Der Fellwechsel ist im Anmarsch – und in der Hundeoase Roding wird es haarig

Von Theresa Baumann · 6. Februar 2026 um 05:00

Vom Ausreißer bis zum Model: In ihrer Hundeoase in Roding erlebt Hundefriseurin Ulrike Schneider täglich verschiedene Persönlichkeiten auf vier Pfoten. Sie erklärt, warum Fellpflege kein Luxus ist und welche Frisuren tabu sind.

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Während der Berner Sennen Riese von selbst auf den Frisiertisch springt, will die Bulldogge nichts lieber, als vom Tisch herunterspringen. Einen neuen Haarschnitt sollen aber beide bekommen. Und den soll Ulrike Schneider übernehmen. Die Hundefriseurin erzählt aus ihrem Alltag in der Hundeoase in Roding (Landkreis Cham).

Aufgewachsen ist Schneider mit einem Schäferhund, einem Dackel und einem Mischling. Selbst hat sie nach vier Yorkshire Terriern nun einen Pudel-Mischling – die Hundedame Fine. Fürs Foto bekommt sie nun endlich wieder einen Haarschnitt: „Das ist eben so, wenn man selber Hundefriseurin ist, dass der eigene Hund immer zu kurz kommt“, erzählt Schneider lachend. Fine genießt es, von ihrem Frauli, wie Schneider sagt, aufgehübscht zu werden. „Wenn die mit Haare schneiden fertig ist, rennt sie immer sofort nach hinten in die Wohnung und lässt sich von meiner Mama begutachten. So nach dem Motto: Schau, wie hübsch ich bin.“

Die einen Tiere stolzieren davon, die anderen fliehen

Was sich die Hunde nach einem Besuch in der Hundeoase denken, das würde Schneider schon immer gerne wissen. Während manche eitel davonstolzieren, machen andere Tiere den Eindruck, froh zu sein, die Prozedur hinter sich zu haben. Das Leckerli am Ende nehmen aber alle Hunde gerne mit.

Manche sogar so gerne, dass sie bei einem Spaziergang am Eingang des Salons vorbei, zielstrebig zur Haustür laufen und sogar bellen. „Die wissen genau, dass sie da ab und an zum Haare schneiden vorbeikommen. Wenn es mir dann zeitlich ein bisschen passt, lasse ich die Hunde auch kurz rein“, sagt die Hundefriseurin.

Zwar ist es in den 14 Jahren erst zweimal vorgekommen, aber manch ein Hund lässt die Fellpflege, das Baden oder auch das Krallenschneiden deutlich weniger freudig über sich ergehen. Ab und zu beißen die Vierbeiner. „Einmal hat ein Hund nicht mehr ausgelassen. Den hab ich dann auch nicht mehr geschnitten.“ Angst hatte sie deshalb vor anderen Hunden nicht.

Die meisten Hunde hätten mit den Besuchen im Friseursalon aber kein Problem. Schneider bedient zu 98 Prozent Stammkunden, die mit ihren Haustieren bereits im Welpenalter zum Eingewöhnen kommen. „Welpen dürfen gratis reinschnuppern und dann zeige ich denen mal den Föhn oder schneide mit der Schere vor den Augen.“ Hunden einen neuen Haarschnitt zu verpassen, sei ohnehin leichter . „Denen kann man gut zureden oder sie mit einem Leckerli zügeln. Wenn eine Katze nicht mag, dann mag sie halt nicht. Dann müssen wir immer abbrechen.“

Schneider ist mit voller Überzeugung „Hundemama“. „Ein Hund freut sich immer, Katzen sind einsinniger.“ Ihr eigener Hund dürfe sogar zu ihr ins Bett – ein strittiges Thema unter Hundebesitzern, wie sie selber weiß. „Ich weiß, ich hab meine Fine verzogen.“

Ihre Liebe zu den Vierbeinern bringt sie zur Ausbildung

Ihre Liebe zu ihren Haustieren war auch der Grund, wieso Schneider die Ausbildung zur Hundefriseurin ins Auge fasste. „Ich habe zwei kleine Yorkshire-Terrier gehabt und es war damals schon nicht einfach, einen Termin zu bekommen.“ Deshalb entschied sie kurzerhand, ihre beiden Hunde-Damen selbst zu frisieren. Ein Luxusgut sei eine Hundefrisur keineswegs, stellt Schneider klar. „Es gibt eben Hunde, die geschnitten werden müssen. Es geht nicht darum, dass man einen Schicki-Mickie-Hund haben will.“ Während Rassen wie der Rauhaardackel oder der Terrier getrimmt werden, dürfen Schäferhunde oder Golden Retriever keinesfalls geschnitten werden. „Bei denen darf man nur das Unterfell ausbürsten, sonst zerstört man die Hitze-Regulierung.“

Oft kommen die Besitzer bereits mit Fotos als Inspiration in den Salon und fragen Schneider, ob sie diese Frisur umsetzen kann. Erst im Sommer sei ein Besitzer gekommen, der das Fell seines Hundes waschbär-typisch färben lassen wollte, wie es ein amerikanischer Hundefriseur oft auf Instagram macht. „Sowas mache ich nicht. Der Hund ist immer noch ein Hund und kein Kunstobjekt.“

Solche außergewöhnlichen Anfragen bekommt Schneider aber selten. In der Regel schneidet sie an einem Arbeitstag sechs Hunde. Im Januar ist es aber normalerweise immer ein bisschen ruhiger. Ab März – wenn die Fellwechsel losgehen – „geht es wieder rund“. Normalerweise kommen ihre Kunden in Abständen von sechs bis zehn Wochen. Manche haben ihre Termine für das gesamte Jahr bereits vorgebucht.