Nach Abbau der Sitzbänke: Stadt Regensburg sieht „deutliche Verbesserung“ am Luxusklo

Von Daniel Pfeifer · 18. Oktober 2023 um 11:00

Das 890.000 Euro teure „Luxusklo“ am Schwanenplatz und dessen abmontierte Sitzbänke spalten noch immer die Gemüter. Nun äußern sich betroffene Obdachlose zu dem Fall. Die Stadt Regensburg wiederum spricht von einer „verbesserten“ Lage und wird erstmals konkret, welche neuen Sitzmöbel kommen könnten.

Genau ein Jahr ist es her, dass das „Luxusklo“ am Schwanenplatz wegen seiner beträchtlichen Kosten von 890000 Euro im Schwarzbuch der Steuerzahler landete. Und sechs Wochen ist es her, dass die Stadtverwaltung die Bänke an dem Klohaus abmontieren ließ, weil Vandalismus und Verschmutzung überhandgenommen haben. Kritiker warfen der Stadt damals vor, so Obdachlose verjagen zu wollen. Was ist seitdem passiert?

Spricht man an einem kühlen Oktober-Vormittag mit Passanten, gibt sich ein gemischtes Bild. Manche sprechen von einem „trostlosen Anblick“, andere nennen das Gebäude „völlig verdreckt“, wieder andere loben es als „sauber und modern“. Aber was auffällt: Das Klohaus am Schwanenplatz ist und bleibt ein heißes Gesprächsthema. Fast jedes Paar und jede Gruppe, die dort vorbeigeht, lässt eine Bemerkung über das Luxusklo los.

Luxusklo am Schwanenplatz ist ein leidiges Thema

Auch für die Stadtverwaltung von Regensburg ist es ein leidiges Thema. Erst musste sie sich für die Baukosten rechtfertigen, dann für die Entfernung der Sitzbänke. Inzwischen jedoch sieht die Stadt eine positive Entwicklung. „Mitarbeiter des Amts für Gebäudeservice konnten vor Ort feststellen, dass sich die hygienischen Umstände deutlich verbessert haben“, teilt Pressesprecherin Verena Bengler mit. Eine Sonderreinigung, die mit 400 Euro veranschlagt wäre, musste nicht mehr beauftragt werden, weil die Verschmutzung „über die täglichen Unterhaltsreinigungen übergangsweise beseitigt werden konnte“, so Bengler.

Die Stadtverwaltung sieht in der Entfernung der Sitzbänke also einen Erfolg. Dennoch stellte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer fest, dass es keine Dauerlösung sein könne. Sie bezeichnete die Maßnahme eher als „Akt der Hilfslosigkeit“.

Tatsächlich arbeite die Stadt an dem Problem, bestätigte Bengler: „Als Alternative zur demontierten Sitzbank wird aktuell die Installation von seniorentauglichen Stehhockern (breitere Sitzfläche) geprüft, um die notwendige Aufenthaltsqualität zu erreichen.“

Als Aufenthaltsort wird das Gebäude derzeit kaum genutzt. Nur gelegentlich schauen Touristen auf die im Wartebereich angebrachte Karte mit „Regensburger Highlights“ in einem von toten Fliegen und Spinnweben eingemotteten Glaskasten. „Da wird überall hingebieselt“, sagt eine Frau aus Lappersdorf, die mit Ehemann und Hund vorbeigeht. Sie deutet auf dunkle Flecken an der Wand. Tatsächlich riechen die Ecken leicht nach Urin. Dennoch: Verständnis für den Abbau der Sitzbänke hat die Lappersdorferin nicht.

Geschützter Raum in Regensburg ist wichtig

Doch wie sieht es mit den Menschen aus, die von der Abbau-Aktion direkt betroffen waren? Zwei solcher Menschen liegen in der Parallelstraße. Sie sind in Jacken und Schlafsäcke gehüllt, um sich vor der Kälte zu schützen. Die 42-jährige Henrietta und der 47-jährige Jan sind obdachlos. Sie schlafen draußen, weil sie sich in Unterkünften unsicher fühlen. „Ich finde es nicht gut“, sagt Henrietta zur Entfernung der Bänke, „ich verstehe nicht, warum.“ Sie selbst habe oft dort gesessen. Auch Jan nutzte die Bank.

In einem Mix aus Slowakisch und Deutsch erklärt er, wie wichtig der geschützte Raum für ihn sei. Vor allem, wenn es regne. „Wenn ich mich nicht unterstelle, werde ich komplett nass, das ist gar nicht gut“, erzählt er. Eine Wohnung zum Aufwärmen habe er ja nicht, er habe Angst, krank zu werden.

Geschlafen haben die beiden nie am Schwanenplatz. Aber sie kennen einen Freund, um die 50Jahre alt, der dort öfter nächtigte, erzählt Henrietta. Seit die Bänke weg sind, habe er sich einen neuen Schlafplatz an einem Waschsalon suchen müssen.