Neumarkter Gymnasiastin will mit Schulaufenthalt in Frankreich Zeichen setzen

Auxerre statt Amerika: Die 16-jährige Tessa Fügl aus Meilenhofen (Landkreis Neumarkt) entscheidet sich bewusst für einen Schüleraustausch innerhalb Europas. In Frankreich lebt sie bei einer Gastfamilie und besucht eine fremde Schule. Für sie ist das ein persönliches Zeichen für Zusammenhalt und Verantwortung. Warum sie darin eine Chance für ihre Generation sieht.
Als Tessa Fügl an diesem Freitagmorgen am Flughafen ihre Koffer aufs Band stellt und ihre Bordkarte hat, liegt ein Hauch von Aufbruch in der Luft. Fünf Monate Frankreich warten auf die 16-Jährige . Während Gleichaltrige nach Übersee streben, hat sich die Gymnasiastin aus Überzeugung für das europäische Nachbarland entschieden.
Für sie ist der Auslandsaufenthalt mehr als nur ein halbes Schuljahr in einer fremden Sprache. Fünf Monate wird sie in Auxerre leben – und damit möchte sie ein ganz persönliches Zeichen für ein gemeinsames Europa setzen.
Deutsch-französischen Aufsatzwettbewerb gewonnen
„Mir war wichtig, dass Europa nicht nur im Unterricht vorkommt, sondern im echten Leben“, sagt sie. Offene Grenzen, kurze Wege, kulturelle Nähe – all das seien Errungenschaften, des gemeinsamen Europas, die es immer wieder in den Fokus zu richten gelte. Vor drei Jahrzehnten sei es nicht so einfach gewesen, einfach mal für ein paar Monate eine Schule in einem anderen europäischen Land zu besuchen.
Frankreich ist für Tessa dabei kein Zufall. Die Sprache hat sie schon früh begeistert, ebenso die Kultur. Bereits bei einem Schüleraustausch mit der Neumarkter Partnerstadt Issoire und als Gewinnerin eines französisch-deutschen Aufsatzwettbewerbs konnte sie erleben, wie schnell aus Fremden Gastgeber werden. „Ich habe gemerkt, wie verbindend das ist“, erzählt sie. „Man merkt, dass vieles ähnlich ist – auch wenn es anders aussieht.“
Eintauchen in fremde Kultur als eine Chance
In Auxerre (Region Bourgogne Franche Comté) lebt Tessa bei einer Gastfamilie mit einer Tochter in ihrem Alter. Gemeinsam besuchen sie dieselbe Schule, teilen den Alltag, die Mahlzeiten, die kleinen Selbstverständlichkeiten des Lebens. Genau darin sieht Tessa den Kern des europäischen Gedankens: nicht in politischen Debatten, sondern in Begegnungen. „Europa entsteht, wenn man miteinander lebt, nicht nur nebeneinander.“
Dass sie sich auf unbekanntes Terrain begibt, ist ihr bewusst. Ein anderes Schulsystem, längere Unterrichtstage, höhere Anforderungen. Doch gerade diese Herausforderungen sieht sie als Chance. „Man wächst daran“, sagt sie. Und man lerne, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen – fernab der gewohnten Sicherheit in der eigenen Familie und im Freundeskreis.
Was Europa im Alltag ermöglicht
In ihrem eigenen Umfeld erlebt Tessa den europäischen Gedanken eher leise. Austauschjahre führen ihre Mitschüler meist über den Atlantik, Europa gilt als selbstverständlich.
„Vielleicht gerade deshalb wird es unterschätzt“, meint sie. Offene Grenzen, gemeinsame Strukturen, unkomplizierte Mobilität – all das sei keineswegs garantiert. „Dass ich diese Möglichkeit habe, zeigt doch, wie viel Europa im Alltag ermöglicht.“
Junge Generation als Motor für Europa
Politik spielt dabei für Tessa eine größere Rolle, als viele Gleichaltrige es wahrnehmen. Sie ärgert sich, wenn Desinteresse überwiegt. „Es betrifft uns ja trotzdem.“
Gerade die junge Generation könne viel dazu beitragen, Europa mit Leben zu füllen – durch Austausch, Neugier und Dialog. Schülerprogramme seien dafür ein ideales Instrument.
Große Erwartungen an ihren Aufenthalt stellt Tessa bewusst nicht. Sie möchte sich überraschen lassen, will beobachten, zuhören, verstehen. Wie denken Jugendliche in Frankreich über Europa? Ist die Gemeinschaft dort ebenso präsent – oder gerät sie auch in den Hintergrund?
Wenn Tessa in einigen Monaten zurückkehrt, hofft sie, nicht nur fließender Französisch sprechen. Sie hofft, dass sie auch anderen nahebringen kann, was Europa sein kann: ein Raum der Begegnung, der Möglichkeiten – und der Verantwortung. Ein Gedanke, den sie nicht nur teilen, sondern leben möchte.