang sei das nur ein Einzelfall, so Landsmann.

„Bin einiges gewohnt“: Ruhiger Wahlkampf bei der CSU im Landkreis Regensburg
Patrick Grossmann, CSU-Landratskandidat, berichtet von vereinzelten Angriffen auf Wahlplakate. „Aber keine großen Auffälligkeiten. Vielleicht bin ich aber auch schon einiges gewohnt.“ Auch die Stimmung an Infoständen sei gut. „Nicht mal ein blöder Spruch. Manchmal wollen die Leute nicht reden, aber das merkt man ja, dann lässt man sie in Ruhe.“ Auf Facebook gab es dagegen vereinzelt mal Gegenwind. „Da muss man halt aufpassen.“ Dass die Stimmung wenig gereizt sei, liege womöglich auch daran, dass es sich um eine Kommunalwahl handelt. „Da spielt die große Politik ja eine eher untergeordnete Rolle. Es geht sachbezogen um die Themen vor Ort.“
AfD-Politiker stören Grüne-Veranstaltungen im Landkreis Regensburg
Merten Niebelschütz, Landratskandidat der Grünen, schätzt, dass rund 20 bis 30 Prozent der Plakate abgerissen werden oder verschwinden. Das sei viel – aber weit nicht so viel wie bei der Kommunalwahl 2020 oder bei der Landtagswahl 2023. Insbesondere vor drei Jahren hätten die Grünen sehr viel Gegenwind gespürt. „Damals hatte beispielsweise Markus Söder seine Hochzeit des Grünen-Bashings“, erinnert sich Niebelschütz. Das habe sich dann auch im Landkreis Regensburg niedergeschlagen. Auch in diesem Wahlkampf bekomme er den ein oder anderen blöden Spruch an Infoständen zu hören. „Aber das ist als Grüner normal.“ Schlimme Sachen seien jedenfalls noch nicht dabei gewesen. Allerdings seien mehrfach Menschen bei Veranstaltungen aufgetaucht und hätten versucht, diese zu stören. Niebelschütz spricht von Pöbeleien und „fachlich nicht fundierten Ängsten“. Im Nachgang habe man herausgefunden, dass diese Menschen Teil der AfD-Kreistagsliste seien. Vor Ort hätten sie sich als besorgte Bürger ausgegeben.
Linke: Unangenehmer Besuch bei Infoständen
Linken-Landratskandidatin Daniela Deisenroth erzählt von Kommentaren auf Instagram. Diese richten sich allerdings insbesondere gegen die Partei. Von „Mauerschützen“ oder „SED 2.0“ sei dort die Rede. Sie persönlich sei noch nicht bedroht worden. Allerdings habe sie neulich Flyer verteilt, da sei ihr eine Frau, die sich zuvor als AfD-Anhängerin vorgestellt habe, auf Schritt und Tritt gefolgt. Immer wieder bekomme man auch eher unangenehmen Besuch von Anhängern der rechten Partei bei Infoständen. „Die sind meist respektlos und wollen gar nicht ins Gespräch kommen.“ Dazu kämen auch bei der Linken beschmierte Plakate und verschwundene Banner.
AfD: Unsere Plakate werden am häufigsten beschädigt
Auch die AfD beklagte unlängst in einem Facebook-Post, dass ihre Plakate beschädigt werden. „Wahlplakate zu beschädigen, ist kein Protest, sondern ein Angriff auf demokratische Willensbildung – egal, welche Partei betroffen ist“, hieß es dort. Darüber hinaus behauptet die Partei, dass ihre Plakate am häufigsten beschädigt würden. „Diskutiert, widersprecht, engagiert euch – aber reißt keine Plakate ab und beschmiert sie nicht. Demokratie lebt vom offenen Streit, nicht von Zerstörung politischer Sichtbarkeit.“