Fast zehn Millionen Euro über 15 Jahre: Radverkehrskonzept für Neumarkt beschlossen

Am Donnerstag hat der Neumarkter Stadtrat nach vielen Jahren des Wartens das Radverkehrskonzept beschlossen. Welchen Wert das Konzept für den Radverkehr tatsächlich haben wird und ob seine Kritiker bzw. Verteidiger recht behalten werden, wird erst die Praxis zeigen. Was im Konzept drin steht, ist hingegen klar.
Ausgangspunkt für das Konzept ist die Absicht der Stadt, den Radverkehr auszubauen. Konkret hat sich Neumarkt als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) verpflichtet, bis zur nächsten Zertifizierung den Anteil der im Gesamtverkehr mit dem Rad zurückgelegten Wege von 31 auf 33 Prozent zu erhöhen. Die nächste Zertifizierung ist 2027.
Diesem Ziel verschrieb sich der Stadtrat mit einer Mehrheit seiner Stimmen. Zugleich stimmten 27 Stadträte (bei fünf Gegenstimmen) für das vorgestellte Radverkehrskonzept. Im Vorfeld hatten die Stadträte einmal mehr die bekannten unterschiedlichen Sichtweisen ausgetauscht: Kritik einerseits, dass das Konzept zu wenig liefere, und die Verteidigung andererseits, dass das Konzept eine gute, flexible Grundlage für weitere Planungen sei.
Neun Prozent der Radwege sind zu schmal
Für das Konzept haben Experten eines Planungsbüros und der Verwaltung unter Einbeziehung lokaler Ansprechpartner beispielsweise des ADFC das bestehende Netz analysiert. Ergebnis: 53 Prozent aller untersuchten Streckenabschnitte sind ohne jegliche Radinfrastruktur. Neun Prozent der bestehenden Radwege sind nach Ansicht des Konzepts zu schmal und fünf Prozent haben eine unpassende Oberfläche. 35 Prozent des ausgewählten Straßennetzes erfüllten die Ansprüche der „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (ERA) an den Radverkehr.
Das Konzept sieht deshalb Maßnahmen in vier Prioritätsklassen vor. Die Hauptrouten mit fehlender Radinfrastruktur (Priorität eins und zwei) sollen innerhalb von sieben bis acht Jahren ausgebaut werden. Hauptrouten mit unzureichender Radinfrastruktur (Priorität 3) sowie Zubringerstrecken sollen bis 2040 ausgebaut werden. Wichtig: Das Konzept empfiehlt, es legt nicht fest.
Für all das setzt das Konzept 9,92 Millionen Euro innerhalb von 15 Jahren an. Wobei es sich dabei nur um die Kosten für die Stadt handelt. Solche, die andere Baulastträger übernehmen, sind nicht aufgenommen. Auch sind der Radweg nach Höhenberg oder die besonders im Fokus stehenden Umbauten mehrerer großer Kreuzungen (u. a. Oberes Tor, Ringstraße zum Romstöck-Ring und Freystädter Straße) nicht Bestandteil der Kosten. Sie sollten separat betrachtet werden, argumentiert das Konzept.
Für das Radnetz, wie es sich das Konzept vorstellt, werden Radfahrer und Fußgänger getrennt geführt. Ein gemeinsam genutzter Weg sei zumindest innerorts nicht akzeptabel. Das Konzept präferiert auf Hauptrouten Fahrradstraßen, Radfahrstreifen, getrennte Ein- bzw. Zweirichtungsradwege.
Konzept nimmt Rücksicht auf historische Stadt
Auf alternative Führungsformen (beispielsweise kombinierter Geh- und Radweg) sollte laut Konzept nur ausgewichen werden, wenn beispielsweise zu wenig Platz vorhanden ist oder ein Umbau „unverhältnismäßig große Eingriffe“ nötig machen würde.
„Basierend auf der historisch bedingten Stadtstruktur sind besonders im Stadtzentrum Kompromisse zwischen den Verkehrsarten nötig“, heißt es im Konzept. In der Mehrheit der Maßnahmen sei daher auf teure Umbauten verzichtet und stattdessen Lösungen gefunden worden, die sich in den Bestand integrieren.
Damit geht das Konzept auf jene ein, die auf die Zwänge einer historischen Stadt verweisen. Die Kritiker des Konzepts wiederum finden, es verteile den Straßenraum nicht gerecht gemessen am hohen Anteil von Radfahrern am Gesamtverkehr der Stadt.
Zum Konzept gehören aber nicht nur Wege, sondern auch Abstellmöglichkeiten für Räder. Für die Altstadt hatte der Stadtrat im Herbst 2024 ein Radbügelkonzept beschlossen. Insgesamt sollen 230 Anlehnbügel aufgestellt werden. Die gemeinsam mit der Bahn geplanten Fahrradabstellplätze am Bahnhof werden wohl erst nach der Generalsanierung der Bahnstrecke angegangen werden. Auch sie sind Teil des Radverkehrskonzepts.