Wenn Bürger anpacken: Initiative kämpft seit fünf Jahren gegen Müll in Sengenthal

Von Thilo Eggerbauer · 1. Februar 2026 um 11:00

„Schon wieder eine Schnapsflasche!“, ruft die 14-jährige Alischia, während sie mit ihrem Müllgreifer auf ein Gebüsch zeigt. Nur wenige Meter entfernt entdeckt der 15-jährige Keano eine Plastikplane. Schon seit Jahren sammeln die beiden regelmäßig Müll in Sengenthal. Freiwillige wie sie leisten Arbeit, die die Gemeinde nicht stemmen kann.

Sie alle gehören zur Initiative „Sengenthal soll sauber werden und bleiben“, die vor fünf Jahren von Mechthild März gegründet wurde. Die 70-Jährige ärgerte sich schon lange über die Verschmutzung in ihrer Heimatgemeinde. Im Ruhestand beschloss sie, aktiv zu werden: „Wenn wir die Umgebung vor unserer Haustüre nicht sauber halten, wer soll das sonst machen?“, fragt sie.

Über den Arbeitskreis Umwelt und Natur, in dem sie jahrelang passives Mitglied war, startete März einen Aufruf und sie sprach Kinder in ihrem Bekanntenkreis an. Das Echo war groß: Heute engagieren sich 33 Kinder und 16 Erwachsene regelmäßig für die Initiative. März koordiniert die Sammelaktionen für Sengenthal, wobei einzelne Gruppen feste Strecken übernommen haben. In den Ortsteilen sind andere für die Organisation verantwortlich.

Sengenthaler Müllhotspot zwischen Böglweiher und Netto

Regelmäßig engagiert sich etwa Familie Pfändner: Gemeinsam mit Alischia, Keano und März sammelt sie entlang der B299 zwischen Netto und Böglweiher Müll. „An dieser Strecke ist es besonders schlimm“, berichtet März. Auf der Tour finden die Jugendlichen über 20 Schnapsflaschen. Auf dem Parkplatz beim Böglweiher stößt die Gruppe sogar auf eine alte Matratze, die sie zusammen mit mehreren Müllsäcken entsorgt. Vieles davon wäre ohne die Freiwilligen lange – wenn nicht dauerhaft – liegengeblieben.

Familie Pfändner sammelt regelmäßig entlang der B299 in Sengenthal zwischen Netto und Böglweiher Müll. - Foto: Thilo Eggerbauer

Denn gezielte Kontrollen von offizieller Seite gibt es nicht, wie Reinhard Lang, Leiter des Sengenthaler Bauhofs, erklärt – dafür fehlten im Alltag oft Zeit und Personal: „Wir machen Kontrollfahrten wegen Straßenschäden oder Schildern. Wenn uns Müll auffällt, nehmen wir ihn mit.“ Meldungen von Bürgern oder der Polizei werden ebenfalls abgearbeitet. Die Matratze und die Müllsäcke von März Gruppe landeten ebenfalls auf diesem Weg beim Bauhof. „Man muss den Freiwilligen wirklich dankbar sein“, sagt Lang. Seit es die Initiative gibt, sei deutlich weniger Müll sichtbar.

Auch die kleine Anna von der Familie Pfändner packt in Sengenthal mit an. - Foto: Thilo Eggerbauer

Auch Bürgermeister Werner Brandenburger lobt das Engagement: „Die Aktionen des Arbeitskreises Umwelt zeigen eindrucksvoll, wie viel durch gemeinsames Anpacken erreicht werden kann.“ März selbst bringt es so auf den Punkt: „In einem Tagblatt-Artikel las ich, dass die Stadt Neumarkt 775 000 Euro ausgibt, um alles einigermaßen sauber zu halten. Natürlich kann man Neumarkt nicht mit Sengenthal vergleichen. Aber bei uns in der Gemeinde machen wir Freiwilligen das selbst.“ Damit übernehmen die Freiwilligen Aufgaben, die andernorts mit großem finanziellen Aufwand gestemmt werden..

Keano und Mechthild finden der B299 in Sengenthalzahlreiche Schnapsflaschen. - Foto: Thilo Eggerbauer

Trotz der regelmäßigen Säuberungen gebe es immer noch ein paar „Saubären“, sagt März mit einem Augenzwinkern. Auch wenn viele Menschen ihren Müll sachgerecht entsorgen, seien zwei Stellen besonders verschmutzt: der Böglweiher-Parkplatz sowie die heutige Strecke: „Beim ersten Gang haben wir hier 75 Schnapsflaschen gefunden.“

Früher war der Böglweiher selbst wegen den Abipartys der umliegenden Schulen ein ständiges Reizthema. März suchte das Gespräch mit den Schulen: „Am Tag nach der Party der FOS/BOS sammeln die Elftklässler nun den Müll der Abschlussklassen auf. Mit den anderen Schulen wurden ähnliche Lösungen gefunden.“

Kinder lernen Nachhaltigkeit

Auch bei den regelmäßigen Sammelaktionen legt März Wert auf das Engagement von Kindern. So will sie deren Umweltbewusstsein zu fördern. Als kleines Dankeschön gibt es zum Jahresende kleine Geschenke – zuletzt Kinogutscheine, gesponsert von der Gemeinde und dem Arbeitskreis.

Ein weiterer Schritt war die Plakataktion 2023: In Zusammenarbeit mit einer Ethikgruppe der Schule Sengenthal wurden 40 Schilder zu Themen wie Müll in der Natur und Hundekot-Entsorgung aufgestellt. Nun hat März das Staatliche Straßenbauamt Regensburg angesprochen, um entlang der B299 zwischen Böglweiher und Norma zusätzliche Schilder aufzustellen.

Appell für mehr Umweltschutz

Ihr klarer Appell: „Nehmt euren Müll mit nach Hause und belastet damit nicht unsere Umwelt! Wir wollen uns an der Natur erfreuen und sie sauber genießen. Spaziergänger können einen Einweghandschuh und eine Plastiktüte mitnehmen und störenden Müll gleich mitnehmen.“