Katzen, Fanschals und „Stille Nacht“: Regensburger Politiker geben im Netz alles

Die sozialen Netzwerke. Für die einen Theater der Träume, für andere Gruselkabinett. Für die meisten Politiker ist es aber vor allem eines: ein Muss. Auch in Regensburg. Der Kampf um die Stimmen für die Stadtratswahl am 8. März läuft im Internet auf vollen Touren. Die Mittelbayerische hat sich umgeschaut.
„Jetz red i!“ – Erklärvideos sind voll angesagt
Ohne sie geht nahezu nichts mehr: Erklärvideos. Hier wird gesagt, wie es läuft und warum es so läuft, wie es läuft. Bei der SPD etwa wird Thomas Burger an ausgewählten Plätzen in der Altstadt gefilmt, bei der CSU gibt es Interviews mit Astrid Freudenstein in Podcast-Szenerien. Und auch Helene Sigloch von den Grünen ist fleißig am Erklären, an unterschiedlichsten Orten zu unterschiedlichsten Themen. Auffällig sind Videos von der AfD, die mitunter Mitschnitte aus dem Stadtrat in Beiträge montieren, oder von Volt, die teils gleich eine Making-of-Doku mit einbauen.
Hier finden Sie einen zum Thema passenden Inhalt von Instagram. Klicken Sie auf "Beitrag ansehen", um den Inhalt anzuzeigen.
Mit dem Klick auf "Beitrag ansehen" erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an den Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Infos finden Sie unter www.mittelbayerische.de /datenschutzerklärung
„Stand up if you love the darts“: Musik ist Trumpf
Erklärvideos liegen im Trend, doch es gibt noch viele andere Formate. Oft einfach mit einem einzelnen Bild oder einer Grafik. Dann sind Steckbriefe von Kandidaten zu sehen, Wahlplakate oder Terminankündigungen. Oder auch Bilder-Videos, wie sie etwa Michael Schien von den Freien Wählern mitunter zusammenbastelt und sie dann mit Musik hinterlegt. Dann erklingt „Stand up if you love the darts“, während er in der Kneipe die Pfeile wirft. Bunt mag es derweil Jakob Friedl von der Ribisl-Partie. Er kombiniert oft umfassende Statements zu politischen Themen mit selbst designten Illustrationen.
Wie viel Persönliches geben die Kandidaten preis?
Große Bekanntheit erreichte die „Papa, sag mal ...“-Serie von Thomas Burger. Hier wird er mit seiner Tochter gefilmt, die ihm eine Frage stellt. Mehrere Male gab auch Helene Sigloch private Einblicke. Etwa mit Bildern vom Wändestreichen, vom Kochen oder aus dem Urlaub. Astrid Freudenstein zeigte ein Video von sich mit ihren zwei kleinen Katern Leo und Bono. Horst Meierhofer von der FDP macht im Netz kein Geheimnis aus seiner Leidenschaft fürs Grillen, Thomas Thurow von der Brücke schickte zu Weihnachten ein Bild von sich mit seiner Familie raus und Christian Janele (CSB) ließ sich zum Fest beim Klavierspielen filmen: „Stille Nacht“.
Was sind die beliebtesten„Multiplikatoren“ im Netz?
Im Wahlkampf gilt traditionell: Es lebe der Sport. Es gibt unzählige Beiträge von Stadtratskandidaten im Fanschal des SSV Jahn oder auf der Tribüne der Donau-Arena bei einem Spiel der Eisbären. Diese Posts kommen meist sehr gut an, da die Politiker damit auch die Fans dieser Mannschaften erreichen. Ebenfalls beliebte „Multiplikatoren“ sind große gesellschaftliche Ereignisse.
Lesen Sie außerdem: Anwohner kämpfen seit 30 Jahren für Tempo 30 in Straße im Regensburger Norden
Helene Sigloch und Astrid Freudenstein sind dann im Dirndl auf der Dult zu sehen, Thomas Burger als Redner beim CSD oder Horst Meierhofer beim Besuch des Bürgerfests. Und gemeinsame Bilder mit bekannten Politikern sind ebenfalls sehr beliebt. Das Foto mit Ministerpräsident Markus Söder auf dem Regensburger Christkindlmarkt wurde für Astrid Freudenstein jedenfalls ein echter Klick-Hit.
Hier finden Sie einen zum Thema passenden Inhalt von Instagram. Klicken Sie auf "Beitrag ansehen", um den Inhalt anzuzeigen.
Mit dem Klick auf "Beitrag ansehen" erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an den Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Infos finden Sie unter www.mittelbayerische.de /datenschutzerklärung
Wie ist der „Tonfall“ der Parteien untereinander?
In den sozialen Netzwerken gehen die Regensburger Politiker überwiegend zurückhaltend mit den Konkurrenten um. Der Fokus wird oft auf den eigenen Standpunkt gelegt, statt sich an anderen abzuarbeiten. Zu den Ausnahmen gehört hier der Podcast der Brücke, den die Partei in den Netzwerken stark bewirbt und in dem die hiesige politische Landschaft mitunter sehr kritisch analysiert wird. Die Regensburger Linken nehmen derweil mitunter vor allem Bundespolitiker satirisch auf die Schippe. Die konfrontativsten Beiträge gibt es aber wohl von der Regensburger AfD, in denen teils harte Kritik an anderen kommunalen Politikern geäußert wird. Andersrum scheinen aber auch viele Parteien den Einsatz der Konkurrenten zu würdigen. Es gibt jedenfalls bei vielen Posts erstaunlich viele Gefällt-mir-Herzchen von Vertretern anderer Gruppen.
Bringen sich die Nutzer in den Debatten stark ein?
In den sozialen Netzwerken zählen Aufmerksamkeit, Klicks und vor allem die sogenannte Interaktion mit Herzen und Kommentaren. Bei der Flut an Beiträgen im Regensburger Wahlkampf ist es natürlich schwierig, aus der Masse herauszustechen. Nur wenige Posts schaffen es, größere Diskussionen anzukurbeln. Viel Reichweite, sprich viele Klicks, bringen oft locker-flockige Beiträge. Astrid Freudenstein schaffte dies mit einem Neujahrsgruß plus Auftritt eines Schornsteinfegers. Gefällt-mir-Magneten können aber auch einfach Kandidatenvorstellungen sein. Sebastian Wanner von den Linken etwa erhielt für seinen OB-Wahlkampf-Post massenhaft Reaktionen.
Die Überraschungen des Wahlkampfs im Netz
Die Mitglieder von Die Partei gelten als ausgemachte Satiriker. Das Netz scheint eigentlich wie gemacht dafür. Ihre Regensburger Vertreter um OB-Kandidat Ingo Frank machen sich im laufenden Wahlkampf dort bislang aber eher rar. Völlig gegen den Strom schwimmt sogar Benedikt Suttner, OB-Kandidat der ÖDP. Er verzichtet für sich komplett auf die Netzwerke. Er sei in diesen Dingen nicht fit und hätte sich das alles erst drauf schaffen müssen, sagt er: „Denn wenn man so etwas macht, sollte es mit Herzblut und Power sein.“ Es gebe für ihn im Wahlkampf immer noch genügend andere Kanäle, etwa über Gespräche oder Plakate. „Und in der Partei haben wir Leute, die sich wiederum mit Social Media sehr gut auskennen, so dass es auch abgedeckt ist.“ Aber könnte es ihn oder die ÖDP Wähler kosten, dass er nicht selbst vertreten ist? Das könne er nicht ausschließen, sagt Suttner: „Allerdings glaube ich schon, dass es viele Menschen gibt, die es gerade schätzen, dass wir nicht auf jeden Zug mit aufspringen.“
Hier finden Sie einen zum Thema passenden Inhalt von Instagram. Klicken Sie auf "Beitrag ansehen", um den Inhalt anzuzeigen.
Mit dem Klick auf "Beitrag ansehen" erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an den Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Infos finden Sie unter www.mittelbayerische.de /datenschutzerklärung
Welche Beiträge wurden zum Stadtgespräch?
Für breite Diskussionen sorgten mehrere Posts von Astrid Freudenstein. Etwa, als sie sich zum Kaufhof äußerte. Oder wie sie gemeinsam mit ihrer Partei bekannt gab, nun doch den Holzgartensteg bauen zu wollen. Ein Projekt, das die CSU bislang abgelehnt hatte. Viral ging auch eine Aktion von mehreren Mitglieder der Linken, die ein eigenes Schild bastelten und aufhängten, um die Von-der-Tann-Schule nach Elly Maldaque zu benennen. Und ein echter Coup mit vielen Klicks gelang auch der Regensburger FDP. Die machte sich in einem Video über einen Kokain-Skandal eines bayerischen CSU-Politikers lustig. Mit Backpulver wurde eine entsprechende Spur gelegt – am Ende löst OB-Kandidat Horst Meierhofer dann alles auf: „Klare Linien ziehen? Gerne! Aber nur in unserem Wahlprogramm.“