Brand in Asylunterkunft in Schwandorf: Bewohner äußern Verdacht zur Ursache

Dem beherzten Eingreifen der Feuerwehr können mehrere Bewohner einer Asylunterkunft im Schwandorfer Egelsee-Gebiet und auch zwei Meerschweinchen ihr Leben verdanken. Kurz nachdem mehrere Ukrainer am Donnerstagvormittag mittels Drehleiter gerettet wurden, äußerten sie schon einen Verdacht, wie es zu dem folgenschweren Brand kommen konnte.
Völlig aufgelöst steht eine junge Frau vor dem Haus in der Falkenauer Straße. Sie beugt sich über einen Käfig und nimmt zwei Meerschweinchen in die Hand. Oskar und Pedro heißen die Tiere, verrät sie den MZ-Reportern und streichelt den kleinen Nagern vorsichtig durchs Fell. „Zum Glück haben sie das Feuer überlebt“, sagt die Ukrainerin, die zum Zeitpunkt des Brandausbruchs im Deutschkurs war.

Nur ein paar Meter weiter kämpft eine Mutter (40) neben ihrem 19 Jahre alten Sohn mit den Tränen. In Hausschuhen und Wollsocken stehen die beiden im vereisten Ochsentratweg. „Müssen wir jetzt auf der Straße schlafen?“, fragt die Frau und starrt das ausgebrannte Mehrfamilienhaus an. Aus dessen Obergeschoss wurden sie von der Feuerwehr gerettet. Das Treppenhaus war komplett verraucht und eine Flucht unmöglich, schildert die 40-Jährige. „Ich hatte große Angst.“
Rund 250.000 Euro Sachschaden – Haus ist unbewohnbar
Der folgenschwere Brand in der dezentralen Asylbewerberunterkunft im Egelsee-Gebiet war gegen 10.15 Uhr ausgebrochen. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei muss das Feuer im Erdgeschoss entstanden sein und sich dann seinen Weg bis zum Dachstuhl gebahnt haben. Der Sachschaden ist enorm. Schwandorfs Vize-Polizeichef Florian Meier, der zusammen mit dem neuen Dienststellenleiter Stefan Amann vor Ort war, schätzte ihn auf rund 250.000 Euro.






Das Wohnhaus, in dem 13 Menschen – überwiegend Ukrainer – lebten, ist unbewohnbar. Auch als die Einsatzkräfte gegen Mittag abziehen, sind die Folgen des Brandes unübersehbar. Fenster sind teilweise zerborsten, überall ist Ruß.
Wie konnte es überhaupt dazu kommen? „Die Brandursache ist noch unklar“, erklärte Polizeihauptkommissar Meier und kündigte umfassende Ermittlungen in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei an. Eine vorsätzliche Brandstiftung könne wahrscheinlich ausgeschlossen werden. Möglich seien eine fahrlässige Brandlegung oder ein technischer Defekt.
Mit der Elektrik soll es zuletzt mehrmals Probleme gegeben haben
Mehrere Bewohner der Asylbewerberunterkunft vermuten einen Kurzschluss als Brandursache. Sie berichteten der MZ, dass es in dem Haus in der Vergangenheit regelmäßig zu Problemen mit der Elektrik gekommen sei. „Dann hat immer jemand vorbeigeschaut und hat es repariert“, schilderte eine Frau. Für die 13 Bewohner wurden umgehend neue Bleiben gesucht. Nach Informationen der MZ kommen sie vorübergehend in Unterkünften in Schwandorf und Steinberg am See unter.
Es gab eine massive Rauchentwicklung.Klaus Brunner, Stadtbrandinspektor
Für die Feuerwehr bedeutete der Brand einen Großeinsatz. Beim Eintreffen konnte eine „massive Rauchentwicklung“ festgestellt werden, sagte Stadtbrandinspektor Klaus Brunner. Drei Bewohner seien zudem noch an einem geöffneten Fenster im Obergeschoss gestanden. Diese konnte man mit der Drehleiter schließlich retten.
Die Mannschaft des ersten Löschfahrzeugs habe dann sofort mit den äußeren Löscharbeiten begonnen. „Diese wurden dann sukzessive nach innen erweitert“, sagte Brunner. Dabei drangen auch einige Atemschutzgeräteträger in das Gebäude vor. Für die Feuerwehr war vor allem die Hitzentwicklung und in der Anfangszeit die Koordination der Kräftelage eine Herausforderung, berichtete der Stadtbrandinspektor an der Einsatzstelle.
Sechs Feuerwehren aus dem Stadtgebiet mit 50 Aktiven im Einsatz
Die Feuerwehren Schwandorf, Dachelhofen, Ettmannsdorf, Fronberg, Krondorf-Richt und Büchelkühn waren mit rund 50 Aktiven vor Ort. Ferner waren Kreisbrandrat Christian Demleitner, Stadtbrandmeister Roland Krettner, Kreisbrandmeister Andreas Woeckel sowie THW-Fachberater im Einsatz.
Auch der Rettungsdienst war mit sechs Rettungswagen, zwei Krankentransportwagen und drei Notärzten ins Egelsee-Gebiet geeilt. Die Einsatzleitung für den Rettungsdienst lag bei Sebastian Horny. Insgesamt mussten sechs Personen medizinisch versorgt werden.
Rettungsdienst nutzte Räume der Lebenshilfe in Schwandorf
Wie Notarzt Dr. Wolfgang Schreiber schilderte, hatten drei Personen Rauchgase eingeatmet. Einer der Betroffenen musste demnach ins Krankenhaus gebracht werden, Lebensgefahr bestehe aber nicht. Drei weitere Personen, die sich im Hausflur beziehungsweise im nicht-verrauchten Wohnbereich befanden, waren zudem „erheblich psychisch dekompensiert“, so Schreiber. Auch sie mussten betreut werden.

Bei der Versorgung der Patienten leistete die benachbarte Lebenshilfe wertvolle Dienste. Die Einrichtung habe sofort zwei warme Zimmer zur Verfügung gestellt, in der die Betroffenen gesichtet und betreut werden konnten. „Das hat uns sehr weitergeholfen“, sagte Schreiber. Er dankte der Lebenshilfe ausdrücklich für die gute Nachbarschaftshilfe.