Jeder dritte Regensburger Schüler hat Deutsch nicht als Muttersprache gelernt

In Regensburg geben 33,8 Prozent aller Schulpflichtigen an, dass sie eine andere Sprache zuhause gelernt haben. Dem stehen allerdings lediglich 15 Deutsch-Förderklassen gegenüber. Was macht das mit den Lernerfolgen der Schüler? Ein Lehrerverbandschef hat dazu eine ganz eigene Meinung.
Der Anteil der Schüler, die Deutsch nicht als Muttersprache haben, liegt in Regensburg bei etwa einem Drittel. Das geht aus einer Antwort einer Anfrage im Landtag hervor. Regensburg liegt demnach im Mittelfeld. Sind es hier 33,8 Prozent aller Schüler, die Deutsch nicht als Muttersprache angeben, liegt der Anteil etwa in Nürnberg bei 55,6 Prozent. In Fürth bei Nürnberg sind es knapp 50 Prozent, in Augsburg und München jeweils 47. Ingolstadt liegt bei 41,8 Prozent nichtdeutscher Muttersprachler an den Schulen. Regensburg liegt mit 33,8 Prozent demgegenüber mit der Quote an Schülern mit nichtdeutschen Sprachhintergrund noch vor Bayreuth (28,4) und Bamberg (21,9 Prozent).
Förderbedarf bei 81 Prozent aller Schüler, die Deutsch nicht als Muttersprache haben
Für die Schulen bedeutet dieser hohe Anteil an Schülern, die Deutsch nicht als Muttersprache bezeichnen, eigentlich einen immens hohen Förderbedarf. So antwortete das Kultusministerium Ende vergangenen Jahres noch, dass bei einer „Sprachstands-Erhebung“ herausgefunden wurde, dass 21 Prozent aller Schüler mit Deutsch als Muttersprache sprachlichen Förderbedarf aufweisen würden. Bei Kindern, die Deutsch nicht als Muttersprache angeben würden, wären es 81 Prozent.
Dem gegenüber steht, dass es in Regensburg derzeit lediglich 15 Deutschklassen gibt, in denen Schüler mit Sprachdefiziten unterstützt werden.
Der gebürtige Regensburger Heinz-Peter Meidinger ist Ehrenvorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes. Meidinger sagt, er hätte die Zahl von Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache in Regensburg eher höher geschätzt: „In von der Größe her vergleichbaren Städten sind es allerdings auch mal gerne die Hälfte“, so Meidinger auf Anfrage der Mediengruppe Bayern.
„Wenn Kinder von Politikern auf diese Schulen gehen würden ...“
Der frühere Gymnasial-Direktor hatte im Interview mit der Mediengruppe Bayern harsche Kritik an mangelnden Integrationsbemühungen geübt. „Wenn mehr Kinder von Politikern auf Schulen mit 80 oder 90 Prozent Migrationsanteil wären, hätten wir längst andere Bedingungen“, sagte Meidinger im Interview. Das Thema ist sei bekannt, aber es werde politisch nicht ernsthaft angepackt. „Und das, obwohl Bildung der Schlüssel zur Integration ist – das sagen alle, aber es folgt zu wenig daraus.“ Der Regensburger und langjährige Verbandsvorsitzende kritisierte scharf, dass die Ergebnisse in Bildungstests wie etwa Pisa zunehmend schlechter würden. „Die Leistungen sinken – und bei Kindern mit Migrationshintergrund noch deutlich stärker als bei anderen. Und das betrifft längst nicht nur diese Kinder“, sagte Meidinger.
Der Ehrenpräsident des Lehrerverbandes forderte, auch kulturell genauer hinzusehen: „Kinder aus Ostasien etwa stehen oft unter starkem Leistungsdruck durch ihre Familien – das führt zu besseren schulischen Ergebnissen.“ In anderen Gruppen fehle diese Unterstützung oft. „Aber man darf das nicht ethnisch zuspitzen“, so Meidinger. „Es geht um soziale Faktoren, um Bildungstraditionen, um das sprachliche Umfeld – nicht um Herkunft per se.“