Neumarkter Landwirte nehmen beim Stallgespräch Landratskandidaten in die Pflicht

Von Heidi Bauer · 31. Januar 2026 um 05:00

In einem Ziegenstall bei Freystadt (Landkreis Neumarkt) begann eine Debatte, die für viele Bauern existenziell ist. Der BBV konfrontierte die Landratskandidaten mit Sorgen zu Flächenverbrauch, Wasserschutz und Investitionshemmnissen. Welche Positionen überraschten – und wo es kritisch wurde.

Welche Weichen stellt die zukünftige Landrätin, der zukünftige Landrat, um die Existenz der Landwirte zu sichern? Beim Stallgespräch im Ziegenhof-Café Deß fühlten die Verantwortlichen des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) den fünf Kandidaten von CSU, SPD, Freien Wählern, Grünen und FDP zwei Stunden lang auf den Zahn und machten klar, dass und wo sie sich mehr Unterstützung erwarten.

Mit dem Stallgespräch nahm es der Bauernverband wörtlich: Denn Auftakt für die Veranstaltung war im Ziegenstall, wo Maria Deß über ihre Tiere und den Hof sprach. In der Kommunalpolitik werden viele Entscheidungen getroffen, die die Bauernfamilien direkt vor Ort angehen und sie in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung maßgeblich beeinflussen. Deswegen war der Zeitplan für das Speed-Pitching mit den Kandidaten streng getaktet: Sie hatten für jede Antwort auf die insgesamt acht Fragen zu vier Themenblöcken zwei Minuten Zeit.

Für einen „verursachergerechten Gewässerschutz“

■ Umwelt, Fläche, Energie, Wasser: Im Landkreis Neumarkt stünden Landwirtschaft, Naturschutz und Energiewende zunehmend in Konkurrenz um Flächen und Auflagen, erläuterte BBV-Kreisobmann Michael Gruber. Der Druck durch Photovoltaik- und Windkraftprojekte steige. Er hakte nach, wo die Kandidaten die Grenzen des Zumutbaren sehen.

Dr. Katharina Ziegler (CSU) sprach sich dafür aus, Flächen zu sparen, nachzuverdichten und gute Böden zu schützen. Ähnlich sah es Martin Meier (FW), der landwirtschaftliche Fläche als Lebensgrundlage bezeichnete. In Neumarkt habe der Stadtrat den Forderungen bereits Rechnung getragen und beispielsweise mit Stauf-Süd oder bei Frickenhofen dort neue Gewerbeflächen ausgewiesen, wo die Böden nass und schwer zu bewirtschaften sind.

Wir haben es satt, immer als Verursacher an den Pranger gestellt zu werden.Michael Gruber, BBV-Kreisobmann

Sascha Renner (FDP) sah die Grenze des Zumutbaren für die Landwirte erreicht, und Stefan Haas (Grüne) führte die Gemeinde Berg als Beispiel an, die für Freiflächen strikte Regelungen habe. Er sprach sich für eine interkommunale Zusammenarbeit aus. Dirk Lippmann (SPD) sah die Grenze des Zumutbaren erreicht, wenn Landwirte in ihrer Existenz gefährdet seien.

„Wir haben es satt, immer als Verursacher an den Pranger gestellt zu werden“, echauffierte sich Gruber mit Blick auf den Wasserschutz. Dieser habe für die Landwirte oberste Priorität. Deswegen wollte der BBV-Obmann wissen, wie die Kandidaten die Wasserqualität verbessern wollen, ohne die Landwirte zusätzlich zu belasten.

Martin Meier unterstrich, dass es noch nie zuvor so sauberes Trinkwasser gegeben habe wie heute, und wehrte sich gegen eine pauschale Verurteilung von Landwirten. Wie er forderten auch die anderen Kandidaten einen „verursachergerechten Gewässerschutz“.

Probleme mit dem Biber im Fokus

Jagd, Wald und Gewässer: Martin Federhofer vom BBV-Vorstand wollte von den Landratskandidaten wissen, wie sie das Biberproblem konkret angehen wollen und ob sie bereit seien, Entnahmen zu erleichtern. In einer extremen Schieflage sah Stefan Haas das System, wenn Landwirte aus Verdruss über die Bürokratie noch nicht mal mehr Anträge auf Entschädigung stellten. Dirk Lippmann fand, dass der Landkreis Neumarkt im Vergleich zu anderen bei der Lösung des Problems hinterherhinke und Martin Meier hielt es für zwingend, die Entnahmezahlen zu forcieren. Auch Katharina Ziegler sprach sich für ein schnelleres Vorgehen aus.

Die Zukunft der Landwirtschaft entscheidet sich bei jungen Familien, die bereit sind, Höfe zu übernehmen.Theresa Eichenseer, BBV-Kreisvorstand

Federhofer warf zudem die Frage auf, was die Kandidaten tun wollten, um den Verbiss im Wald zu senken und den Waldumbau voranzubringen. Hier befürworteten Haas, Lippmann und Ziegler die Devise Wald vor Wild. Meier und Renner plädierten, Jäger und Waldbesitzer müssten das Gespräch suchen.

■ Junge Landwirte: Theresa Eichenseer vom BBV-Kreisvorstand hakte nach, wie die Kandidaten dafür sorgen wollen, dass junge Landwirtsfamilien wieder Investitionssicherheit bekommen, sodass diese nicht frustriert aufgeben. Dirk Lippmann stellte fest, dass viele Vorgaben aus Berlin und Brüssel kämen. Wie er plädierte auch Katharina Ziegler dafür, Genehmigungsverfahren zügiger zu gestalten. Die CSU-Kandidatin schlug ferner vor, dass Behörden und Landwirte bereits im Vorfeld der Antragstellung Gespräche führen sollten. Es gelte, klare Ansprechpartner im Landratsamt auszuweisen und die Verfahrensabläufe im Amt zu „kanalisieren“. Ähnlich äußerten sich Martin Meier und Sascha Renner. Konsequente Digitalisierung bei den Antragsverfahren forderte Stefan Haas ein. Zudem sollten mögliche Spielräume bei Anträgen genutzt werden.

Weiche Standortfaktoren müssen stimmen

■ Versorgung im ländlichen Raum und Ernährungssicherheit: Einig waren sich alle Kandidaten bei der Frage von Kreisbäuerin Rita Götz, wie man den ländlichen Raum attraktiv halten wolle: Die Anbindung über den ÖPNV, die medizinische Versorgung, die Mobilfunkabdeckung und die Digitalisierung müssten vorangebracht werden.

Stefan Haas sprach sich für den Erhalt von Schulen und Kindergärten in kleinen Orten aus. Dirk Lippmann sah in puncto Hochschule Aufholbedarf. Katharina Ziegler unterstrich, es sei elementar, Dorfgemeinschaften, Vereine und das Ehrenamt zu fördern – ein Punkt, den die BBV-Verantwortlichen als sehr wichtig erachteten.

Hinsichtlich der Sicherung der regionalen Ernährung erkundigte sich Rita Götz des Weiteren. Dabei waren sich die Kandidaten einig, dass landkreiseigene Liegenschaften, Läden, Schulen und Kitas regionale Lebensmittel verwenden sollten.