Der Abensberger Andreas Fischer will ins Landratsamt Kelheim zurück - aber nun als Chef

Von Martina Hutzler · 16. Februar 2026 um 19:00

Bei den Kommunalwahlen am 8. März steht auch der Kelheimer Landrats-Posten zur Wahl. Wir stellen die sechs Kandidaten und eine Kandidatin in alphabetischer Reihenfolge vor. Heute: Dr. Andreas Fischer - er strebt eine Rückkehr besonderer Art an.

Der Richter Andreas Fischer würde gerne wieder im Landratsamt Kelheim arbeiten – künftig freilich als Chef der Behörde. Der Abensberger kandidiert für die Stadt-Land-Union als Landrat. Und sieht seine frühere Berufsetappe in der Kelheimer Kreisverwaltung als klaren Vorteil, nicht nur für sich.

Als Schauplatz fürs Video hat Andreas Fischer das Hundertwasser-Ensemble in Abensberg gewählt:

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„Landrat kann man nicht lernen“, sagt Andreas Fischer und schmunzelt. „Aber es ist von Vorteil, wenn man das Landratsamt kennt; seine Stärken und Schwächen; wo man die Organisation verbessern könnte.“ Das Amt habe „tolle Mitarbeiter, aber bei der Effizienz noch ,Luft nach oben‘“, urteilt der jetzige Richter.

Seine Maxime wäre, „in kurzer Zeit Lösungen finden für Menschen in ganz verschiedenen Lebenssituationen“ – von der Bauantragsstellerin über den ÖPNV-Nutzer, dem eine Busverbindung fehlt, bis zum Betrieb, der mit Auflagen kämpft. „Ich würde mich als Pragmatiker bezeichnen“, der innerhalb der gesetzlichen Grenzen die Spielräume zu nutzen wisse. Und: Er sieht sich mit jetzt 59 in einem Alter, mit dem er problemlos zwei Amts-Perioden absolvieren könne. Eine dritte nicht, denn „ich würde akzeptieren, dass die Biologie dann nicht mehr alles zulässt“.

Für das Landrats-Amt nennt der jetzige SLU- und frühere FDP-Politiker einen Freie-Wähler Politiker als Vorbild: den früheren Kreis-Chef Dr. Hubert Faltermeier, bei dem er 1999 im Landratsamt Kelheim als Abteilungsleiter für Öffentliche Sicherheit anheuerte.

Ein Höhenflug der FDP trug ihn 2008 in den Landtag. Mit ihr flog Fischer 2013 wieder aus dem Landtag. Und trat dann aus, weil die Partei „sich in eine andere Richtung entwickelt hat“. Er sehe sich weiterhin als „liberal-konservativ“, zugleich „sozial- und umweltbewusst“. Und gut aufgehoben bei der Wählergruppe SLU, die an keine überregionale Partei gebunden sei, ergänzt der 59-Jährige.

„Wir brauchen unsere beiden Krankenhäuser“

Sein zentrales Wahlkampf-Thema ist die Gesundheitsversorgung. „Wir brauchen unsere beiden Krankenhäuser“. Das Kelheimer Haus immerhin sieht er „gut aufgestellt mit der neuen Geschäftsführerin“ Claudia Eder. Die Caritas als Träger von St. Lukas sei durchaus „mein Wunschpartner“ – es fehle nur der „Wunsch-Vertrag“: Der Landkreis sei jetzt vor allem Schulden- und Defizit-Zahler – man müsse mehr Mitspracherecht nachverhandeln, fordert Fischer.

Wenn Pfaffenhofen mit der ITK in den Ingolstädter Klinikverbund will, dann will ich nicht mehr in der ITK bleiben“Andreas Fischer zur Zukunft des Krankenhauses Mainburg

Die größere Herausforderung sieht er in Mainburg. Das Krankenhaus sei schon im jetzigen Ilmtalklinik-Duett der kleinere Partner. Wenn Pfaffenhofen die ITK nun noch in einen Ingolstädter Großverbund bringen wolle, „dann will ich nicht mehr in der ITK bleiben“, weil Mainburg, dann als „Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung“ (SüV), dort „untergeht“, sagt Andreas Fischer. Seine Alternative? „Nochmals mit der Caritas über eine Kooperation mit St. Lukas in Kelheim verhandeln.“

In jedem Fall brauche der Landkreis-Süden eine rund um die Uhr besetzte Notfallversorgung in Mainburg, im besten Falle mit komplettem, auch stationärem Leistungsspektrum, was aber schwierig sei. Helfen könnte eine bessere Kooperation mit niedergelassenen Ärzten, hofft er.

„Nicht gut aufgestellt“ sieht der Abensberger den Landkreis beim Öffentlichen Personen-Nahverkehr. Der Expressbus „Kexi“ etwa gehe „am Bedarf vorbei“: „Er nutzt Einzelnen – aber dafür ist das System zu teuer“. Der SLU-Politiker würde als Landrat den Kexi daher verkleinern und wieder mehr auf klassische Buslinien setzen – aber nur dort, wo Nachfrage bestehe. „Eine flächendeckende Anbindung können wir in einem Flächenlandkreis wie Kelheim nicht leisten.“

„Stellenmehrungen würde es mit mir nicht mehr geben“Landrats-Kandidat Andreas Fischer (SLU)

Ebensowenig leisten kann sich der Landkreis immer mehr Stellen in der Verwaltung, findet der Jurist. Stattdessen müsse man Personal flexibel innerhalb des Amts einsetzen. Dafür habe der Landrat ja die Organisationshoheit in der Behörde.

Tabu-Zonen beim Sparen sind aus Fischers Sicht die Bereiche Gesundheit, Bildung und Wirtschaft. Die zur Sanierung anstehende Abensberger Realschule etwa würde er gleich von sechs- auf siebenzügig erweitern: Ein späterer Ausbau „käme viel teurer“. Richtig gewesen sei die Entscheidung der Kreistags-Mehrheit, das vom Aus bedrohte kirchliche Gymnasium Rohr in Kreis-Trägerschaft zu übernehmen. Wenngleich ein neues Gymnasium in Neustadt schon auch gut gewesen wäre“ – ein solches hatte er als MdL einst selbst gefordert.

Kritischer Blick auf Logistik-Park Stocka

Den Betrieben im Landkreis, so Fischer, würde er stärker das Gespräch anbieten. Wobei ihm kleine und mittelständische Unternehmen lieber seien als ein Riese wie Amazon, mit „sehr vielen Arbeitsplätzen im Niedriglohn-Sektor“. Über das Logistikzentrum indes „werden letztlich Gerichte entscheiden“, ist der Verwaltungsrichter überzeugt.

Auf unternehmerischen Elan würde er auch gerne bei der Kaisertherme Bad Abbach setzen: Bezirk, Kreis und Gemeinde müssten gemeinsam alles daransetzen, einen Investor zu finden, der sie weiterhin als Therme betreibt, und sich dabei ein Mitspracherecht sichern. Dass Bezirk und Kreis stattdessen aus dem Zweckverband aussteigen und allein der Landkreis der Gemeinde 1,7 Millionen Euro zahle, sei hingegen falsch: „Das ist ein Freikaufen aus der Handlungsverantwortung!“

Zur Person

Privat: Andreas Fischer ist in Burglengenfeld (Kreis SAD) aufgewachsen. Der 59-Jährige lebt in Abensberg mit seiner Frau Elli, seiner Tochter und dem Familienhund.

Beruf: Jura studiert hat Fischer in Freiburg und München; promoviert hat er über „Kunstfreiheit und Strafrecht“. Er war u.a. von 1999 bis 2008 Abteilungsleiter Öffentliche Sicherheit und Ordnung im Kelheimer Landratsamt; eine Periode lang Landtagsabgeordneter; ist jetzt Verwaltungsrichter in Regensburg.

Politik: Der frühere FDP-Politiker tritt für die Stadt-Land-Union an; für diese ist er derzeit Fraktionssprecher im Kreistag. Sein Motto: „Wir müssen uns wieder auf die Kernthemen besinnen: Gesundheit, Bildung, Wirtschaft“.