Urlaub für den Wahlkampf: CSU-Bürgermeisterkandidat setzt auf Türgespräche und neue Impulse für Rettenbach

Von Theresa Baumann · 11. Februar 2026 um 05:00

Jede Haustür der Gemeinde Rettenbach will Reinhard Jäger (47) noch vor der Kommunalwahl abklappern. Der Terminkalender des Bürgermeisterkandidaten der CSU ist voll. Bis zur Kommunalwahl hat Jäger Urlaub genommen. Nebenher bildet er sich über eine Stiftung in Verwaltungsrecht und kommunaler Politik weiter. Er erklärt, weshalb er Rettenbachs Vertreter werden will.

Herr Jäger, Sie wohnen in Rettenbach. Was macht die Gemeinde aus?

Reinhard Jäger: Als ich am Röhrlberg Haus gebaut habe, haben wir fast alles in Eigenregie gemacht – und Nachbarn haben geholfen. Hier halten alle zusammen. Bei uns kennt jeder jeden. Es redet jeder mit jedem und es wird diskutiert. Freilich ist man nicht immer einer Meinung, aber jeder kann mit jedem umgehen.

Wer sind Sie denn im Privaten?

Jäger: Meine Zeit mit meiner Frau und meinen beiden Kindern ist mir wichtig. Meine Frau und ich gehen – wenn es die Zeit zulässt – mit unserem Hund Buddy spazieren. Das ist ein weißer Mischlings-Rüde aus Labrador und Golden Retriever. Als wir damals zum Anschauen hingefahren sind, war mir schon klar, dass wir den mitnehmen. Wenn mir mit dem Buddy spazieren gehen, ist das die Zeit, in der meine Frau und ich reden können. Vom Fußball konnte ich nie die Finger lassen. Ich trainiere eine Jugendmannschaft und pfeife ab und zu bei Spielen.

Vom Fußball konnte ich nie die Finger lassen. Ich trainiere eine Jugendmannschaft und pfeife ab und zu bei Spielen.Reinhard Jäger

Nun wollen Sie hoch hinaus.

Jäger: In der Familie haben wir abgewägt, was da auf uns zukommt. Meine Frau hat gesagt, sie trägt das mit. Ich habe mir gedacht: „Ich habe bei der Bundeswehr meinen Enddienstgrad erreicht. Ich bin Oberstabsfeldwebel – mehr geht nicht.“ Deshalb suche ich eine neue Herausforderung.

Und warum sollen genau Sie der Richtige für Rettenbach sein?

Jäger: Ich war bei meinem Einsatz in Sonthofen für bis zu 250 Soldaten verantwortlich. Aber ich bringe auch Entscheidungserfahrung mit. Außerdem bringe ich neuen Wind in den Gemeinderat. Ich bin noch jung. Zumindest fühle ich mich so.

Welche Bilanz würden Sie über die letzten sechs Jahre ziehen?

Jäger: Ich sehe die Arbeit in der Gemeindepolitik die letzten zwölf Jahre sehr positiv. Ich habe wahnsinnigen Respekt vor der Arbeit – egal ob Kinderkrippe oder Seniorenheim: das muss man erst hinbekommen.

Außerdem bringe ich neuen Wind in den Gemeinderat. Ich bin noch jung. Zumindest fühle ich mich so.Reinhard Jäger

Wie würden Sie mit Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Gemeinderats oder der Bevölkerung umgehen?

Jäger: Da muss man einfach zuhören und Themen sauber ausdiskutieren. Aus meiner Sicht muss man nicht bei jeder Gemeinderatssitzung alle Entscheidungen sofort treffen. Manchmal muss man sich auch Zeit nehmen und andere Meinungsbilder einholen.

Gibt es etwas, was Sie als Bürgermeister sofort ändern würden?

Jäger: Nein, bei der Bundeswehr gibt es eine Regel, dass man die ersten 100 Tage in einer neuen Aufgabe den Leuten zuhören muss. Ich will die ersten 100 Tage nutzen, um mir einen Überblick zu verschaffen. Es bringt nichts, wenn ich mich sofort überall einmische.

Und langfristig gesehen?

Jäger: Da wird die Kläranlage ein Hauptthema sein. Das ist das, was sich bei meinem Haustürwahlkampf herauskristallisiert hat. Das interessiert jeden, was da passiert. Da müssen wir erst schauen, was bei der Machbarkeitsstudie rauskommt und ob wir uns an die Anlage in Wörth anschließen. Aus meiner Sicht müssen wir die Bürger frühzeitig mit ins Boot holen, damit die wissen, welche Kosten auf sie zukommen.

Aus meiner Sicht müssen wir die Bürger frühzeitig mit ins Boot holen, damit die wissen, welche Kosten auf sie zukommen.Reinhard Jäger

Das funktioniert alles gleichzeitig: Bürgermeisteramt, Familie und Vereine?

Jäger: Wo ich mir schon Gedanken mache, ist der Sportverein. Ich werde nicht mehr die Zeit haben, Trainer zu sein und mit zu Spielen zu fahren. Selber spiel’ ich nicht mehr. Da bin ich zu verletzungsanfällig und nicht mehr schnell genug. Das aufzugeben, täte mir schon weh, weil Fußball mein liebstes Hobby ist. Aber in irgendeinen Apfel muss ich beißen. So ist das halt.

Wie rechnen Sie Ihre Chancen aus?

Jäger: Rettenbach ist ein gemischtes Dorf. Bei den letzten Wahlen ging es ungefähr 50:50 aus für die Freien Wähler und die CSU. Beide Parteien haben 30 bis 40 Prozent Stammwähler. Es geht also um die unentschlossenen 20 bis 30 Prozent. Die müssen wir gewinnen. Ich hoffe natürlich, dass ich Bürgermeister werde. Aber das ist keine gemähte Wiese.

Und was, wenn es nicht klappt?

Jäger: Es wär’ für mich kein Beinbruch. Absolut nicht. Ich habe nichts zu verlieren. Für mich ginge das Leben genauso weiter wie davor, wenn ich nciht gewählt werde. Trotzdem hoffe ich, das es klappt.