ÖPNV im Landkreis Neumarkt: Mehr Flexibilität, bessere Kommunikation

Es ist ein Thema, das häufig polarisiert: Muss der ÖPNV im Landkreis Neumarkt weiter ausgebaut werden – trotz eines Defizits von rund fünf Millionen Euro? Oder fährt ohnehin kaum jemand mit und es reicht ein Grundangebot? Die Landrats-Kandidaten haben da durchaus unterschiedliche Ansichten.
Diese taten Katharina Ziegler (CSU), Martin Meier (UPW), Stefan Haas (Grüne), Dirk Lippmann (SPD) und Sascha Renner (FDP) bei der Podiumsdiskussion der MZ am Dienstagabend im Pfarrsaal der Hofkirche kund. Zu großen Auseinandersetzungen kam es dabei aber nicht.
Auf eine „verlässliche Grundversorgung“ und einen Stundentakt zwischen 6 und 20 Uhr in jeden Ort des Landkreises pochte Stefan Haas (Grüne). Dabei dürfe man jedoch nicht auf den klassischen Linienverkehr setzen, der nicht flexibel und oft schlecht ausgelastet sei. Auch herkömmliche Haltestellen hätten ausgedient, stattdessen solle ein Bus auf Abruf von Haus zu Haus fahren.

So könnten die ohnehin stetig steigenden Fahrgastzahlen weiter erhöht werden. Ein „tolles Projekt“ habe der Landkreis bereits initiiert: Erwachsene müssen auf Linienbussen im Landkreis nur noch ein Kinderticket bezahlen. Problem: Viele Busfahrer wüssten davon nichts, der VGN habe das Angebot nicht in seine App aufgenommen, so Haas. Daran müsse noch gearbeitet werden.

Dass es gar nicht so viele Busverbindungen geben könne, dass die Menschen im Landkreis tatsächlich auf den Bus umsteigen, erklärte hingegen Sascha Renner (FDP). Für ein großes Zukunftsthema hält er daher das autonome Fahren – zum Hintergrund: Renner beschäftigt sich als selbstständiger Unternehmer mit einer KI, die Fahrgäste zählt. „Das ist für die nächsten 20 Jahre das Thema, das uns beschäftigen wird.“ Dazu müsse man erst einmal investieren, um später „die Früchte zu ernten“.

Dass autonomes Fahren in Neumarkt in 15 Jahren eine Rolle spielen wird, zweifelte hingegen Martin Meier (UPW) an. „Das wird uns da noch nicht begleiten.“ Seiner Meinung nach habe der Landkreis ein gut funktionierendes System mit einem gut angepassten Linien- und Bedarfsverkehr. Allerdings müsse dieser auch genutzt werden.
Es sei aber nicht die Aufgabe des Landkreises, auf jede „subjektive Erwartungshaltung“ einzugehen. „Natürlich ist der ÖPNV Grundlage sozialer Daseinsvorsorge, aber er kostet auch Geld.“ Bei fünf Millionen Euro Defizit sei die Grenze erreicht, die der Landkreis stemmen könne.

Katharina Ziegler (CSU) hob den Stellenwert des ÖPNV hervor, erklärte aber zugleich, dass dieser „schon auch Geld kostet“. Ihrer Meinung nach werde das flexibelste Verkehrsmittel auf dem Land immer das Auto bleiben. „Der ÖPNV wird auf dem Land nie so attraktiv sein wie das Auto.“

Hier hielt Dirk Lippmann (SPD) ein Projekt aus Pyrbaum entgegen: einen Kleinbus, der von Ehrenamtlichen gefahren werde in Zeiten, in denen sonst kaum Busse fahren. Dies sei ein „sehr sinnvoller Weg“. Lippmann: „Ein funktionierender ÖPNV ist Teil der Daseinsversorgung“ – nicht sinnvoll sei es für ländliche Regionen aber, den Stadt-ÖPNV zu kopieren. Wie Renner hält Lippmann das autonome Fahren „für die Zukunft“, zudem plädierte er dafür, den „on-demand-Verkehr“ sichtbarer und Fahrpläne besser lesbar zu machen.