MZ-Podiumsdiskussion mit Schwandorfs OB-Kandidaten: Bahnhof und Schmidtbräu polarisierten

Es war ein fairer Schlagabtausch, den sich die Schwandorfer OB-Kandidaten am Mittwoch lieferten. Die MZ hatte wenige Wochen vor der Kommunalwahl zur Podiumsdiskussion in die Oberpfalzhalle geladen. Themenschwerpunkt waren die Entwicklungen in der Innenstadt – von der Leerstandsproblematik über die Zukunft des Schmidtbräu-Areals bis hin zum Bahnhof.
Etwa 250 Zuhörer, darunter auch einige Ehrengäste aus der Stadtgesellschaft, hatten sich im Vorfeld die begehrten Plätze gesichert. Der Parlamentarischen Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf (CSU) war es vorbehalten, den Abend zu eröffnen. Sie hoffte auf „interessante Einblicke und viele Perspektiven für die Zukunft der Stadt“. Die sollte es an diesem Abend letztlich geben, auch wenn die Kandidaten erst etwas warm werden mussten.
Beim ersten Themenblock „Unterwegs in der Innenstadt“, hielten sich die Protagonisten mit konkreten Aussagen zunächst zurück. Ein Patentrezept, um der zunehmenden Leerstandsproblematik zu begegnen, hatte niemand. Der Tenor: Schwandorf ereile gerade das gleiche Schicksal wie andere Städte in der Region. Gründe sahen die Kandidaten im Online-Handel, hohen Mieten und der fehlenden Bereitschaft, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Und sie nahmen auch die Kunden in die Pflicht: Wenn keiner vor Ort einkaufe, werde es für die Geschäfte schwer.
Kritik an Parküberwachern sorgte für Zündstoff
Andreas Wopperer (CSU) und Dieter Jäger (FW) wurden schließlich etwas deutlicher. Während Jäger den Durchfahrtsverkehr in der Friedrich-Ebert-Straße drastisch verringern möchte, um die Aufenthaltsqualität zu steigern, sah Wopperer eine Chance in mehr Wohnraum. Dadurch wäre die Stadt von Haus aus frequentierter und so für Händler interessanter. Kurt Mieschala (UW) und Tobias Mainka (Linke) sahen in regelmäßigen Veranstaltungen und Aktionen Potenzial für mehr Leben in der Innenstadt.
Für Zündstoff sorgte AfD-Mann Roland Kraus, dem die Parküberwacher zu kleinlich sind. Er warf den Mitarbeitern des Ordnungsamts vor, wenig Kulanz zu zeigen. Auch das würde potenzielle Kunden vergraulen. Dafür gab es vereinzelt Applaus, aber auch Gegenwind. Andreas Weinmann von der SPD bezeichnete es sogar als „unerträglich“, wenn ein OB-Kandidat der Stadt vorwerfe, dass sie Gesetze befolgt.

Beim Thema Bahnhof wollten die beiden Moderatoren, Redaktionsleiter Martin Kellermeier und Redakteur Jan Lange, unter anderem wissen, wie man dort für ein besseres Sicherheitsgefühl sorgen könne. Schließlich hatte es in der Vergangenheit immer wieder unschöne Vorfälle gegeben – von einer Pfefferspray-Attacke bis zum Raub.
Linken-Kandidat Mainka fühlt sich selbst am Schwandorfer Bahnhof sicher, wie er sagte. Doch auch er sah Verbesserungspotenzial. Es müsse mehr Leben einkehren. Mainka schlug vor, ein Café mit längeren Öffnungszeiten zu etablieren oder Pop-up-Stores anzusiedeln. Außerdem müsste dringend in Sachen Beleuchtung nachgebessert werden.
Das sah auch Andreas Weinmann von der SPD so. Er schlug vor, neben der Beseitigung von dunklen Ecken auch das Bahnhofsgebäude und dessen Vorplatz aufzuwerten. Außerdem wolle er dauerhaft die Bundespolizei vor Ort wissen, die nach dem Rechten sehe.
Andreas Feller griff die Thematik auf und rief ins Gedächtnis, dass es bereits viele Gespräche gegeben habe. Man habe den Finger in die Wunde gelegt, kämpfe aber mit wechselnden Zuständigkeiten.
Sorgt Praxis für Suchtmedizin für mulmiges Gefühl?
Kritischere Worte wählten Roland Kraus und Kurt Mieschala. Kraus könne jede Frau verstehen, die sich nachts nicht traue, alleine auf den Zug zu warten. Er forderte mehr Präsenz von Polizei und Ordnungsamt. Mieschala nahm vor allem die Praxis für Suchtmedizin ins Visier, die seit 2023 gegenüber des Bahnhofs liegt. Er könne verstehen, dass zumindest das subjektive Sicherheitsgefühl darunter leide.
Jäger (FW) wollte das so nicht stehen lassen. Er stellte die Frage, wo die Praxis sonst hin sollte? Schließlich kämen die Patienten von weit her nach Schwandorf. Und die Betroffenen hätten oft keinen Führerschein.
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CSU-Kandidat Andreas Wopperer plädierte dafür, dass der Außendienst des Ordnungsamts endlich die Erlaubnis erhalten müsse, auf dem Bahnhofsgelände durchzugreifen. Bisher liegt dort die Zuständigkeit ausschließlich bei der Bundes- und Landespolizei. Außerdem scheitere vieles am barrierefreien Ausbau, der auf sich warten lasse. So lang dieser nicht vollzogen sei, könne man am Erscheinungsbild des Bahnhofs wenig ändern.
Schmidtbräu-Areal: Millionengrab oder große Chance für Schwandorf?
Besonders weit gingen die Meinungen beim dritten Themenschwerpunkt, dem Schmidtbräu-Areal, auseinander. Die Stadt hatte 2017 das Gelände samt früherer Raiffeisenbank und dem Gasthof zur Post erworben und 2022 ein Konzept entwickelt. Neben Wohnungen und einem Bürgersaal sollen hier die Musikschule, die Stadtbibliothek, die Tourist-Info sowie die Volkshochschule ihren Platz finden. Bis heute ist aber nichts passiert.
Mieschala und Jäger betitelten das Projekt als „Millionengrab“. Die Stadt hätte das Gelände nie erwerben dürfen. Jetzt stehe man wegen immens gestiegener Baukosten vor der Entscheidung, ob sich überhaupt noch etwas realisieren lasse. Die Pläne müssten erheblich abgespeckt werden und ein privater Investoren mit ins Boot geholt werden.

Das sah Andreas Wopperer von der CSU ähnlich. Er rief jedoch ins Gedächtnis, dass die finanzielle Situation noch eine andere gewesen sei, als die Stadt damals zugeschlagen hatte. Priorität hätten nun Pflichtaufgaben wie die Umstrukturierung der Mittelschulen und der Neubau der Feuerwache.
Weinmann und Feller verteidigten den Kauf vehement. Nur so können man das Areal selbst entwickeln. Auch wenn die Finanzierbarkeit natürlich ein Faktor sei, dürfe man das Projekt nicht sterben lassen. Roland Kraus von der AfD hatte für die bisherigen Pläne wenig übrig. Was es brauche, seien Wohnungen, Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie. Das belebe die Innenstadt.
MZ-Leser stimmten ab: Er war der Gewinner des Abends
Prozedere: Wie bei zurückliegenden Podiumsdiskussionen wollte die MZ von den Zuhörern auch dieses Mal wissen, welcher Kandidat sie an diesem Abend am meisten überzeugt hat. Dazu erhielt jeder Gast einen Stimmzettel und konnte einen der sieben OB-Kandidaten wählen. Insgesamt wurden 213 Zettel abgegeben.
Ergebnis: Als Sieger des Abends ging Amtsinhaber Andreas Feller hervor, der diesmal mit der Bürgerliste Schwandorf ins Rennen geht. Er holte 52 Stimmen. Auf Platz zwei folgte Kurt Mieschala von den Unabhängigen Wählern (40). CSU-Kandidat Andreas Wopperer wurde Dritter (36), gefolgt von Andreas Weinmann (SPD, 23), Dieter Jäger (FW, 17), Roland Kraus (AfD, 10) und Tobias Mainka (Linke, 8). 23 Stimmzettel waren leer, vier ungültig.