125 Jahre Frey: Wie ein Chamer Unternehmen bundesweit nahezu einmalig wurde

Von Tanja Fenzl · 28. Januar 2026 um 05:00

Aus einem Chamer Strickwarenladen wurde eines der größten inhabergeführten Handelsunternehmen in ganz Bayern: Frey wird heute 125 Jahre alt. Am 28. Januar 1901 ließ der damalige Inhaber Mathias Frey sein Geschäft, das seine Vorfahren bereits Anfang des 19. Jahrhundertes gegründet hatten, offiziell ins Handelsregister eintragen. Heute führt Unternehmensleiter Helmut Hagner für die Inhaber Caroline und Amran Frey das Mode- und Möbelhaus mit weit über 500 Mitarbeitern in eine herausfordernde Zukunft.

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Denn: Es sind schwere Zeiten, in denen sich das Unternehmen mit inzwischen vier Mode- und drei Möbelhäusern in der Oberpfalz und Oberfranken auf dem Markt positioniert. „Die Leute verlieren die Kauflust, und alle sind im Einzelhandel auf der Sinnsuche“, sagt Hagner, der seit über 40 Jahren im Unternehmen ist. Die Antwort von Frey auf die Probleme der Zeit ist laut Hagner klar: „Wir haben uns schon immer kontinuierlich weiterentwickelt und stets Mut bewiesen.“ So habe Frey bundesweit Seltenheitswert: „Ein 10 000 Quadratmeter-Modehaus in einer knapp 18 000-Einwohner-Stadt, das gibt es sonst nirgends.“

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Die Entwicklung des Unternehmens von einem Gemischtwarenladen, wo die Kunden alles für den täglichen Bedarf bekommen konnten, hin zu einem Mode- und Möbelunternehmen vor nicht einmal 15 Jahren sei wichtig gewesen, sagt Hagner. „Wir setzen auf das Thema Mode und Lifestyle, und bieten hier eine Top-Performance“, beschreibt Hagner das Unternehmensziel. Dazu gehöre auch das rundum erneuerte Gastro-Konzept für Cham.

Frey will sich in seiner Fachkompetenz beweisen

„Wir haben für uns entschieden, was wir gut können, und wollen das, was wir machen, richtig und perfekt machen“, betont der 63-jährige Hagner. Tierbedarf, Drogerien, der Bereich Elektro – alles Dinge, die in den letzten 20, 30 Jahren in andere Vertriebsformen wie Fachmärkte abgewandert sind. „Wir haben früh gesagt, lass uns aufpassen, und uns in unserer Fachkompetenz eine Spitzenposition erarbeiten.“

Wir setzen auf das Thema Mode und Lifestyle, und bieten hier eine Top-PerformanceHelmut Hagner, Unternehmensleiter

So wurden Sortimente ausgelagert, abgestoßen, umgestellt. „Wir haben durch unsere inhabergeführte Struktur den Vorteil, dass wir kurze Entscheidungswege haben und schnell reagieren können“, nennt Hagner einen Erfolgsfaktor von Frey über all die Jahrzehnte hinweg. „Wenn man sieht, wen und was es heute alles nicht mehr gibt, dann sind wir schon stolz darauf, dass es uns noch immer gibt.“

Weit über 500 Mitarbeiter stehen bei Frey in Lohn und Brot

Gleichzeitig sei gerade das auch eine große Verantwortung gegenüber der Region, aber auch gegenüber den Mitarbeitern. Weit über 500 Angestellte stehen bei Frey in Lohn und Brot. Genau diese helfen aber dem Unternehmen, sich auf einem schnelllebigen Markt im Schatten eines überbordenden Onlinehandels zu behaupten. Private-Shopping, Beratung, eine familiäre Atmosphäre sind die gar nicht so geheimen Waffen, mit denen sich das Unternehmen bei seinen Kunden einen guten Ruf erarbeitet hat.

Blickt positiv in die Zukunft: Frey-Unternehmensleiter Helmut Hagner l - Foto: Tanja Fenzl

„Die Leute kommen bis von München, Regensburg, Straubing zu uns“, verrät Hagner und plaudert aus dem Nähkästchen: „Eine Kundin aus Regensburg kam zu uns, die wurde zuvor ihr Geld nicht los, weil niemand sie beraten und sich um sie gekümmert hat. Da muss man sich schon fragen, was mit dem Handel los ist“, sagt Hagner. „Da gräbt man sich ja selber das Wasser ab.“

Auch in einer volatilen Welt mit Konsumverweigerung und Arbeitsplatzsorge sowie schlechter Konsumstimmung müsse man seine Umsätze erwirtschaften. Das passiert auch bei Frey mit Hilfe des Internets und Social Media, was Hagner vor allem und zunehmend für Werbezwecke nutzt.

Online gehört heute zum Handel dazu – aber moderat

Und weil er pragmatisch weiß: „Es gehört dazu, das Sortiment online zu präsentieren. Schon allein deshalb, damit die Kunden sich am Wochenende zuhause hinsetzen und stöbern können.“ Im besten Fall kommen sie dann anschließend ins Modehaus. „Will man beim Einkauf mit einer KI sprechen oder ein iPad in die Hand gedrückt bekommen, oder Menschen treffen?“ Daran entscheide sich unter anderem die Zukunft des Handels, meint Hagner, der dazu schon in Podcasts gesprochen und Interviews gegeben hat. Seine Erfahrung insgesamt: Die Kunden schätzen auch heute positives Feedback der Mitarbeiter, ein gutes Gespräch, persönliche Betreuung.

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„Natürlich gehört dazu ein gutes Markenportfolio“, sagt Hagner. Auch sein Führungsteam sei mit den Mitarbeitern eine Stütze des Unternehmens. Zukunftsprojekte, mit denen Frey zum Beispiel auch in kleinere Städte mit kleineren Satellitenhäusern expandiert, seien ebenfalls wichtig, um sich weiter auf dem Markt zu positionieren und die Marke Frey bekannter zu machen.

Politik und Wirtschaft unterstützen den Handel – und Frey – auf ihre Weise

„Wichtig ist, dass auch von Politik und Wirtschaft erkannt wird, dass der Handel der Frequenzmotor für die Innenstädte ist, dass man alles versucht, um Leerstände wieder zu besetzen“, sagt Hagner. Die Politik könne dazu einen Beitrag leisten. „Parkplätze schaffen, ein ordentliches und sauberes Erscheinungsbild erhalten, Events organisieren“, nennt Hagner Beispiele. „In Cham passt hier alles.“ Für die Stadt als Partner, die in jüngerer Zeit auch mit eigenen Ankäufen Leerstände zu füllen versucht, hat Hagner nur Lob.

Und auch, wenn die Zeiten generell als eher schwierig für den Handel eingeordnet werden, sagt Hagner: „Wann waren die Zeiten schon jemals einfach?“

Ein wichtiges Versprechen hat Hagner dabei für die Kunden in der Region: „Wir bleiben stationär.“