Klimawandel als Herausforderung für die Landwirtschaft im Landkreis Neumarkt

Von Heike Regnet · 13. Februar 2026 um 05:00

„Effizienz ist Klimaschutz“ lautete die zentrale Botschaft von Prof. Dr. Stephan Schneider beim 29. Agrarforum am Mittwoch im Johanneszentrum in Neumarkt. Der Klimawandel, dessen Auswirkungen für landwirtschaftliche Betriebe und die klimafreundliche Tierhaltung standen im Fokus des Referenten. Seine Vorschläge stießen allerdings nicht nur auf positive Resonanz.

„Diese Veranstaltung ist für uns eine Herzensangelegenheit“, sagte Wolfgang Meier von der Sparkasse. Das gewählte Thema beschäftige auch die Finanzbranche. „Wir stehen vor sehr großen Herausforderungen“, betonte Harald Gebhardt, Leiter des AELF. „Vieles, was wir gewohnt waren und funktioniert hat, kommt auf den Prüfstand.“ Daher sei gerade jetzt wichtig, sich zu artikulieren und zu positionieren. So müsse in der Umsetzung des Umweltschutzes noch vieles hinterfragt und diskutiert werden.

Beim 29. Agrarforum in Neumarkt ging es auch um den Beitrag der Landwirtschaft zum Klimawandel. - Foto: Heike Regnet

Die Frage „Klimafreundliche Tierhaltung – Nice zu have oder bald ein Muss?“ beleuchtete Stephan Schneider, dem die Zuhörer aufmerksam lauschten, da nicht nur das komplexe Thema, sondern auch der schwäbische Dialekt des Referenten dem interessierten Publikum höchste Konzentration abverlangten. Er informierte über Treibhausgase, internationale und nationale Vereinbarungen, Verordnungen und Gesetze, sowie die Forderungen des Lebensmitteleinzelhandels. Konkrete Maßnahmen erläuterte Schneider anhand eines Betriebs in Hessen, der zur ersten „Klima-Milchfarm“ in Deutschland umgebaut wurde.

Treibhausgase: Anteil der Landwirtschaft wächst

Die Statistik zeige, dass der Anteil der Landwirtschaft an Treibhausgasemissionen seit 1991 stetig wachse. Prognosen besagten, dass ab 2044 die Landwirtschaft größter Emittent sein werde. „Agrarpolitik wird in Brüssel gemacht“, sagte Schneider. Politik habe jedoch mit Wissenschaft wenig zu tun. Green Deal, „grüne Kredite“, EU-Taxonomie-Verordnung waren weitere Schlagwörter. „Nachhaltigkeit wird zu einem Kriterium des Risikomanagements in der Finanzwirtschaft.“ Die Folge: „Kreditvergaben werden zunehmend schwieriger.“

Wichtige Aufgabe sei es, bestehende Ställe am Standort zu optimieren. Erster Schritt sei das Erstellen einer Klimabilanz für den eigenen Betrieb. Es gelte, die Erträge zu ermitteln, um bedarfsgerecht zu düngen. So empfahl Schneider, eine Waage im Betrieb, denn „was man nicht misst, kann man nicht steuern.“

Verbesserungen beim Futterverbrauch

Auch beim Futterverbrauch könne jeder Betrieb ansetzen, Futtermengen und -verluste genau beachten. Schneider empfahl die Sanierung des Futtertisches und den Einsatz von Futteranschieberobotern. Zudem müsse das Stallklima optimiert werden, um Hitzestress zu verringern und das Tierwohl zu erhöhen, was zu höherer Milchleistung führe.

Auch die Jungviehaufzucht gelte es zu optimieren. Die Abdeckung von Güllebehältern sorge für eine Verringerung gasförmiger Emissionen wie Methan, ebenso der Einbau von Fressständen mit Abtrennungen und der Einsatz von Futterzusatzstoffen. „Häufig ist Klimaschutz bei Stall, Futter und Fütterung einfach die konsequente Umsetzung der guten fachlichen Praxis“, so Schneider.

Kritik von Seiten der Landwirtschaft

Schon vor dem Vortrag hatte Michael Gruber vom Bauernverband deutliche Worte gesprochen. Das Thema „Klimafreundliche Tierhaltung“ stoße teilweise auf Unmut bei den Landwirten, da es zugleich weitere „Bürokratielast“ bedeute. „Wenn wir die Rinderzucht nicht hätten, könnten wir unser Volk nicht ernähren“, mahnte Gruber.

In der Diskussionsrunde gab es neben einigen fachlichen Fragen dann auch kritische Stimmen und Anmerkungen wie: „Wenn man so auf die Landwirtschaft losgeht, ist das das Ende der Landwirtschaft“ oder auch „Man sollte den Leuten vor dem Klimawandel nicht so viel Angst machen“.

Organisiert hatten das Agrarforum der Verband für landwirtschaftliche Fachbildung (VLF) Neumarkt und die Sparkasse Neumarkt-Parsberg als Sponsor. Es fand in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, dem Bauernverband sowie den Maschinenringen Neumarkt Plus und Jura statt.