Parteien antworten: Was bringt die Neumarkter Wirtschaft wieder in Schwung?

Von Petra Schlierf · 13. Februar 2026 um 11:00

Am 8. März wählen die Neumarkter einen neuen Stadtrat. Bewerber von acht Listen stellen sich zur Wahl. Was haben sie vor rund um das Thema Wirtschaft, Handel und Innenstadt?

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■ Wie soll Neumarkt Wirtschaft und Gewerbe weiterentwickeln? Wo gibt es noch Potenzial für neue Flächen?

CSU und UPW sehen weiterhin Bedarf für zusätzliche Flächen. Die CSU verweist auf aktive Bemühungen der Stadt unter Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn, neue Areale anzukaufen und auszuweisen – bevorzugt in Nähe bestehender Gewerbestandorte, etwa im Norden der Stadt.

Die UPW legt den Schwerpunkt auf die Entwicklung heimischer Betriebe. Sebastian Schauer nennt Frickenhofen wegen der Autobahnanbindung als besonders geeignet und plädiert zudem für Nachverdichtung bestehender Gewerbegebiete. Außerdem brauche es gezielte Gründungsförderung.

Gewerbeflächen: Wachstum oder Flächen sparen?

Franziska Hutzler (Grüne) setzt auf intelligente Nachnutzung, Verdichtung und Modernisierung vorhandener Areale. Neue Flächen seien nur begrenzt verfügbar, deshalb solle der Fokus auf wissens- und technologieorientierten Unternehmen liegen, unterstützt durch Kooperationen mit Hochschule und Netzwerken wie DreamDriven.

Die SPD betont weniger die Flächenausweisung als die allgemeinen Standortbedingungen: Kinderbetreuung, Schulen, medizinische Versorgung und Wohnraum seien entscheidend für eine funktionierende Wirtschaft. Zugleich verweist Günther Stagat auf niedrige Gewerbesteuern, erfolgreiche Umsiedlungen wie bei Europoles und Hammerbacher und Aktivierung von Leerständen. Keinen Bedarf an neuen Gewerbegebieten sieht Marco Winkler (Linke). Stattdessen fordert er eine qualitative Stärkung kleiner, lokaler Betriebe und des Handwerks. Diese kämen ohne weiteren Flächenverbrauch aus.

Auch die ÖDP spricht sich gegen eine extensive Flächenpolitik aus. Sie fordert maßvolle Ansiedlungen, weniger Logistikbetriebe und mehr Firmen, die echte Wertschöpfung bringen. Ein Fokus müsse auch auf interkommunaler Zusammenarbeit liegen, um Konkurrenz zwischen Gemeinden zu vermeiden.

Die FDP wiederum stellt die Expansionsmöglichkeiten bestehender Unternehmen in den Vordergrund und warnt davor, Betriebe durch Flächenmangel an Nachbargemeinden zu verlieren.

■ Die Wirtschaftskrise hat auch Neumarkt erreicht. Erste Werkschließungen sind beschlossene Sache. Was kann und sollte die Stadt tun, um die Wirtschaft zu fördern?

Einigkeit besteht darüber, dass die Stadt Entscheidungen von Konzernen nicht und wirtschaftliche Entwicklungen nur begrenzt steuern kann. CSU und Grüne sehen die Rolle der Kommune vor allem darin, Unternehmen zu begleiten, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und Angebote wie das Makers’ Home weiter auszubauen. Ähnlich argumentiert die UPW: Heinrich Zuckschwert fordert schnelle, verlässliche Abläufe und eine starke Unterstützung des Mittelstands. Die SPD verweist auf schon Geschaffenes, etwa neue Buslinien nach der Betriebsverlagerungen der Firma APTIV von Nürnberg nach Neumarkt, sowie auf das Gründerzentrum als Impulsgeber.

Ira Hörndler (FDP) findet nicht, dass die Wirtschaftskrise Neumarkt erreicht habe. Trotzdem könne die Stadt etwas für die Wirtschaft tun: „Der direkteste Hebel der Stadt ist der Gewerbesteuerhebesatz, der in Neumarkt erfreulich niedrig ist, was auch so bleiben soll.“ Zudem rücken aus ihrer Sicht weiche Standortfaktoren wie Wohnraum, Kitas, Schulen und Kulturangebote zunehmend in den Mittelpunkt.

Die Linke fordert eine sozial eingebettete Wirtschaftsförderung mit Fokus auf Innovation, Weiterbildung und neue Arbeitsmodelle. Die ÖDP sieht Chancen darin, gezielt Gründer und universitäre Spin-offs nach Neumarkt zu holen und selbstbewusst mit der Attraktivität des Standorts zu werben, findet Michael Moritz.

■ Welche zukunftsträchtigen Wirtschaftszweige sollte die Stadt forcieren? Wie könnte das gelingen?

CSU und UPW setzen vor allem auf die Weiterentwicklung bestehender mittelständischer Strukturen. Die UPW sieht besondere Potenziale in der Energie- und Umwelttechnik, Digitalisierung und Handwerk und fordert eine engere Verzahnung von Betrieben, Hochschule und Berufsschule.

Franziska Hutzler (Grüne) nennt erneuerbare Energien, Umwelt- und Klimatechnologien sowie Digitalisierung als zentrale Zukunftsfelder, verknüpft mit Förderprogrammen und attraktiven Lebensbedingungen für Fachkräfte.

Wirtschaftsbranchen mit Zukunft für Neumarkt

Auch SPD und ÖDP betonen Energiesicherheit, Offenheit für neue Ideen und die Bedeutung leistungsfähiger digitaler Infrastruktur mit Highspeed-Internet. Die Medizin- und Pharmabranche und Hochtechnologie wie den Halbleiter-Bereich sieht Marco Winkler (Linke) in Neumarkt weiter im Kommen. Diese Industrien seien gleichzeitig flächeneffizient und vergleichsweise emissionsarm.

Zurückhaltend zeigt sich die FDP: Ira Hörndler warnt davor, gezielt einzelne Branchen zu bevorzugen. Stattdessen setzt sie auf offene Innovationsförderung. Tetiana Aristharkhova fordert, den Rückstand in den Bereichen Digitalisierung und KI gegenüber ausländischen Wettbewerbern aufzuholen. Der öffentliche Bereich könne da mit E-Governance-Lösungen mit guten Beispiel vorangehen.

■ Auch der Handel schwächelt, gerade in der Innenstadt gibt es einige Leerstände. Was kann die Stadt da tun?

Während CSU und FDP die Neumarkter Innenstadt im Vergleich zu anderen Städten als relativ stabil einschätzen, sehen andere Parteien Handlungsbedarf. Karin Bögerl (UPW) schlägt Veranstaltungen, neue Nutzungskonzepte und eine attraktivere Gestaltung vor, um Leerstände zu reduzieren und den Handel zu stärken. CSU und FDP verweisen auf Initiativen wie „Aktives Neumarkt“, Pop-up-Stores, aber auch private Eigentumsverhältnisse, auf die die Stadt keinen direkten Einfluss hat.

Grüne, SPD und ÖDP setzen stärker auf Aufenthaltsqualität: mehr Grün, weniger Verkehr, mehr Außengastronomie. Die SPD kritisiert hohe Mieten und den Onlinehandel als strukturelles Problem.

Britta Dirrigl (Linke) fordert neue Nutzungskonzepte jenseits des klassischen Einzelhandels, etwa spezialisierte Läden, Reparaturbetriebe und eine stärkere Verzahnung von Handel, Kultur und Events.

Um den Handel und das Leben in der Innenstadt von Neumarkt wieder in Schwung zu bringen, haben die Parteien viele Ideen. - Foto: Nico Hilscher

■ In der Innenstadt wurde zuletzt viel ausprobiert, um sie zu beleben. Wie soll es dort weitergehen? Sollen Parkplätze und Verkehr weichen?

Die CSU plädiert für einen Ausgleich zwischen Aufenthaltsqualität und Erreichbarkeit und will Parkplätze und fließenden Verkehr nicht grundsätzlich infrage stellen. Ähnlich argumentiert die UPW, die eine „behutsame Verkehrsberuhigung“ statt radikaler Einschnitte bevorzugt.

Grüne, Linke und ÖDP sehen die Innenstadt langfristig stärker als Lebens- und Aufenthaltsraum. Weniger Autos, mehr Grün, mehr Platz für Menschen seien notwendig, ergänzt durch neue Mobilitätskonzepte. Die Linke will in der Innenstadt „weniger Verkehrsraum und mehr Lebensraum“. Dazu gehören kleine, barrierefreie Busse und mehr kulturelle Angebote.

SPD: Weniger Verkehr und Parkplätze in der Innenstadt, aber Ausnahmen

Die SPD unterstützt eine Reduzierung von Verkehr und Parkplätzen, pocht aber auf Ausnahmen für Menschen, die zum Arzt müssen oder mit kleinen Kindern unterwegs sind. „Auch einen anderen Straßenbelag an der Marktstraße sollte es geben“, so Stagat.

Die FDP setzt auf konkrete Maßnahmen wie Schrägparker, eine echte Fußgängerzone rund ums Rathaus, kleine Innenstadtbusse und die dauerhafte Etablierung von Grüninseln und Spielangeboten.

Die AfD hat sich zu den Fragen der Redaktion trotz mehrfacher Nachfrage nicht geäußert.