Bauleiter, Landwirt, bald Bürgermeister?: So hilft dem Freie-Wähler-Kandidaten sein Beruf im Rettenbacher Rathaus

Als Spitzenkandidat zog Karl Kerscher bei der letzten Kommunalwahl mit 1243 Stimmen in den Rettenbacher Gemeinderat ein. Nun gibt der amtierende Bürgermeister Alois Hamperl seinen Stuhl im Rathaus auf. Ob Kerscher diesmal auch als Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler überzeugen kann?
Herr Kerscher, Sie wohnen in Brieberg. Was macht die Gemeinde Rettenbach aus?
Karl Kerscher: Ich war wegen meines Bauleiterbüros über zwanzig Jahre europaweit unterwegs, aber Rettenbach ist meine Heimat. Da bin ich auch in sehr vielen Ortsvereinen Mitglied wie zum Beispiel bei der Feuerwehr, dem OGV, dem Kriegerverein und den Sportschützen.
Wer sind Sie denn im Privaten?
Kerscher: Ich bin ein sehr geselliger, ruhiger Typ. Mich bringt nicht leicht was aus der Fassung. Ich habe daheim meinen Hof, meine Tiere. Momentan haben wir sieben Pferde. Das ist überwiegend das Hobby von meiner Frau und meiner Tochter. Die Rindviecher gehören meinem Sohn und mir. (lacht)
Nach 18 Jahren im Gemeinderat wollen Sie nun hoch hinaus.
Kerscher: Ich bin jemand, der Ziele hat. Immer das Gleiche zu machen, ist nicht mein Naturell. Das Bürgermeisteramt reizt mich.
Immer das Gleiche zu machen, ist nicht mein Naturell. Das Bürgermeisteramt reizt mich.Karl Kerscher
Und warum sollen genau Sie der Richtige für Rettenbach sein?
Kerscher: Momentan stehen viele größere Bauprojekte an wie etwa die Abwasserentsorgung, der Multifunktionsparkplatz oder auch das Baugebiet in Ebersroith. Ich bin nicht nur Bauleiter, sondern auch privater Sachverständiger für Klein-Kläranlagen und zugelassener Bausachverständiger für allgemeine Bauschäden und Wertermittlung. Mein Leben dreht sich also viel um den Bau.
Welche Bilanz würden Sie über die letzten sechs Jahre ziehen?
Kerscher: Bei dem Kläranlagenthema denke ich mir, man hätte früher etwas machen sollen. Aber das ist jetzt so. Großteils waren die Beschlüsse im Gemeinderat einstimmig. Ich sag’ immer: „Wenn ich ein Rad für den Schubkarren kaufen will, muss ich nicht groß diskutieren, da muss ich zustimmen.“
Ich sag’ immer: ,Wenn ich ein Rad für den Schubkarren kaufen will, muss ich nicht groß diskutieren, da muss ich zustimmen.'Karl Kerscher
Wie würden Sie mit Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Gemeinderats oder der Bevölkerung umgehen?
Kerscher: Mit einer gewissen Ruhe und mit der Zielsetzung, das Problem aus der Welt zu schaffen. Konflikte habe ich auf meinen Baustellen oft. Da muss eine Lösung her. Wenn es keine gibt, muss man das selbstverständlich auch sagen. Das traue ich mir auch zu.
Gibt es etwas, was Sie als Bürgermeister sofort ändern würden?
Kerscher: Ich möchte viel mehr Themen in die öffentlichen Gemeinderatssitzungen bringen, außer es geht natürlich um Personal oder Kosten. Ich möchte, dass der Informationsfluss und der Umgang mit den Bürgern offener werden. Das war nicht immer so optimal, finde ich.
Und langfristig gesehen?
Kerscher: Die Themen Kläranlage und Abwasserentsorgung werden meine Hauptaufgaben sein, weil die vier großen Ortsteile drei verschiedene Satzungen für die einzelnen Kläranlagen haben. Die will ich auf jeden Fall auf einen Nenner bringen. Das wird ein heikles Thema werden, weil es den Leuten ums Geld geht. Ich denke, das nimmt viel Zeit in Anspruch.
Die Themen Kläranlage und Abwasserentsorgung werden meine Hauptaufgaben sein.Karl Kerscher
Das funktioniert alles gleichzeitig: Bürgermeister, Bauleiter und Landwirt sein?
Kerscher: Beruflich laufen meine großen Baustellen jetzt aus. Das war schon so geplant. Wenn ich Bürgermeister bin, würde ich mein Bauleitungsbüro zurückfahren. Meine Landwirtschaft habe ich vorher auch nebenbei gemacht. Und die Wochenenden gibt es ja auch noch.
Wie rechnen Sie Ihre Chancen aus?
Kerscher: Bei der Versammlung in Haag habe ich eine sehr positive Resonanz bekommen. Da rechne ich mir gute Chancen aus. Sagen kann man das natürlich nie, aber ich bin da schon voller Zuversicht.
Und was, wenn es nicht klappt?
Kerscher: Ich komme mit dem Reinhard [Jäger, Bürgermeister Kandidat der CSU, Anmerkung der Redaktion]super gut aus, auch im Privaten und wir haben jetzt kein extremes Konkurrenzdenken. Ich finde das immer schade, wenn sich Leute nur wegen einer Wahl die Köpfe einschlagen. Wenn er Bürgermeister wird, ist es halt so. Mit dem Reinhard würde ich trotzdem weiter gemeinsam ins Bierzelt gehen und gerne ein Bier trinken. Mir ist wichtig, dass das eine faire Geschichte wird.