Bioboom, aber bitte ohne Papierkrieg: Öko-Bauern werfen wegen Bürokratie hin

Von Marion Koller · 11. Februar 2026 um 11:00

Die Regensburger schätzen Öko-Lebensmittel. Besonders gut gehen Eier und Milch, aber auch Gemüse, Fleisch und Geflügel vom Biobauern sind gefragt – Die Landwirte verdienen gut, doch die Brüsseler Bürokratie bremst sie aus. Das zwingt manche sogar zum Aufhören.

Eduard Klankermeier durchmisst seinen Innenhof in Gallingkofen mit schnellen Schritten. Für das Foto steigt er über das Gatter in den Bullenstall. Die Rinder liegen im Stroh, kauen Kleegras oder traben ins Freie. Neugierig beobachten Gustav und Peter, zwei Charolais-Stiere, den Bauern. „Wenn die meine Stimme hören, beruhigt sie das, weil ich sie täglich füttere“, sagt Klankermeier (65), der Kfz-Meister ist und die Tiere im Nebenerwerb züchtet. Für die Bullen reicht nach EU-Vorgaben der ständige Zugang zum Freigelände aus. Auch wirtschaftet Klankermeier im Wasserschutzgebiet des Regens, wo keine Weide erlaubt sei.

Doch Bio-Milchviehhalter brauchen seit dem Vorjahr nach EU-Vorgaben eine Weide für die Kühe. Das ist oft nicht möglich, weil die Fläche nicht ausreicht. Außerdem kostet es hohe Summen, denn der Zaun muss den Tieren standhalten. „Viele Biobauern haben so einen Auslauf gebaut und jetzt müssen sie eine Weide mit Zaun bauen“, sagt Klankermeier. „Da können 50 000 Euro weg sein.“ Die Bürokratie bremst die Landwirte aus, denen es grundsätzlich gutgeht, weil sie faire Preise erzielen: Für den Liter Milch erhalten sie rund 67 Cent, während konventionelle Bauern nur mit 43 Cent rechnen können.

Zehn Prozent mehr Umsatz bei Bio-Lebensmitteln

Vor wenigen Tagen hat sich die Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ) zu Wort gemeldet. Der Appetit der Menschen auf Bio-Lebensmittel nehme zu. „Der Umsatz ist 2025 bundesweit um acht bis zehn Prozent gewachsen, während der Gesamtumsatz im Lebensmitteleinzelhandel nur um drei Prozent zulegte“, sagt Vorsitzender Thomas Lang. Schon 2024 hatte der Gesamtumsatz mit Bio-Produkten über alle Vertriebsschienen hinweg um fast sechs Prozent zugelegt. Dass das Interesse der Verbraucher zunimmt, bestätigt Elke Friedrich vom genossenschaftlichen Bioladen Radis&Bona im Regensburger Westen. „Eier und Milch werden wie verrückt gekauft“, sagt sie. Auch nach Gemüse, Saft und Marmelade greifen die Kunden gerne.

Bei uns ist alles gut. Ich stelle leichtes Wachstum fest. Die Biomilchpreise sind sehr stabil.Michael Beer, Biolandwirt

Doch die Bio-Landwirtschaft geht leicht zurück. 2024 haben in Stadt und Landkreis Regensburg 218 Öko-Betriebe gewirtschaftet, 2025 waren es noch 215. Die Gesamtzahl der Höfe liegt laut Amt für Landwirtschaft Regensburg-Schwandorf bei 1830. In ganz Bayern haben 2025 mehr als 300 Ökobauern aufgehört. Der LVÖ, Dachverband von Bioland, Demeter, Naturland und Biokreis, spricht von 3,4 Prozent weniger Mitgliedsbetrieben 2025 trotz der höheren Nachfrage. Neben der Weidepflicht und weiterer Vorschriften spielt der Generationswechsel eine Rolle. Oft fehlt ein Nachfolger. Michael Beer aus dem Landkreis vermarktet sein Biofleisch direkt, etwa auf den Bauernmärkten am Bismarckplatz, beim Landratsamt, in Prüfening, Kumpfmühl und Ziegetsdorf. „Wir haben die Weide, deshalb können wir bio weitermachen“, sagt der 48-Jährige. „Aber die Tiere hatten auch vorher Auslauf.“ Er ist überzeugter Europäer, ärgert sich aber über die EU-Bürokratie. Viele Ökobauern zögen sich zurück und verpachteten lieber.

Hubert Heigl war acht Jahre lang Präsident von Naturland. Heute berät er als Vorsitzender des Erzeugerrings naturgemäßer Landbau, auch führt er einen Betrieb in Kallmünz. „Die Preise wären gar nicht so schlecht“, sagt er – und kritisiert die Bürokratie. Heigl wünscht sich mehr Flexibilität der Politik. Sie solle regionale Anpassungen ermöglichen, Innovationen zulassen. Es sei innovationsfeindlich, dass die modernen, großzügigen Ställe mit Auslauf „rausfliegen“.

Der Frust, der sich da auftut, ist einer der Gründe, warum niemand mehr umstellt.Hubert Heigl, Öko-Landwirt und Berater

Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln übersteigt nach Zahlen des LVÖ das einheimische Angebot. Ein deutliches Plus gebe es bei Bio-Eiern, Milch und Naturjoghurt. Lebhaft nachgefragt werden auch Rindfleisch und Geflügel. „Es braucht dringend mehr Bio-Betriebe“, fordert LVÖ-Vorsitzender Lang. Sonst werde mehr Ware aus dem Ausland importiert. Viele Verbraucher wollen das Trinkwasser schützen und etwas für den Ökolandbau vor Ort machen. „Das geht dann nicht mehr“, sagt Hubert Heigl.

Noch weit entfernt vom 30-Prozent-Ziel

Rund zehn kleine Bauern aus Stadt und Landkreis beliefern Radis&Bona. „Da ist alles stabil“, betont Mitarbeiterin Elke Friedrich. Die Alnatura-Zentrale in Darmstadt teilt mit, sie beziehe 70 Prozent der Alnatura-Produkte von deutschen Herstellern. „Für das Hafer Crunchy verwenden wir bayerischen Hafer von einem festen Kreis von Höfen“, sagt Sprecherin Marie Gonther. Am kürzesten sind die Transportwege bei den Bio-Erzeugern von Obst, Gemüse und Backwaren.

13,5 Prozent der Landwirtschaftsfläche im Freistaat sind Bio-Flächen. Die Staatsregierung ist noch weit entfernt von ihrem 30-Prozent-Ziel bis 2030.