Wandel in der Altstadt in Regensburg: Umbruch in den Ladenzeilen durch veränderten Konsum

Von Heike Haala · 19. Februar 2026 um 05:00

Gigolo, Prinzessin auf der Erbse oder 1001 Nacht – so hießen die Hefeteigkringel im Bagel Store Tiger Green, die Anna Pascher nun 16 Jahre lang bestrichen und belegt hat. Seit kurzem ist damit Schluss. Aus persönlichen Gründen habe die Tigerin, wie sie sich nennt, ihren Laden geschlossen. Pascher ist nicht die Einzige, die Konsequenzen während eines Strukturwandels zieht, den Ladenbetreiber in der Altstadt in Regensburg gerade zu spüren bekommen – bei weitem nicht.

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Alexander Freitag und Mirelle Pütz planen, Mirelle’s Juicery am Zieroldsplatz zum 12. April zu schließen. Säfte, Smothies, Matcha und Bowls aus diesem Betrieb sollen den Regensburgern aber erhalten bleiben – allerdings auf einem anderen Vertriebsweg. „Ich will meine Energie in Events und Catering stecken“, erklärt Freitag diesen Schritt. Weiterhin ist die Filiale der französischen Kosmetikkette L’Occitane en Provence vor kurzem aus der Königsstraße verschwunden. Die Gründe dafür möchte das Unternehmen nicht öffentlich machen, schickt aber „Beste Grüße aus der Provence“.

Die Brückstraße ist kaum wiederzuerkennen

Damit nicht genug: Andere Läden zogen um. Zum Beispiel wanderte das Modegeschäft Milk von der Schwarze-Bären- in die Fröhliche-Türken-Straße, das Lokal Da Tino vom Haidplatz in die Gesandtenstraße, Blinkfuer Handruck von der Oberen in die Untere Bachgasse und die Escobar wird nach 23 Jahren in der Sterngasse bald in der Fröhliche-Türken-Straße zu finden sein. Zudem gibt es auch viele Neueröffnungen: Etwa befindet sich nun eine Weinbar im Altstadthotel Arch. In den ehemaligen Beppos Bootstore an der Ecke Weiße-Hahnen-Gasse zieht ein Café ein. Wer vor einem Jahr zuletzt in der Altstadt war, dürfte den Bereich in der Goliath- und der Brückstraße nicht wiedererkennen: Dort gibt es nun drei neue Gewürzläden, einen weiteren Bäcker, eine neue Bar und den Naschmarkt.

Mirelle’s Juicery am Zieroldplatz soll im April schließen. - Foto: Heike Haala

Ist das zufällig ganz schön viel Dynamik innerhalb weniger Monate, die sich hier bemerkbar macht, oder steckt da mehr dahinter? Für zwei Kenner des Einzelhandelsgefüges gibt es einen Grund für diese Entwicklung. Das sind Maria Müller, Geschäftsführerin bei Faszination Altstadt, und Josef Ebnet, Handelsexperte der Industrie- und Handelskammer für die Oberpfalz und Kelheim. Müller sieht darin den Ausdruck eines allgemeinen Strukturwandels, der sich in Form von steigenden Kosten, Personalengpässen, verändertem Konsumverhalten sowie einer wachsenden Bedeutung von Gastronomie, Erlebnissen und Services in Innenstädten bemerkbar macht. Ebnet bestätigt, dass die Dynamik sichtbarer sei als früher, weil wirtschaftlicher Druck, verändertes Konsumverhalten und struktureller Wandel zusammenwirkten.

Für die Händler in der Altstadt habe jeder Wechsel zwei Seiten, sind sich die Experten einig: „Leerstände und häufige Wechsel können Frequenz und Vertrauen beeinträchtigen“, sagt Ebnet. Auch Müller spricht von kurzfristigen Lücken und Verunsicherung, die eine Schließung gerade für Nachbarn erzeugen könne. Gleichzeitig bieten Umzüge und neue Konzepte laut Ebnet aber auch Chancen, den Branchenmix zu modernisieren und die Attraktivität der Altstadt zu stärken. „Umzüge innerhalb der Altstadt sind oft ein Zeichen dafür, dass Betriebe sich optimieren: bessere Lage, passende Fläche, realistischere Miete oder bessere Abläufe“, erklärt Müller.

Leerstandsquote: Kaufhof bleibt das größte Problem

Ja, dieser Wandel sei real, aber er bedeute nicht automatisch Niedergang, betont sie. „Entscheidend ist, dass wir ihn aktiv begleiten: mit fairen Rahmenbedingungen, einem lebendigen Nutzungsmix und einer Diskussion, die die Altstadt nicht auf einzelne Probleme reduziert, sondern ihre Stärken und Potenziale genauso sichtbar macht“, ordnet Müller die Entwicklung ein. Auch Ebnet sieht darin keinen ungewöhnlichen Ausnahmezustand.

Auch die französische Kosmetikkette L’Occitane en Provence hat sich aus der Altstadt verabschiedet. - Foto: Heike Haala

Das bestätigt ein Blick auf die Leerstandsquoten: Bezogen auf die Verkaufsfläche hat sich laut Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, zuletzt vor allem die Schließung der Galeria Kaufhof auf diese Zahlen ausgewirkt. Die rund 12 600 Quadratmeter Verkaufsfläche machen ihren Angaben zufolge knapp 20 Prozent der gesamten Einzelhandelsverkaufsfläche der Altstadt aus. Während davon im Jahr 2023 noch lediglich 6,7 Prozent leer standen, waren es im Jahr der Galeria-Schließung 28,4 Prozent und im vergangenen Jahr 21,8 Prozent. In Bezug auf die Einzelhandelsbetriebe hat sich die Leerstandsquote verbessert: Von einem Höchststand von acht Prozent im Jahr 2022 auf 5,4 Prozent im vergangenen Jahr.

Was aber brauchen die Einzelhandelsunternehmen in diesen turbulenten Zeiten? Entscheidend sind laut Ebnet stabile Rahmenbedingungen: Er zählt verlässliche Erreichbarkeit für Kunden, Beschäftigte und Lieferverkehr auf. Weiterhin müssten Leerstände und ein Trading-Down-Effekt konsequent verhindert werden. „Die Schließung des Kaufhofs sowie weitere Leerstände – auch in 1A- und 1B-Lagen – schwächen die Strahlkraft der Einkaufsstraßen deutlich“, warnt er. Vor allem ein ausgewogener Branchenmix könne Frequenz und Aufenthaltsqualität sichern. Diese Punkte betont auch Müller.