Eigene Buslinie oder Zusammenschluss? Zukunft des ÖPNV in Cham beschäftigt Landratskandidaten

Der Öffentliche Personennahverkehr ist im Flächenlandkreis Cham schon immer ein schwieriges Thema. Mittlerweile geben private Busunternehmen bei der Ausschreibung von Linien oft keine Gebote mehr ab, weil sie keine Chance sehen, diese wirtschaftlich zu bedienen, weil ihnen das Personal dafür fehlt. Der Landkreis ist darauf vorbereitet, mit einem eigenen Unternehmen oder der Beteiligung an einem Verkehrsunternehmen in die Bresche zu springen. Darüber, ob das eine gute Idee ist, schieden sich die Meinungen der sechs Landrats-Kandidaten bei der Podiumsdiskussion in der Rodinger Stadthalle.
Gegen ein eigenes Busunternehmen des Landkreises sprach sich Alfred Stuiber (FDP) aus: „Wir sollten alles, was private Unternehmen machen können, sie auch machen lassen.“ Hilfreich wäre es seiner Meinung nach, wenn der Landkreis seine Rechnungen der Busunternehmen schneller zahlen würde.
Der Landkreis prüfe, diesen Weg zu gehen, erläuterte Michael Multerer (CSU). Vorrang hätte immer die Schülerbeförderung, „die muss funktionieren.“ Entschieden werden müsse auch über die Zukunft der Rufbusse, wo einige Verbindungen bereits wieder eingestellt werden. Kritisch sah er den Zusammenschluss mit einem größeren Netzen wie dem Regensburger Verkehrsverbund (RVV), denn dann hätte der Landkreis keinen Zugriff mehr und Spezialangebote wie der Sozialtarif oder die Nutzung des Deutschland-Tickes wären nicht mehr möglich.
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Der Landkreis habe viele tolle Projekte wie den Breitbandausbau umgesetzt, sagte Christian Schindler (Freie Wähler), aber „wir müssen auch nicht alles selber machen“. Damit meinte er, einen Zusammenschluss mit einem größeren Verbund erneut im Kreistag zu prüfen. Ein Zusammengehen etwa mit dem RVV biete aus seiner Sicht viele Optionen, sich besser aufzustellen. Ein großes Problem sei auch, dass es immer weniger Busfahrer gäbe. Was auch immer getan werde, wichtig sei, „im Vorfeld den Dialog mit den Busunternehmen zu suchen“, so Schindler.
„Was bleibt uns als Landkreis anderes übrig, wenn die Busunternehmen keine Angebote mehr für manche Linien abgeben“, fragte Steve Brachwitz (SPD). Der Landkreis müsse dann einspringen. Die Idee, sich größeren Verbünden anzuschließen, sollte seiner Meinung nach noch einmal geprüft werden, da dies Vorteile bringen könnte.
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Es sei oft schwierig und dauere sehr lange, überhaupt über Apps herauszufinden, welche Fahrten es gäbe, monierte Sascha Kretz (Grüne), außerdem seien die Verbindungen oft umständlich und mit Umstiegen verbunden. So sei es kein Wunder, dass der ÖPNV im ländlichen Raum nur wenig genutzt werde. Um überhaupt herauszufinden, welche Verbindungen gut genutzt werden würden, müsste erst einmal ein vernünftig ausgebautes System vorhanden sein.
Viel Nachholbedarf beim ÖPNV im Landkreis sieht Christian Oberthür (Die Linke), „deutschlandweit sind wir da auf dem vorletzten Platz.“ Er regte neue Ideen an, etwa einen Expressbus, der direkt nach Regensburg fährt und damit einem Umstieg im Zug in Schwandorf nicht mehr nötig mache. Der Umstieg auf den ÖPNV müsse den Bürgern erleichtert werden, sagte er.