Regensburgs Innenstadt: Immer weniger Parkplätze für immer mehr Autos

Von Christian Eckl · 17. Februar 2026 um 19:00

Anwohner in der Regensburger Altstadt wissen nicht mehr, wohin sie ausweichen sollen, denn die Zahl der Autos nimmt zu, doch die Zahl der Parkplätze für Bewohner sinkt. Was sagen die OB-Kandidaten zur Situation? Und wer ist für mehr Parkplätze, wer für weniger?

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Es ist paradox: So, wie Deutschland seinen Wohlstand auf den Erfolg der Autoindustrie abstellte, so gut ging es den Regensburgern in den vergangenen Jahrzehnten genau wegen dieses Erfolges: Immer mehr Menschen haben ein Auto. Gleichzeitig wird seine Präsenz gerade in den Innenstädten als lästig empfunden. Nirgendwo lässt sich das in Regensburg so gut ablesen wie unter dem Brennglas des Welterbes in Altstadt und Stadtamhof.

Denn die Zahlen sind eindeutig: Noch nie gab es in Regensburg so viele Autos wie heute. Nachlesen kann man das in den Statistischen Jahrbüchern der Stadt. 1950 waren es in Regensburg noch nicht einmal 2500 gemeldete Autos. Im gesamten Stadtgebiet. 1960 waren es schon über 11 000. Die Zahl der gemeldeten Autos hatte sich bis ins Jahr 2010 vervielfacht: Knapp 71 000 Autos waren in Regensburg bis dahin zugelassen. Ende 2024 waren bereits 83 000 Autos zugelassen – davon übrigens etwa 6000 Hybrid- oder Elektro-Autos.

Allein in der Altstadt sind private 4150 Autos angemeldet. Dem stehen allerdings lediglich 1700 Bewohnerparkplätze gegenüber. Durch Umgestaltungsmaßnahmen, mehr Freisitzen in der Altstadt und beispielsweise dem Möblierungskonzept sind nach Angaben der Stadt 180 Parkplätze weggefallen. Die Zahlen, die von der Stadt geliefert werden, beziehen sich allerdings auf Altstadt, Stadtamhof und das Alte Eisstadion – dann sind es insgesamt 6765 Parkplätze. Etwa 1950 sind gebührenfrei, 1700 für Bewohner – der Rest verteilt sich auf die Parkhäuser und auf das Alte Eisstadion. Die Stadt sagt, sie könne keinen statistischen Vergleich mit dem Jahr 2010 vorlegen.

Bewohner bevorzugen, aber Parkplatzzahl verringern?

Doch für was stehen eigentlich die Kandidaten? Überraschend ist die Antwort der Grünen-Kandidatin Helene Sigloch. „Wir brauchen mehr Anwohnerparkplätze als heute, aber insgesamt müssen es weniger Parkplätze werden“, sagt die OB-Kandidatin der Grünen. Konkret sollen manche Parkplätze wegfallen, während andere, die aktuell öffentlich zugänglich sind, in Zukunft ausschließlich für Anwohner und Menschen, die in der Altstadt arbeiten, reserviert werden sollen. Auch in den Parkhäusern sei geplant, Teilflächen für diese Gruppen vorzuhalten. Sigloch: „Ich will die Straßen und Plätze den Menschen zurückgeben und damit die Attraktivität unserer Altstadt erhöhen.“

Momentan entsteht viel Verkehr in der Altstadt allein dadurch, dass Anwohner verzweifelt einen Parkplatz suchen.Astrid Freudenstein, OB-Kandidatin der CSU

CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein findet: „Momentan entsteht viel Verkehr in der Altstadt allein dadurch, dass Anwohner verzweifelt einen Parkplatz suchen. Parkplätze zu streichen, bedeutet so oft mehr statt weniger Verkehr. Das bringt so nix.“ Wer neu in die Altstadt ziehe, sollte sich überlegen, ob er auf das Auto verzichtet und stattdessen mit dem Leihsystem Earl zurecht kommt. „Das Fahrrad ist optimal für Altstadtbewohner“, so Freudenstein. „Vielleicht ist es auch eine Option, das Auto am Dultplatz zu parken und zu Fuß in die Altstadt zu gehen.“

Sie ist aber auch der Meinung: „Wir sollten unseren Parkraum noch besser organisieren, aber sicher nicht verringern. Einzelhandel, Ärzte und Dienstleister brauchen Parkplätze für ihre Kunden und Patienten. Andernfalls werden sie die Altstadt verlassen.“ Es würden auch ältere oder kranke Menschen in der Altstadt leben, die darauf angewiesen seien, dass Pflegedienste sie erreichen können. „Altstadt-Parkplätze völlig unsinnig zu opfern – etwa für eine überteuerte KiTa auf dem Dachauplatz-Parkhaus – lehne ich ab.“

Wir brauchen mehr Anwohnerparkplätze als heute, aber insgesamt müssen es weniger Parkplätze werden.Helene Sigloch, OB-Kandidatin der Grünen

Doch auch Sigloch sieht das so: „Lange Parkplatzsuche ist ein Ärgernis“, sagt sie. Für die Altstadt-Parkhäuser hat Sigloch eine konkrete Idee: Perspektivisch sollen dort Free-Floating-Systeme eingeführt werden. Diese würden es Anwohnern ermöglichen, Parkplätze vorab zu reservieren und sich so die mühsame Suche zu ersparen. „So wie wir es in den Quartiersgaragen der Prinz-Leopold-Kaserne haben werden“, ergänzt sie.

Parkverkehr auf die Parkhäuser beschränken?

Brücke-Kandidat Thomas Thurow sagt, seiner Ansicht nach fällt das geplante Parkhaus am Unteren Wöhrd zu klein aus. Damit würden 200 Parkplätze perspektivisch wegfallen. „Dies haben wir in den Debatten immer wieder kommuniziert.“ Thurow argumentiert aber auch, dass das beschlossene Konzept zur Verkehrsberuhigung Altstadt die Bewohner besser stellen würde. „Es entstehen in der Summe deutlich mehr Anwohnerparkplätze, um den Wohnort Altstadt auch für Menschen, die auf das Auto angewiesen sind, attraktiv zu halten.“

Es entstehen in der Summe deutlich mehr Anwohnerparkplätze, um den Wohnort Altstadt (...) attraktiv zu halten.Thomas Thurow, OB-Kandidat der Brücke

SPD-Kandidat Thomas Burger sagt: „Der Parkverkehr soll sich künftig mehr in Quartiersgaragen und Parkhäusern konzentrieren, deshalb auch die Schaffung zusätzlicher Parkplätze im Parkhaus am Petersweg oder der Bau der Mobilitätsdrehscheibe.“

Ich verfolge nicht die Strategie, Anwohnerparken in der Innenstadt zu reduzieren.Thomas Burger, OB-Kandidat der SPD

Er verfolge die Strategie, Anwohnerparken in der Altstadt nicht zu reduzieren, „die Angebote sollen stattdessen weiterentwickelt werden, verbunden mit der Entlastung von Parksuchverkehr in der Fläche und dem Ausbau von attraktiven Mobilitätslösungen für eine gute Erreichbarkeit unserer Innenstadt mit verbesserter Aufenthaltsqualität“. Burger fordert wie die Grünen eine „Regensburg-App“, wie er sie nennt, um eine bessere Verkehrslenkung zu freien Parkplätzen zu ermöglichen.