Nach über 20 Jahren: Regensburger Kultkneipe Escobar zieht um

Von Philip Hell · 8. Februar 2026 um 05:00

Es dürfte wenige Regensburger geben, die diese Kneipe nicht kennen: Die Escobar ist in der Domstadt legendär. Über 20 Jahre gaben sich Studenten, Fußballstars und Reporter in der Sterngasse die Klinke in die Hand – nun zieht die Bar um. Besitzer Askin Elibol, den eh jeder duzt, verrät im MZ-Gespräch, warum das eigentlich ein Glücksfall ist.

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2003 sperrte Askin die Kneipe auf – mit 25 Jahren. „Ich bin dazugekommen wie die Jungfrau zum Kind.“ Natürlich habe er damals Angst gehabt, sagt der 48-Jährige. „Du gehst in die Selbstständigkeit, du hast keine Ahnung, was auf dich zukommt.“ Ein Satz seines Vaters prägte ihn damals: „Wenn es einer kann, dann du. Du brauchst keine Angst zu haben.“ Askin unterzeichnete den Vertrag – und blieb fast 23 Jahre in der Sterngasse.

„Ich könnte so viele Geschichten erzählen“, sagt er und grinst. Aber so eine ganz besondere Geschichte? „Da war mal einer, der ist gekommen und wollte den stärksten Long Island haben.“ Askin lacht und klopft dem Reporter auf die Schulter. „Erinnerst dich noch?“ Zugegeben, nicht mehr ganz – aus guten Gründen. „Ich will damit nur sagen: Bei mir ist keiner nur eine Nummer.“

Ob Sport-Star oder Top-Jurist: In der Regensburger Escobar fühlen sich alle wohl

Aber natürlich gab es auch den ein oder anderen größeren Namen, der in der Escobar einen der ebenso berühmten wie berüchtigten Mexikaner schlürfte. Askin spielte früher selbst beim Jahn, hatte daher stets einen guten Draht zu den Spielern. Tobias Schweinsteiger bezeichnet er beispielsweise als Freund. „Erst im Sommer war er zum letzten Mal da.“ Einmal, der Jahn war gerade aufgestiegen, bekam der Bar-Betreiber einen Anruf aus dem Teambus. „Askin, sperr auf, wir reißen dir die Bude ab.“ Nun ja, genau das ist auch passiert. „Die ganze Mannschaft, mit Betreuern und Vorstand, hat bei mir gefeiert.“ Wenige Stunden später stand die offizielle Aufstiegsfete am Haidplatz an. Ein Glück, dass es Sonnenbrillen gibt.

Auch Unternehmer nahmen an seinem Tresen Platz. „Da sind Leute dabei, die könnten sich selber eine Bar kaufen“, sagt Askin und lacht. Was ihn besonders freut: Wenn Menschen wieder zu ihm kommen, die vor Jahren Stammgäste waren. Ein Top-Jurist aus der Nordoberpfalz zum Beispiel. „Der war der erste, der in der Tür stand, als ich gesagt habe, dass ich umziehe.“ Oder Silvester vor zwei Jahren. Da kam eine Frau in die Escobar, die von Regensburg nach Amerika ausgewandert ist. „Die hat sich von ihrer Familie abgeseilt, um bei mir einen Mexikaner zu trinken. Das ist doch unglaublich!“

Chef der Escobar in Regensburg: „Mir geht es um die Menschen.“

Natürlich war in der Escobar immer viel Trubel. Es gab aber auch ruhigere Abende. „Dann kann ich jemandem, der bei mir am Tresen sitzt, auch wirklich mal zuhören. Aber so richtig. Weil es mich interessiert.“ Ihm gehe es immer um den Menschen. „Echte Wertschätzung ist wertvoll. Es ist ganz was anderes, wenn du wo hinein gehst, wo man dich kennt.“ Man könne Menschen schon aus Kalkül schön tun. „Aber das merkt man schnell. Das Interesse muss echt sein.“ Man müsse Dinge aus Leidenschaft machen. „Wenn die Augen nicht mehr leuchten, musst du was anderes machen.“ Ob er jemals etwas anderes machen wollte? „Eigentlich nicht.“

Ich bin reingegangen und wusste: Das ist die Escobar.Askin Elibol

Insofern war für Askin auch klar, dass er weitermacht, obwohl das Haus in der Sterngasse verkauft wurde und er die Räume verlassen musste. Sein Vertrag wäre aber ohnehin Mitte des Jahres ausgelaufen. „Natürlich steckte mein Herzblut in dem Laden.“ Aber: Er beschloss, dass es Zeit für einen Neuanfang ist. Er hörte sich in der Gastro-Szene um und stieß auf das ehemalige Rotkäppchen in der Fröhliche-Türken-Straße. „Ich bin reingegangen und wusste: Das ist die Escobar.“ Nicht nur die Räume passten zu seinem Konzept, auch die Lage sei super, sagt Askin. „Ich wollte mich verbessern und ich glaube, das kann ich hier.“ In seiner neuen Bar habe er zudem deutlich mehr Fläche.

Auch nach dem Umzug der Regensburger Kult-Kneipe: Die Escobar bleibt die Escobar

„Es soll größer, schöner und attraktiver werden“, sagt Askin – und dennoch soll der Escobar-Charme bleiben. „Ich glaube, ich habe ab und zu schon Potenzial liegen lassen, weil es der Laden nicht hergegeben hat.“ Der Umzug sei für ihn eine Chance gewesen. „Ich wollte das, was ich immer schon gern gemacht habe, noch perfektionieren.“ Es gibt weiterhin Mexikaner, Cocktails, Bierpong und Dart – kurzum: Die Escobar bleibt die Escobar, jetzt halt woanders. „Ich kann es eigentlich nicht mehr erwarten“, sagt Askin. Ein bisschen muss er sich aber noch gedulden, im März soll es losgehen. „Ich will eigentlich schon jetzt aufsperren und Gas geben.“ Und wenn es einer kann, dann Askin.