Tobias Kunert aus Rötz findet durch Schicksalsschlag zum Bodybuilding – Dritter Platz bei GNBF

Von 92 auf 67 Kilogramm, fünf Prozent Körperfett und schlechter Schlaf – an ein normales Leben kann Tobias Kunert (31) aus Rötz vor seinem ersten Wettkampf als Bodybuilder nicht mehr denken. Mehrere Jahre bereitet er sich vor, trainiert und verzichtet – nur um kurz vor dem großen Tag im Krankenhaus zu landen. Am Ende steht er dennoch auf dem Podest. Und das mit einem großen Lächeln.
Das Fitnessstudio, in dem der 31-Jährige trainiert, ist modern. Im Gegensatz zu vielen anderen Gyms ist es im Januar nicht überfüllt. Die halbstündige Anreise von Rötz nach Blaibach stört Kunert nicht. Auf dem Weg zum Interview grüßt er einige Personen, die gerade trainieren. Man kennt sich in Blaibach. Gerade er wird öfter angesprochen. Vor dem Gespräch süßt Kunert seinen Kaffee – selbstverständlich mit Süßstoff.
Das Bodybuilding war nie seine große Leidenschaft. Stattdessen hat Kunert in seiner Jugend Fußball gespielt. Beim 1. FC Rötz spielt er in der Bezirksliga. Mit 17 Jahren wird ihm ein Tumor im rechten Knie diagnostiziert. Für den Wiederaufbau muss er Krafttraining absolvieren. Über die Zeit findet er Gefallen inmitten der Hantelscheiben und Rudergeräte.
Bodybuilding nimmt nach und nach mehr Platz ein
Mit 19 Jahren entschließt er sich dazu, ernsthaft Kraftsport zu betreiben. 2021 fasst er seinen Wettkampf-Plan. Vier Jahre später steht der 31-Jährige auf der Bühne. „Bodybuilding ist kein Sprint, sondern ein Marathon – gerade für mich als naturalen Athleten ohne unterstützende Präparate.“ 271 Tage ordnet der Rötzer in seiner aktiven Vorbereitungsphase fast alles dem Sport unter.
Sein Tag startet um 4.30 Uhr. Nach einer Cardio-Einheit auf dem Ergometer frühstückt der 31-Jährige Haferflockenkuchen. Danach startet Kunerts Arbeitstag. Er ist in der Finanzbranche tätig. Im Homeoffice kann er sich seine Arbeitszeiten flexibel einteilen – ein wichtiges Puzzlestück in der Wettkampfvorbereitung. Ohne diese Freiheit hätte er Bodybuilding in diesem Ausmaß vermutlich nicht betreiben können. Anschließend geht er mit seinem Malinois Auro eine Runde Gassi, gefolgt von Krafttraining am Vormittag im Gym, begleitet von einer Trinkmahlzeit. Nach dem Training kocht sich Kunert eine Fitnessmahlzeit – oft Reis, Hähnchen und Brokkoli.

Für die perfekte Form verzichtet Kunert nicht nur auf Zeit und Schlaf. Er isst pro Tag nur noch rund 1800 Kalorien. „Du bist in der Zeit kurz vor dem Wettkampf sowohl physisch als auch psychisch ein Wrack.“ Und trotz der hohen Belastung kommt neben Training, Ernährung und Schlaf noch das Posing hinzu. „Das ist für mich das Anstrengendste. Du musst jeden einzelnen Muskel in deinem Körper ansteuern können – und natürlich lächeln, auch wenn du keine Energie hast“, sagt Kunert.
Lebensmittelvergiftung vor dem Wettkampfwochenende
Trotz seiner Hingabe wird die heiße Phase vor dem Wettkampf zum Albtraum. Kunert kommt ins Krankenhaus – Lebensmittelvergiftung. „Ich tippe auf schlechte Garnelen. Es hatte aber nichts mit dem Sport zu tun“, betont Kunert. Eine Infusion lehnt er zunächst ab. „Ich habe es einfach nicht gewusst. Normalerweise darfst du dir ja als naturaler Athlet nichts zuführen.“ Als es ihm zuhause nicht besser geht, macht er sich erneut auf den Weg ins Krankenhaus. Dieses Mal mit Infusion. Schlagartig verbessert sich sein Zustand. Er fährt nach Wahlsrode bei Bremen zum Wettkampf. Auf der Bühne strahlt er. Nach seinem Erfolg gedenkt er seiner verstorbenen Mutter, die für ihn immer eine große Rolle spielt.
Am Ende steht Kunert bei der Internationalen Newcomer Meisterschaft der GNBF (German Natural Bodybuilding and Fitness Federation) in der Newcomer-Kategorie auf dem Podium. Grundsätzlich ist er mit dem 3. Platz zufrieden, hadert jedoch mit der Zeit im Krankenhaus. „Das ist so ein bisschen auch der Antrieb. Was wäre möglich gewesen, wenn das nicht passiert wäre.“
2026 legt er ein Pausenjahr ein. Der Sport beanspruche den Körper extrem, weshalb solche Phasen unerlässlich seien. Der Trainingsumfang bleibt dennoch hoch. Montag: frei, Dienstag: Rücken und Bizeps; Mittwoch: Beine; Donnerstag: Brust, Schulter, Trizeps; Freitag: Regeneration in der Sauna, Samstag: Oberkörper; Sonntag: Beine.
Und bereits jetzt schielt er auf Wettbewerbe im Herbst 2027. Doch die Zukunft hält er offen. Die Leidenschaft, die Struktur und die Disziplin verdankt er auch dem Bodybuilding – auch wenn Kunert zum Teil große Opfer bringen muss.