Bundeswehr: Nein, danke? So debattiert Chams Jugend über die Wehrdienst-Reform

Der Ukraine-Krieg, der Nahost-Konflikt und die Unsicherheit in der internationalen Politik beschäftigen derzeit viele Menschen – auch Schülerinnen und Schüler in Cham. Am Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium wird das Weltgeschehen plötzlich ganz konkret: Die 2008er-Jahrgänge müssen sich mit dem neu strukturierten Wehrdienst auseinandersetzen. Alle, die heuer 18 Jahre alt werden, bekommen Post von der Bundeswehr.
Während vor allem im Dezember die Wehrdienst-Reform in weiten Teilen Deutschlands für viel Gesprächsstoff gesorgt und zu einigen Demonstrationen geführt hat, ist der Großteil des Q-12-Kurses „Politik und Gesellschaft“ der Grundidee nicht abgeneigt. „Ich finde es gut, dem Staat etwas zurückzugeben – beispielsweise für die gute Schulbildung. Es ist so ein bisschen: Die eine Hand wäscht die andere“, sagt Georg, der sich in der Diskussionsrunde mehrfach einbringt.
Georg muss, Keyshia und Valerie können antworten
Für ihn ist der Wehrdienst bei der Bundeswehr eine echte Option. Der angehende Abiturient ist 2008er-Jahrgang. Dieses Jahr wird er einen Brief von der Bundeswehr erhalten. Darauf muss er antworten, ob er den Wehrdienst machen will oder nicht. Anders gestaltet es sich bei Keyshia und Valerie.
Auch sie werden 2026 volljährig. Der Unterschied: das Geschlecht. Während Männer den Brief beantworten müssen, haben Frauen die Wahl, ob sie antworten wollen oder nicht. Zwei Schülerinnen empfinden das als ungerecht – allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Die eine ist zwar erleichtert, keinen verpflichtenden Brief ausfüllen zu müssen. Gleichzeitig findet sie es problematisch, weil es wirke, „als ob die von vornherein lieber Jungs als Mädels wollen“.
Die Sichtweise der anderen Schülerin zielt eher auf das Thema Gleichberechtigung ab. Es werde immer viel darüber geredet, in solchen Fällen werde aber dann vieles wieder anders gehandhabt. „Das fände ich als Mann ungerecht, wenn ich auch nicht will, aber – anders als Frauen – antworten muss“, sagt sie. Um über solche Thematiken zu sprechen und den Schülern das aktuelle Weltgeschehen abseits von TikTok und Instagram näherzubringen, unterrichtet Verena Eichinger das Fach Politik und Gesellschaft. „Das Schulfach ist essenziell wichtig. Das unterstreicht auch die Aufwertung zum zweistündigen Fach gegenüber dem damaligen, einstündigen Unterricht im G8“, sagt Eichinger.
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Auch ihre Schüler sind über den besonderen Unterricht froh. „Es ist ein Fach, in dem wir aktiv angesprochen werden, und es sind Themen, die wirklich was mit einem zu tun haben“, sagt Sophia. Valerie stimmt ihr zu. Es würden Themen behandelt, die sie alle betreffen – vom Aufbau der EU über den Wehrdienst bis hin zum Organspendeausweis.

Für Georg ist vor allem der offene Meinungsaustausch das Besondere an diesem Unterricht. „Es ist das einzige Fach, das wir in der Schule haben, in dem wir offen unsere Meinung über politische Themen sagen können, ohne dass jemand angegriffen wird.“ Man höre verschiedene Meinungen aus verschiedenen Schichten, was für ihn einen großen Mehrwert in der politischen Bildung bringe.
Schüler wünschen sich Einschätzungen von Experten
Neben einer Diskussionsrunde, wie sie am Anfang der Woche in Eichingers Kurs stattgefunden hat, würden sich die Schüler in Bezug auf den Wehrdienst auch noch Expertenbesuche wünschen. „Ich fände es gut, wenn jemand von der Bundeswehr zu uns kommt, der dafür ist, aber auch neutral Sachen erklärt. Genauso sollte jemand kommen, der dagegen ist, und vielleicht Vorteile vom Sozialdienst erklärt“, sagt Keyshia.
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Ein Aspekt, den Eichinger in Zukunft am liebsten berücksichtigen würde. „Das war für mich der spannendste Punkt in der Diskussion.“ Den Austausch versuche man generell zu gewährleisten. In Bezug auf den Wehrdienst habe aber bisher noch keine Veranstaltung dieser Art stattgefunden, wobei die Bundeswehr im Lehrplan der 12. Jahrgangsstufe verankert sei.
Für die Schülerinnen und Schüler des Kurses wird es dieses Jahr ernst. Viele melden sich bei der Frage, wer den Wehrdienst machen würde, nicht. Eine hysterische Stimmung gegenüber den neuen Regelungen gibt es aber auch nicht. Mit der Option, eine Alternative zum Wehrdienst wählen zu können, sind die meisten Schüler des Kurses der Erneuerung positiv gegenüber gestimmt.