Beute für 420.000 Euro in Anglershops? Einbrecher gestehen vor Gericht in Regensburg

Zwei Einbrecher hatten Angel-Geschäfte quer durch ganz Bayern imVisier. Auch in Cham schlugen die Täter zu. Bei ihrem Coup in Straubing sollen sie laut der Anklage fast eine Viertelmillion Euro erbeutet haben. In Regensburg vor Gericht machten sie nun einen Deal.
War es eine fixe Idee, um die Schulden bei einem Kredithai zahlen zu können, oder doch Taten einer rumänischen Bande? In Regensburg stehen zwei Männer vor Gericht, die es auf Diebzügen quer durch Bayern auf Anglershops abgesehen hatten. Nur in Cham und Straubing summiert sich die Beute laut Anklage auf weit über eine Viertelmillion Euro. Schlau gingen sie nicht ans Werk – DNA und Handydaten überführten sie.
Fünf Einbrüche nach immer demselben Muster legt die Anklage den 45 und 48 Jahre alten Rumänen zur Last. Ab August 2024 sollen sie monatlich einmal in Augsburg, Cham, Roth bei Nürnberg, Straubing und nach einer Winterpause Ende Februar vor einem Jahr in Kitzingen zugeschlagen haben. In allen Fällen gelangten die Täter durch die Außenwände ins Innere der Geschäfte. Sie hebelten Bleche auf und stiegen ein. Für die Beutezüge wählten sie ausschließlich Anglershops.
Über 420.000 Euro Beute und Schaden
Offenbar, weil dort richtig gut Beute zu machen war. Hochwertige Angelutensilien (Ruten, Rollen, Köder, Haken und anderes Zubehör) mit Stückpreisen von bis zu 200 Euro verschwanden bei den Raubzügen. Die Summen je Geschäft schwanken laut der Anklageschrift zwischen gut 20.000 und knapp 50.000 Euro. Mit einer gehörigen Ausnahme: In Straubing wird das Diebesgut auf 241.000 Euro geschätzt. Plus jeweils bis zu 10.000 Euro Sachschaden.
Schwer haben es die Angeklagten den Ermittlern nicht gemacht, ihnen auf die Spur zu kommen: Dank DNA-Spuren und Funkzellenabfrage an den Tatorten hat die Kripo schnell Namen. Denn die Handys der beiden Männer waren immer zeitgleich eingeloggt. „Sie sind quasi zusammen gekommen und zusammen gefahren“, erklärte ein Ermittler gestern. In Straubing wurden die Verfahren quer durch Bayern schließlich gebündelt bearbeitet. Ende März 2025 ging der Drahtzieher der Polizei ins Netz. Fünf Monate später lieferte Rumänien den drei Jahre jüngeren Komplizen aus.

Der 48-Jährige, der auch am ersten Prozesstag seine Rolle offen eingestand („Ich hatte die Idee“), machte schon bei der Kripo reinen Tisch – und hängte den nun Mitangeklagten hin. Der tat sich anfangs etwas schwerer mit seinem Geständnis. Erst nach einer ausführlichen Erläuterung durch den Richter ließ auch er sich auf einen Deal ein. Dafür verzichtete die Staatsanwaltschaft auf eine Verfolgung der letzten angeklagten Tat in Kitzingen. Hier gebe es wohl Spuren, die den 45-Jährigen belasten würden. So stehen bei ihm weiter nur drei, bei dem drei Jahre älteren Angeklagten fünf Taten auf der Liste.
Über ihre Verteidiger, die Regensburger Anwälte Christian Reiser und Urs Erös sowie Maximilian Keser ließen sie Erklärungen verlesen. Für mögliche Rückfagen allerdings standen beide nicht zur Verfügung. Die Männer stammen aus einunddemselber Kleinstadt im Osten von Rumänien. Wie der leitenden Ermittler vor Gericht sagte, belasteten auch Fotos auf ihren Handys und Ziele in Google Maps die Angeklagten – dort waren „eine Menge Tatorte“ nämlich als Favoriten gespeichert; auch der in Straubing
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Alle Prozessbeteiligten verständigten sich auf nicht mehr als drei Jahre und neun Monate Haft, wenn die Rumänen gestehen – und so kam es. Mit einer Einschränkung: Der Schaden in Straubing soll nicht höher als 100 000 Euro gewesen sein. Zu den Motiven äußert sich nur der 48-Jährige: Er habe die Schulden bei einem Kredithai tilgen müssen. Das Ganze sei „eine spontane Idee“ gewesen, als er beim Einkaufen in einem der Geschäfte gewesen wäre. Dass man extra für die Coups nach Bayern gefahren sei, um zu stehlen, ließen die beiden Männer aber vehement bestreiten.
Ex-Jahn-Profi jetzt als Jurist im Gericht dabei
Ein anderer Mann, der mit den Anwälten auf der Anklagebank Platz genommen hatte, sorgte am Rande für Geflüster: Sebastian „Wastl“ Nachreiner, ehemals Profi-Fußballer und heute Aufsichtsrat beim SSV Jahn Regensburg, verfolgte die Sitzung der fünften Strafkammer des Regensburger Landgerichts mit. Der 37-Jährige, der 2023 nur die sportliche Karriere in seinem Regensburger Verein beendet hatte, ist selbst promovierter Jurist und sammelt nun weitere Gerichtserfahrung.
Viel Gelegenheit dürfte er im Prozess gegen die Anglershop-Einbrecher kaum haben. Statt der zunächst sieben geplanten Verhandlungstage bis Ende März, könnte nach den umfassenden Geständnissen das Urteil wohl noch im Februar fallen.