Leerstände, Müll und fehlende Kunden: Zieht Kaufhof-Aus in Regensburg weitere Kreise?

Von Philip Hell · 13. Februar 2026 um 05:00

Die Regensburger Altstadt scheint um ein Sorgenkind reicher: In der Pfauengasse reiht sich ein Leerstand an den anderen. Innerhalb weniger Wochen machten mehrere Läden unweit des Geisterkolosses Kaufhof am Neupfarrplatz dicht. Anrainer beschäftigt allerdings noch eine weitere Sorge.

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Leerstand an dieser Stelle ist seit Längerem ein Problem: Im vergangenen Sommer machte die Modekette Mango Schlagzeilen, nachdem sie von der Pfauengasse in die Arcaden umzog. Das spanische Unternehmen entschied sich damals gegen die Option, weiterhin in der Altstadt zu bleiben.

Auch heute steht der Laden noch leer, im Schaufenster hängt ein Werbeplakat. Bereits einige Monate zuvor hatte EnchanTee, das unmittelbar neben dem Mango-Geschäft chinesischen Bubble-Tee verkaufte, geschlossen. In einem Instagram-Statement ist davon die Rede, dass man den Schritt schweren Herzens gehe – über die Gründe ist nichts zu erfahren.

Nun haben sich in den vergangenen Wochen zwei weitere Leerstände in dem Eck hinzugesellt. Das Ilirian’s Corner steht leer. Der Imbiss befand sich im ehemaligen Photo Porst. Auch ein Vinzenz Murr war hier bereits zu finden. Zwischenzeitlich stand die Fläche länger leer. Wer versucht, bei den Inhabern nach den Gründen für den Leerstand zu fragen, bekommt eine Computerstimme zu hören. „Diese Nummer ist uns nicht bekannt.“

„Geschäfte gehen immer wieder pleite“: Candy-Shop-Chef hatte dunkle Vorahnung

Im Nachbarhaus das gleiche Spiel. Dort eröffnete im Sommer ein Candy-Shop. Seit einigen Wochen ist er dicht. Anruf beim Inhaber. „Ihr gewünschter Gesprächspartner ist zurzeit nicht erreichbar.“ Im Sommer hatte der Inhaber zur MZ gesagt, dass Süßigkeitenläden in anderen Städten super liefen. Ein Satz aus dem Gespräch liest sich heute allerdings wie eine böse Vorahnung: „In Regensburg gibt es einfach viele Wechsel – und leider ist es so, dass immer wieder Geschäfte pleitegehen.“

Thi Yen Nguyen und Jolie-Betreiber Christian Joachim - Foto: Anh Ngoc Nguyen/Archiv

Das macht in Summe also vier Leerstände in kürzester Zeit. Das besorgt auch Anrainer der Pfauengasse. Christian Joachim betreibt das Café Jolie. Er bekommt die neuen Leerstände durchaus zu spüren, sagt er. „Die Laufkundschaft fällt weg.“ An manchen Tagen, sagt Joachim nur halb im Scherz, schaue er nach draußen und stelle fest: „Da war während Corona mehr los.“ Das Kaufhof-Aus im August 2024 habe er dagegen eher weniger gemerkt – das bekommt er nun allerdings indirekt zu spüren.

Jeden Nachmittag ist Party: Jugendliche sorgen für Ärger vor dem Ex-Kaufhof in Regensburg

Seit geraumer Zeit treffen sich fast jeden Nachmittag Jugendliche vor dem Eingang zum ehemaligen Kaufhof, um zu feiern, erzählt Joachim. „Die decken sich beim 24/7-Laden um die Ecke ein – zum Teil auch mit Alkohol.“ Das Ergebnis: Die Pfauengasse vermüllt zusehends. Dazu kommen Schmierereien, Aufkleber und andere Hinterlassenschaften. Joachim fühlte schon bei der Stadt nach. Man könne nichts machen, habe man ihm gesagt. Der Kaufhof sei Privatgrund.

Ob die Situation existenzbedrohend ist? Joachim zögert kurz. „Noch nicht.“ Sein Café Jolie könne auf ein breites Stammpublikum zählen. Aus dem gesamten Bundesgebiet kämen Menschen wegen der Kuchen. Er hoffe allerdings durchaus darauf, dass sich etwas ändere. Dabei denkt er insbesondere an Parkplätze. „Wir sind halt nunmal Autofahrer.“ Konkrete Hoffnung auf ein Ende der Leerstände hat er indes kaum. Er weiß von einem Gastronomen, der in einen der Läden einziehen wollte – das sei letztlich nichts geworden. Nun zieht es den Imbiss in die Arcaden.

Florian Rottke warnt schon seit geraumer Zeit, dass die Pfauengasse zum Problemkind werden könnte. Der Brücke-Stadtrat betreibt einen Kiosk und eine Agentur am Neupfarrplatz. „Ich glaube, ich habe 2021 das erste Mal darauf hingewiesen, dass die Gasse abrauscht. Allerdings habe ich seitdem wenig Bemühungen seitens der Stadt gesehen, sich dagegen zu stemmen und die Gasse wieder zu beleben.“ Für Rottke steht aber auch fest: „Nicht jede Ansiedlung hat den Eindruck gemacht, dort lange bleiben zu wollen.“

Auch die Gruppe, die sich regelmäßig vor dem Kaufhof trifft, hat Rottke bereits wahrgenommen. Er betont: „Jugendkultur braucht auch Freiräume. Auf mich wirken die jungen Menschen dort äußerst friedlich.“ Darüber hinaus wirbt er für eine Idee der Brücke: „Hätten wir schon unseren mobilen Jugendsozialarbeiter, könnte der dort ja mal vorbeischauen.“

Sorgt das Kaufhof-Aus für mehr Leerstände in Regensburg?

Was haben die Probleme in der Pfauengasse mit dem leerstehenden Kaufhof zu tun? Einiges, meint zumindest CSU-Chef Michael Lehner. Der sprach bereits im Sommer von einem „Abwärtsstrudel“, in dem sich der Neupfarrplatz und die Umgebung befänden. Die Leerstände seien da nur ein weiteres Symptom.

Die Stadt ist da weitaus defensiver in ihrer Einschätzung. Man könne nicht beurteilen, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen den derzeitigen Leerständen und der Schließung des Kaufhofs gibt, sagt Sprecherin Juliane von Roenne-Styra. „Eventuell waren die Geschäftskonzepte und die allgemeine Nachfragesituation nach bestimmten Produkten ausschlaggebend.“ Der Candy-Shop sei etwa erst nach Schließung des Kaufhofs eröffnet worden.