125 Jahre Frey: Chamer Bürgermeister verraten ihre Erinnerungen an das Kaufhaus am Marktplatz

Frey ist seit 125 Jahren untrennbar mit Cham verbunden. Drei Chamer Bürgermeister teilen mit uns ihre persönlichen Erinnerungen an das Kaufhaus im Herzen der Stadt, das noch immer der Stützpfeiler des Unternehmens ist. Leo Hackenspiel, Karin Bucher und Martin Stoiber erzählen von motorisierten Pferden, Taschengeld-Streifzügen und Volksfest-Defiliermärschen.
Video aus dem Jahr 2024
„Ich erinnere mich noch genau, als ich Dr. Adalbert Frey die Ehrenbürgerwürde verliehen habe“, sagt Altbürgermeister Leo Hackenspiel am Telefon. Das Kaufhaus Frey ist mit ihm untrennbar mit dem damaligen Inhaber verbunden, mit dem ihn ein besonderes Vertrauensverhältnis verband. So habe Frey ihn als erstes informiert, als dessen Bruder Gerhard im Herzen Chams eine öffentliche Kundgebung seiner rechtsextremen Deutschen Volksunion abhalten wollte, die er 1971 gegründet hatte und deren Bundesvorsitzender er war. Den beiden gelang es zumindest, die Veranstaltung auf den Volksfestplatz zu verlegen – „direkt verbieten konnte man das nicht“, erinnert sich Hackenspiel.
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Die ganze Frey-Familie steht am Volksfest auf den Bänken
Schönere Erinnerungen hat er da schon an die Volksfeste, zu denen Adalbert Frey jr. seine Angestellten alljährlich brachte. „Und dann war klar: er dirigiert seinen Defiliermarsch“, lacht Hackenspiel. „Da sagte auch der Kapellmeister jedes Mal zu mir: Heute kommt der Frey, da dirigierst du nicht.“ Dann habe Frey auf der Bühne dirigiert, und die Frey-Familie habe auf den Bänken gestanden und dazu geklatscht.

Persönlich habe das Kaufhaus zu seinen bevorzugten Einkaufsmöglichkeiten gezählt, sagt der 86-Jährige, „das war ja auch während meiner Bürgermeisterzeit eines der zentralen Geschäfte für Kleidung.“
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Beim Frey-Haupteingang warteten Überraschungen
Ein kleines Fahrgeschäft vorm Frey hat die ehemalige Bürgermeisterin Karin Bucher als erstes im Sinn, wenn sie an Frey in Cham denkt. „Damals war ja der Haupteingangsbereich noch anders als heute, mit einem überdachten Vorbau, und da stand ein kleines Pferd. Wenn man eine Münze einwarf, dann hat es sich bewegt. Das war jedes Mal das Highlight meines Cham-Besuchs.“
Das war jedes Mal das Highlight meines Cham-Besuchs.Karin Bucher, ehemalige Bürgermeisterin über das Münz-Pferd am damaligen Frey-Eingang
Direkt daneben habe es einen Softeisstand gegeben, und manchmal im Sommer habe sie dann auch ein Eis bekommen. „Das war schon speziell, als Dorfkind hatte man ja damals nicht so viele Möglichkeiten“, erinnert sich die 60-Jährige, die im Chamer Ortsteil Hof aufgewachsen ist. Später habe sie dann auch den Hotdog-Stand für sich entdeckt, der ebenfalls einige Jahre lang unter dem Vorbau zu finden war.

Schüler überbrücken Wartezeit auf den Bus beim Frey
Darüber hinaus hat Bucher auch Erinnerungen an ihre Schulzeit, die direkt mit dem Kaufhaus Frey in der Innenstadt verknüpft sind. „Damals hielten ja die Busse genau vorm Frey. Ich ging also immer nach der Schule vom Fraunhofer auf den Marktplatz, und da hatte man immer ein paar Minuten übrig. Direkt beim Eingang war das große Zeitschriftenregal, und meine Freundinnen und ich haben da immer geblättert, bis der Bus kam. Ab und zu ist eine Verkäuferin gekommen und hat uns angesprochen, dass wir nicht nur blättern, sondern auch einmal etwas kaufen sollen“, hört man Bucher bei der Erinnerung durchs Telefon grinsen.
„Frey ist für mich mit schönen Kindheitserinnerungen verbunden“, sagt sie, und wird ernst: „Aber Frey ist vor allem auch unglaublich wichtig für Cham. Eine Innenstadt ohne Frey kann man sich kaum vorstellen.“
Ähnlich äußerst sich auch der aktuelle Bürgermeister Martin Stoiber: „Mit dem Unternehmen Frey verbinden sich für mich – über einen Zeitraum von inzwischen mehr als vier Jahrzehnten – viele positive Erinnerungen: Das Kaufhaus ist dabei untrennbar mit der Chamer Mitte verbunden.“

So erinnert sich auch Stoiber: „Als Kind liebte ich die Einkaufstouren nach Cham, die zu meiner hellen Freude meistens mit einem Streifzug durch die verschiedenen Frey-Abteilungen endeten.“ Auch er sei als Maristenschüler nach Unterrichtsende zur Bushaltestelle in Marktplatznähe marschiert, stellte den Schulranzen vor die Schaufenster und investierte wie seine Freunde sein Taschengeld in Süßigkeiten, Lesestoff und Schreibwaren.
Bürgermeister ist stolz auf traditionsreiches Unternehmen
Stoiber betont aber auch: „Inzwischen ist das Haupthaus in der Chamer Mitte, in dem alles seinen Anfang nahm, zum Modeerlebnishaus aufgestiegen und Frey an mittlerweile mehreren Standorten in Ost- und Nordbayern für seine Kunden da. Heute verfolge ich als Bürgermeister mit Stolz, wie dieses traditionsreiche Chamer Familienunternehmen sich über Generationen – stets den aktuellen Trend im Blick – weiterentwickelt hat. Das bleibt nicht unbemerkt und hat zur Folge, dass die Stadt Cham zu immer neuen Auszeichnungen gratulieren kann.“
Heute verfolge ich als Bürgermeister mit Stolz, wie dieses traditionsreiche Chamer Familienunternehmen sich über Generationen weiterentwickelt hat.Martin Stoiber, amtierender Bürgermeister
Bürgermeister Stoiber nutzt die Gelegenheit, um dem Unternehmen zu gratulieren: „125 Jahre Erfolgsgeschichte, verbunden mit einer langen Chronologie von Ehrungen, bekommt man nicht geschenkt – das muss man sich verdienen. Herzlichen Glückwunsch dem Unternehmen Frey!“