Nach Brand in Schwandorfer Asylunterkunft: Bewohner suchen neues Zuhause

Sie kamen mit wenig und haben jetzt gar nichts mehr. Bei dem verheerenden Brand in einer dezentralen Asylunterkunft an der Falkenauer Straße in Schwandorf am 15. Januar haben mehrere Familien nicht nur ihr Dach über dem Kopf verloren. Auch ihr Alltag hat sich seitdem erheblich verkompliziert. Nun bitten sie die Bevölkerung um Hilfe.
Liubov Martynenko war gerade im Integrationskurs im Kolping-Bildungswerk in Schwandorf, als die Hiobsbotschaft hereinflatterte. Das Wohnhaus an der Falkenauer Straße, in dem die Ukrainerin zusammen mit ihren drei Töchtern eine neue Heimat gefunden hat, brannte lichterloh. Die 43-Jährige eilte mit einigen Kursteilnehmern sofort zum Unglücksort und konnte nur dabei zusehen, wie das letzte Hab und Gut, das ihr noch blieb, ein Raub der Flammen wurde.
Das Feuer war gegen 10.15 Uhr im Erdgeschoss ausgebrochen und hatte sich seinen Weg bis zum Dachstuhl gebahnt. Ursache war laut Polizei wohl ein technischer Defekt. Die Asylunterkunft ist seit dem Brand, bei dem mehrere Bewohner leicht verletzt wurden, unbewohnbar.
Geld, Schmuck und wichtige Dokumente sind verbrannt
Auch heute blickt Martynenko schmerzlich an den 15. Januar 2026 zurück. Denn seitdem ist nichts mehr, wie es war. Nicht nur, dass das gesparte Geld, der Schmuck und wichtige Dokumente von einem Moment auf den anderen verbrannten – auch die Umstände haben sich für die Familie verschlechtert. Die Mutter und ihre drei Töchter sind seit 2023 in Deutschland. Sie flohen vor dem Krieg und wollten sich in Schwandorf eine neue Existenz aufbauen. Liubov Martynenko lernt im Kolping-Kurs von Maren Maibom fleißig die deutsche Sprache. Zwei ihrer Kinder gehen in der Großen Kreisstadt zur Schule, eine Tochter arbeitet in einer Bar.

Die Wohnung an der Falkenauer Straße war für die Familie ideal. Die Wege waren kurz und es war alles da, was es zum Leben braucht. Seit Mitte Januar wohnen Liubov Martynenko und ihre Kinder in Steinberg. Das Landratsamt hat ihnen vorübergehend eine neue Unterkunft zugewiesen. Hier können sie zumindest bis 31. März bleiben, sagt Martynenko.
Doch ihr neuer vorrübergehender Wohnort stellt die Familie vor mehrere Herausforderungen, vor allem in Sachen Logistik. Sie hätten momentan kein Auto zur Verfügung und der ÖPNV sei eher dürftig ausgebaut, erzählt die Ukrainerin. Vor allem für die älteste Tochter sei das ein Problem. Denn sie müsse sich öfter ein teures Taxi holen, um von der Arbeit wieder heim zu kommen. Denn ein Bus fahre zu dieser Zeit nicht mehr nach Steinberg.
Schwierige Umstände für ein vier Monate altes Baby
Auch für Salbeih Baki (23) und ihren Lebensgefährten Flat Salih (35) hat sich seit dem Brand vieles verändert. Die 23-Jährige lebte mit ihrer damals drei Monate alten Tochter Dylan im 1. Stock des Wohnhauses an der Falkenauer Straße. Auch ihre Wohnung wurde vollständig zerstört. Wichtige Dokumente, Bargeld und auch eine kurdische Gitarre, die ihr Mann in der Wohnung aufbewahrte, sind nur noch Asche. „Das tut besonders weh“, sagt Flat Salih (35). Er lebte selbst zwar nicht in der Wohnung an der Falkenauer Straße, war dort aber täglich zu Gast – und hatte dort eigentlich sein ganzes Hab und Gut gelagert.
Er hätte Frau und Kind nach dem Brand gerne zu sich genommen. Doch das sei nicht möglich gewesen. Denn der Familienvater wohnt lediglich in einem kleinen Einzelzimmer in einer Gemeinschaftsunterkunft in Dachelhofen, wie er schildert. Die junge Mutter wurde samt Kind deshalb vom Landratsamt in einer neuen Unterkunft in Schwandorf untergebracht. Mehrere Menschen aus unterschiedlichen Nationen leben hier, wie Salbeih Baki erzählt. „Hier wird viel geraucht und scharf gekocht“, sagt sie. Sie habe Angst, dass die Umstände schädlich für ihr mittlerweile vier Monate altes Baby seien. Und auch Flat Salih leidet unter der Situation, erzählt er. Er könne nicht bei seiner Frau und seiner Tochter übernachten.
Die junge Familie wünscht sich nur eines: Eine private Wohnung finden, in der sie zu dritt glücklich werden können. „Wir wollen in Schwandorf bleiben, hier gefällt es uns sehr gut“, sagt Flat Salih. Und auch Liubov Martynenko würde zusammen mit ihren Töchtern gerne wieder in der Großen Kreisstadt sesshaft werden. Alle hoffen nun auf Unterstützung aus der Bevölkerung. Dass die beiden anderen beiden Familien, die ebenfalls in dem nun abgebrannten Haus wohnten, mittlerweile neue Wohnungen gefunden haben, gibt ihnen Zuversicht.
Pfarrei Herz Jesu spendet 1100 Euro für die Brandopfer
Und nicht nur das. Die Hilfsbereitschaft ist seit dem Brand ohnehin enorm. Viele Bekannte aus dem Integrationskurs greifen den Brandopfern unter die Arme und auch Spendengelder wurden gesammelt. So hat beispielsweise die katholische Pfarrei Herz Jesu, in deren Pfarrgebiet der Brandort liegt, die Kollekte von den Sonntagsgottesdiensten am 25. Januar gespendet. Kürzlich überreichte Gemeindereferent Philip Bauer einen symbolischen Scheck in Höhe von rund 1100 Euro. Das Geld wurde bereits von der Pfarrei ans Landratsamt überwiesen. Dieses verteilt die Summe unkompliziert und fair auf die Betroffenen.

Wer helfen möchte und gegebenenfalls auch eine Wohnung zur Verfügung stellen kann, darf sich bei Maren Maibom unter der Telefonnummer (09431) 64484 melden.