Saufgelage bei Sitzbänken in Schwarze-Bären-Straße in Regensburg: Händler in Sorge ums Geschäft

Stinkende Kothaufen und das ausgerechnet im Eingang der City Parfümerie, Menschen mit offener Hose, eine bedrohte sowie als „Schlampe“ beleidigte Mitarbeiterin, Lärm und Müll: Auch das gehört laut Inhaber Sebastian Rieß derzeit zum Bild der Schwarze-Bären-Straße in Regensburg – und er hat es so satt. Damit ist er nicht der einzige. Mehrere Geschäftstreibende empfinden die Situation als geschäftsschädigend.
Sandra Bachfischer, Chefin des benachbarten Teehauses, hatte das Problem kürzlich während eines Termins der Industrie- und Handelskammer (IHK) Oberpfalz und Kelheim zum Thema Brennpunkte öffentlich gemacht: Immer mehr Menschen deckten sich beim Discounter mit billigem Alkohol ein und konsumierten ihn auf den Bänken, sagte sie. Die Folgen seien Geschrei und Vermüllung bis hin zu Exkrementen.
Teehändlerin muss den Bürgersteig putzen
Bachfischer habe schon das Karree vor ihrem Laden deswegen reinigen müssen. „Wir verkaufen ein hochwertiges Produkt, da sollen sich die Menschen wohlfühlen“, fordert sie. Dieses Wohlfühlen ihrer Kunden, der Umstand, dass die Sitzbänke für alle da sein sollten, und das Bedürfnis mancher nach billigem Alkohol – all das sollte sich in Bachfischers Augen besser als zuletzt die Waage halten.
Auch Alexander Deutsch, Wirt im Weißbräuhaus, sieht den Kern des Problems in der Kombination aus den Bänken und der Verfügbarkeit von billigem Alkohol im Viertel. Das Geld dafür bekämen die Trinkenden bei den Bänken von Passanten. „Die denken, sie tun ihnen etwas Gutes“, sagt er. Seine Gäste fühlten sich aber regelmäßig von den Gelagen und dem Lärm vor dem Freisitz gestört. „Manche gehen auch weiter und setzen sich erst gar nicht bei uns hin“, erklärt Deutsch.

Maximilian Schreiner, Chef im Einrichtungshaus gegenüber des Supermarktes, sagt ebenfalls, dass die Trinkgelage auf den Bänken mit Verschmutzung, Belästigung und Betteln einhergingen sowie zu einer offenen Drogenszene führten. „Selbstverständlich ist das geschäftsschädigend, da Besucher und vor allem Familien die Gegend meiden“, erklärt er die Konsequenzen.
Auch Netto, in dessen Sortiment einige Anlieger einen Teil des Problems sehen, weil es in ihren Augen für die Verfügbarkeit von billigem Alkohol sorgt, intervenierte schon wegen der Situation: „Die Behörden wurden dazu von uns bereits informiert, da der Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum außerhalb unseres Einfluss- und Zuständigkeitsbereichs liegt“, gibt Christina Stylianou, Leiterin der Unternehmenskommunikation, Auskunft.
Im Moment sei es ruhiger – wegen der Kälte, sagt Bachfischer. Andererseits brauchen sich Passanten hier gerade nicht allzu lange aufzuhalten, bis ein Wagen mit der Aufschrift „Polizei“ oder „Ordnungsamt“ Patrouille fährt. Stadt und Polizei sind die Umstände bekannt. Ende vergangenen Jahres hat es laut Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, ein Treffen mit allen Beteiligten zu dem Thema gegeben. Rieß klagt aber auch danach noch: „Wir fürchten uns vor dem Sommer.“ Er fühle sich mit dem Problem alleine gelassen. Es passiere nichts. „An einem Tag bringt die Polizei die Trinkenden weg, am nächsten Tag sind sie wieder da“, beschreibt es Deutsch vom Weißbräuhaus. Für Schreiner vermittle die Situation einen gewissen Kontrollverlust der Behörden. „Die Innenstadt muss wieder zur Chefsache werden; es bedarf einer klaren Strategie, um sie nachhaltig aufzuwerten. Dann werden sich auch diese Probleme leichter lösen lassen“, vermutet er.
Ordnungsservice der Stadt hat seine Präsenz erhöht
Was also ist an dieser Stelle geplant? Der Kommunale Ordnungsservice (Kos) der Stadt habe seine Präsenz in der Schwarze-Bären-Straße bereits wesentlich erhöht, sagt von Roenne-Styra. Mehrfach seien Platzverweise ausgesprochen und mit der Polizei durchgesetzt worden. Markus Reitmeier von der Polizeiinspektion Süd erklärt, dass es hier im vergangenen Jahr zwar zu Polizeieinsätzen im niedrigen zweistelligen Bereich gekommen sei, die in Zusammenhang mit der von den Händlern beschriebenen Situation stehen könnten, ein Brennpunkt sei das aber nicht. „In lediglich zwei Fällen lagen strafrechtlich relevante Sachverhalte vor: einmal Körperverletzung, einmal Bedrohung“, zählt er auf. Die Polizei werde die Stelle auf Streife im Auge behalten. Marion Santl, die Leiterin der Caritas Suchthilfe, berichtet, dass die Streetworker Kontakt zu einem Obdachlosen hatten. „Es wird weiter versucht, ihn an das Hilfesystem anzubinden. Das erfordert Gespür und Ausdauer“, erklärt sie.
Während des IHK-Spaziergangs stand auch die Frage im Raum, ob es etwas bringen würde, eine der Bänke abzubauen. Deutsch sagt ebenfalls, dass der Sinn der Bänke in Zweifel zu ziehen sei, wenn das Problem nicht gelöst werde. „Die Bänke sind ja dafür da, sich auszuruhen und zu verweilen. Dafür können sie aber nicht benutzt werden“, ärgert er sich. Für Schreiner sind die Bänke konsumfreie Aufenthaltsmöglichkeiten für Familien, Senioren und Jugendliche. „Werden diese jedoch ausschließlich und dauerhaft von anderen Gruppierungen in Verbindung mit günstigem Alkohol aus dem gegenüberliegenden Discounter in Anspruch genommen, belagert und verschmutzt, entstehen Hotspots“, warnt er. Laut von Roenne-Styra ist aber nicht geplant, die Bänke abzubauen. Zuletzt hatte die Stadt für einen Eklat gesorgt, als sie eine Bank beim Luxusklo am Schwanenplatz abbauen ließ, weil eine Obdachlose regelmäßig darauf geschlafen hatte.