Hochwasserschutzkonzept für Mossendorf nimmt konkrete Formen an

Von Thomas Rieke · 12. Februar 2026 um 19:00

Genau zehn Monate nachdem der Burglengenfelder Stadtrat das schon weit gediehene Hochwasserschutz-Konzept für die Altstadt auf Eis gelegt hat, legten Experten weitere Pläne zur Sicherung vor braunen Fluten aus der Naab vor. Diesmal aber für die kleine Ortschaft Mossendorf.

Das nur 55 Einwohner zählende Dorf ist laut Bürgermeister Thomas Gesche „latent“ von Hochwasser bedroht. Die dem Rat am Mittwoch vorgelegten Pläne dienten rein der Informationen und Meinungsbildung. Für die Bürger sei diesbezüglich eine eigene Veranstaltung vorgesehen. Auch würden die betroffenen Grundeigentümer gesondert befragt, was sie von den einzelnen Maßnahmen halten.

Laut Kathrin Steindl von der Abteilung Planung und Bau beim Wasserwirtschaftsamt wurde zwar bereits vor knapp zehn Jahren eine Vereinbarung unterzeichnet, für Burglengenfeld und Mossendorf Hochwasserschutzkonzepte zu erstellen. Doch erst seit 2021 gebe es dafür eine gesicherte Planungsgrundlage, die nun zu einem Vorentwurf geführt habe. Das Schutzkonzept sei für ein hundertjährliches Hochwasser ausgelegt und berücksichtige, wie seit einiger Zeit gefordert, einen 15-prozentigen Klimazuschlag. Das heißt: Bei den Berechnungen wurde ein Abfluss von 735 Kubikmeter pro Sekunde berücksichtigt.

Eine Mauer an der Nordseite reicht alleine nicht aus

Wie der Ernstfall aussehen würde, wurde anhand einer Computersimulation veranschaulicht. Der Rückschluss daraus: Mossendorf könnte bis zu 90 Zentimeter unter Wasser stehen. Die Annahme, es würde reichen, den Ort an der Nordseite durch einen Damm oder eine Mauer zu schützen, habe sich als falsch herausgestellt. Es sei also ein Ringschluss erforderlich, ein Konzept, das den ganzen Ort umspanne.

Die Kosten bezifferte Steindl auf rund 13 Millionen Euro. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung habe ergeben, dass sich die Investition über einen Zeitraum von rund 100 Jahren lohnen würde. Denn das Risiko, dass Mossendorf überflutet werde, und das Schadenspotenzial seien groß, sagte die Projektleiterin.

Experte erklärte, wie die Vorzugsvariante genau aussehen würde

Die einzelnen Maßnahmen erläuterte Roland Wach, Prokurist des Münchner Ingenieurbüros Schlegel. Hier die Details: Ufer, nördlicher Abschnitt: Hier ist entlang der Straße eine Mauer mit einer Höhe von 1,15 bis 1,30 Meter über Bestandsgelände vorgesehen. Die Zufahrt zu den Anwesen soll auch bei Hochwasser möglich sein. Südlicher Abschnitt: Aufgrund der beengten Verhältnisse muss die Mauer hier entlang privater Grundstücksgrenzen errichtet werden. Zufahrten sollen im Ernstfall rechtzeitig verschlossen werden. Ferner ist ein Schöpfwerk für die Binnenentwässerung vorgesehen.

Vorland, Abschnitt 1: Er verläuft nördlich der Ortschaft über eine Wiese. Zur Untergrundabdichtung raten die Experten aus Kostengründen zu einer Spundwand, die man auch eingrünen könnte. Bis zu 1,44 Meter soll sie aus der Erde ragen. Abschnitt 2: Der Wirtschaftsweg von der Kreisstraße bis zur Anbindung am Hochufer soll angehoben werden, so dass auch bei Hochwasser ein Rettungsweg sichergestellt ist. Abschnitt 3: Er betrifft die Kreisstraße SAD7 im Bereich von Mossendorf. Sie soll auf einer Länge von 300 Metern um rund 1,50 Meter erhöht werden. Die Anschlussbereiche werden zur Angleichung ebenfalls erneuert. Abschnitt 4: Er schließt die umlaufende Hochwasserschutzlinie auf der südwestlichen Seite des Ortes. Auch hier stellt eine Spundwand, kombiniert mit mobilen Elementen bei Zufahrten, die wirtschaftlichste Lösung dar. Die erforderliche Schutzhöhe liegt bei 0,75 bis 1,15 Meter.

Flut von Fragen aus den Reihen des Stadtrats

Für die Stadträte drängte sich dazu eine Fülle von Fragen auf. Andreas Beer (FWL) zeigte sich von der Präsentation sehr beeindruckt. Was ihn aber „gewaltig stört“, ist der weitere Ablauf. Allein für die Entwurfsplanung, die als nächstes erstellt werden müsste, sind drei Jahre vorgesehen. Dem würde sich das Planfeststellungsverfahren anschließen, zu dessen Dauer es noch überhaupt keine Prognose gibt.

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Beer hält diese Zeitspannen für inakzeptabel. Die Entwurfsplanung müsste nach seinem Verständnis in einem Jahr zu meistern sein, sagte er. Andernfalls sei zu befürchten, dass die Kosten aus dem Ruder liefen. Aus den aktuell genannten 13 Millionen Euro könnten schnell 20 werden.

Steindl erwiderte, auch dem Wasserwirtschaftsamt wäre es lieber, wenn alles schneller ginge. Doch verschiedene Vorschriften, wie etwa der Zwang zu einer Umweltverträglichkeitsprüfung, Abstimmungen mit allen beteiligten Behörden und das vorgegebene rechtliche Verfahren zögen das Ganze eben in die Länge.

Maßnahmen dürfen für andere kein Nachteil sein

Josef Schießl (ebenfalls FWL) wunderte sich, dass die Kreisstraße auf einem Teilstück deutlich angehoben werden soll. Vor einigen Jahren habe es geheißen, das gehe gar nicht. Außerdem wollte er wissen, wie sich die Schutzmaßnahmen für Mossendorf auf die Vorstadt auswirkten.

Roland Wach sagte, dazu würden noch Berechnungen erstellt. Die machten aber erst Sinn, wenn man wisse, was man wolle. Grundsätzlich dürfe man aber davon ausgehen, dass weder für die Vorstadt noch für Kallmünz Nachteile entstünden. Grundsatz modernen Hochwasserschutzes sei es nämlich, dass bauliche oder technische Maßnahmen den Wasserabfluss nicht so verändern dürfen, dass Unterlieger oder Nachbarn ein erhöhtes Risiko tragen.

Sorge, dass Grundwasser noch stärker in die Keller drückt

Dazu passte die Frage von Josef Gruber (CSU). Er befürchtet, dass durch die geplanten Spundwände das Grundwasser, das vom Reichertberg in Richtung Naab drückt, nicht mehr abfließen kann und die Keller der Häuser volllaufen. „Das wäre eine Verschlechterung, also darf es nicht passieren“, erklärte Wach. Die Spundwände seien nicht komplett dicht.

Wenn die Mossendorfer die Maßnahmen ablehnen, hat sich das Ganze eh erledigt.

Michael Schaller(CSU) interpretierte die Einstufung der Maßnahme als Priorität IV so, dass die Behörden keinen großen Zwang zum Handeln verspürten und es demzufolge sehr lange dauern würde, bis es für das Projekt Mossendorf ans Eingemachte gehe. Steindl versicherte indes, dass sehr wohl größeres Interesse bestehe, die Planungen voranzubringen. Schließlich sei Mossendorf Teil des Gesamtkonzepts Naabtalplan.

Ob letztlich Nägel mit Köpfen gemacht werden, hängt in den Augen Schallers letztlich von den Dorfbewohnern ab. „Wenn die Mossendorfer die Maßnahmen ablehnen, hat sich das eh Ganze erledigt“, meinte er. Umso gespannter darf man auf die Ergebnisse der in Aussicht gestellten Befragung sein.