Regensburger Lichtkunst-Festival Re.Light macht die ganze Stadt zur Bühne

Von Michael Scheiner · 11. Februar 2026 um 14:45

An 14 Schauplätzen in Regensburg geht im März das Licht zur zweiten Auflage des Lichtkunst-Festivals Re.Light an. Die meisten Stationen sind kostenfrei zugänglich.

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Ein Haus, das alle im Umkreis wie ein einäugiger Zyklop beobachtet, mit einem überdimensionierten Auge auf der Fassade jede Bewegung zu verfolgen scheint. Muskulöse Arme, die aus Fenstern wachsen und jubelnd von Stockwerk zu Stockwerk geistern. Lampenschirme, unter denen Menschen in historischer Mode stecken, die über Plätze tanzen, schnipp-schnapp, an-aus gehen und mit anderen interagieren. Oder geometrisch faszinierende Lichtstäbe, eine kunterbunte Fassade, die architektonische Elemente aufgreift und übersetzt. Das Lichtfestival Re.Light von 2024 ist vielen sicher noch in lebhafter Erinnerung.

Künstler verwandeln Gebäude, Gassen und Plätze

Mitte März wird die Stadt erneut zur Bühne und Leinwand der europäischen Lichtkunstszene. Zehn Tage lang, vom 12. bis zum 22. März, verwandeln Lichtkünstler und -künstlerinnen Gebäude, Gassen, Plätze und Stadtgrün mit ihren fantasievollen, seltsamen und überraschenden Projektionen aus dem immateriellen Stoff Licht in etwas Neues, Ungewohntes, Fremdes. Diesmal sind es 14 Stationen, an denen sich die Vielschichtigkeit der Lichtkunstinstallationen bei einem Rundgang in der Dämmerung erleben lässt, täglich jeweils von 18.30 bis 22.30 Uhr.

Neben Ludmila Siewerski aus Berlin sind heuer Nika Erjavec aus Slowenien, das Team des niederländisch-ungarischen Konzeptkünstlers Zalán Szakács und cabosanroque, ein künstlerisches Projekt von Roger Aixut und Laia Torrents aus Katalonien, insgesamt mehr als 15 Aktive am Start, da einige als Studios oder Paare auftreten. Gestern Nachmittag ist das Programm des Festivals bei einer Pressekonferenz im Haus der Bayerischen Geschichte vorgestellt worden.

Lichtkünstler Sebastian Kite (r.) bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Lichtkunst-Festivals Re.Light mit Regensburgs OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer (Mitte) sowie Vertretern von Sponsoren, Unterstützern und Mitarbeitenden der Stadt und des Festival-Teams. - Foto: Michael Scheiner

Per Videoschalte gaben Nika Perne, die künstlerische Leiterin von Re.Light, und vier Lichtkünstler Statements zu ihren Arbeiten und zum Festival ab. Perne will mit dem „vielschichtigen Ansatz zum Nachdenken über gemeinsame Werte anregen und damit eine kollektive Erfahrung ermöglichen.“ Ein weiterer Künstler, der Deutsch-Brite Sebastian Kite, saß mit Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Kulturreferent Wolfgang Dersch, vor Ort am Tisch und stellte sein Werk „Inner Time” vor. Es sei eine „lebendige Architektur aus Licht, Klang und Bewegung“, die im Thon-Dittmer-Palais zu sehen sein wird. Den Sound dazu nimmt er, wie Dersch bei seinen Ausführungen zum Festival preisgab, gerade mit den Domspatzen auf.

So nutzen die Lichtkunstschaffenden die urbane Umgebung der Welterbestadt für „ortsspezifische Interventionen“, las Maltz-Schwarzfischer in ihrem Manuskript und übersetzte es damit, dass sich die Künstler mit dem jeweiligen Ort, der Architektur und der Geschichte der Stadt auseinandersetzten. Viele der Werke würden im Dialog mit historischen und inspirierenden Orten entstehen, an denen sie präsentiert werden. Dersch zählte neben einigen bereits bekannten Orten wie dem Kohlenmarkt, der Dreieinigkeitskirche und der Steinernen Brücke auch neue Räume und Häuser in der Altstadt auf, die heuer erstmals bespielt werden. Neu dazu kommt das Velodrom, die legendäre Radrennbahn, die heute Theater und wegen einer Sanierung geschlossen ist. Für Re.Light wird es „temporär geöffnet“, versprach Dersch.

Auch das historische Obermünsterviertel, das zu einer grünen Oase in der Stadt umgestaltet wird, und die kürzlich restaurierte Spitalkirche St. Katharina in Stadtamhof sind neue Festivalorte. An allen bespielten Orten können Besucherinnen und Spaziergänger Vertrautes und Verborgenes, Poetisches und Signifikantes, greifbare und flüchtige Räume der Stadt erleben und neue Eindrücke auf sich wirken lassen.

Fast alle Stationen sind kostenfrei zugänglich

Bis auf zwei Orte sind alle Stationen kostenfrei zugänglich und können mittels einer App oder eines Programmflyers auf einem Rundweg abgelaufen werden. Für die beiden übrigen Stationen, die Minoritenkirche und das Velodrom, ist ein Kombiticket ab Anfang März auf der Website und bei der Tourist-Info erhältlich. Ein umfangreiches Rahmenprogramm beinhaltet auch ein kulinarische Re.Light-Dinner am 14. März und ein spezielles Re.Light-Gedeck mit leuchtendem Cocktail in vielen Cafés und Bars entlang der Route.

Mit dem Festival im beginnenden Frühjahr richte sich „ein großer Scheinwerfer auf die Stadt“, schwärmt Oberbürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer und schaffe internationale Aufmerksamkeit und Verbindungen. Ihr sei wichtig, „dass die Stadt nicht Kulisse, sondern aktiver Teil“ des Ganzen ist.