Drei Feuerwehrler für Sengenthal: Das ist den Bürgermeister-Kandidaten wichtig

Von Katrin Böhm · 29. Januar 2026 um 11:00

In Sengenthal wollen bei der Kommunalwahl am 8. März drei Männer Bürgermeister werden – alle eint, dass sie in wichtigen Positionen bei der Feuerwehr engagiert sind und dort auch zusammenarbeiten. Im Interview äußern sich Thomas Klein, Bastian Wittmann und Stephan Kratzer zu den großen Themen im Ort.

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Wie kann Sengenthal der Nachfrage nach einem Platz zum Wohnen gerecht werden?

Thomas Klein: Grundsätzlich ist ihm wichtig, dass gerade junge Familien in der Gemeinde leben können – auch, um Einrichtungen wie Kindergärten und Schule dauerhaft zu erhalten. Hier will Klein aber vor allem das Thema Nachverdichtung stärken, um den Flächenverbrauch zu reduzieren, Baulücken zu schließen und dafür zu sorgen, dass der Ortskern nicht ausstirbt. Als Beispiel dafür nennt Klein den Bebauungsplan Winnberger Straße. Auch die Kooperation mit Bauträgern, die Mehrfamilienhäuser mit kleineren Wohnungen bauen wie in der Sportheimstraße, ist für Klein ein guter Weg. Grundsätzlich gilt für ihn beim Thema neue Wohngebiete schaffen: „Wachstum ja, aber mit Augenmaß“. Vorhandene Bauflächen sollten effizient genutzt werden. Schließlich wolle man auch die Natur ringsherum erhalten. Freie Flächen gebe es theoretisch noch, zum Beispiel in Reichertshofen.

Bastian Wittmann: Bauen sei grundsätzlich mittlerweile so teuer, dass viele sich das nicht mehr leisten könnten, sagt Wittmann. Primär gehe es darum, Baulücken zu schließen, neue Flächen sollten „maßvoll und sinnvoll“ ausgewiesen werden. Dabei sollten Gespräche mit Anwohnern und Betroffenen geführt werden, damit es nicht zu Problemen komme. „Bürger dürfen nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden.“ Wichtig sei, jungen Gemeindebürgern zu ermöglichen, in Sengenthal bleiben zu können. Wohnblocks seien zwar nicht das Maß der Dinge, jedoch seien Wohnungen wichtig. Abweichungen von Bebauungsplänen etwa bei der Umwidmung landwirtschaftlicher Gebäude in Wohnraum oder Aufstockungen von Bestandsgebäuden sollten „relativ schnell und unkompliziert“ erlaubt werden. Auch Förderprogramme, etwa für innovative Energien, hält Wittmann für positiv.

Stephan Kratzer will für die CSU den Bürgermeister-Sessel in Sengenthal holen. - Foto: Fotostudio Hailer

Stephan Kratzer: Das Thema Bauen will Kratzer unterstützen – auch wenn die Nachfrage nicht mehr so hoch sei. Vereinzelt kämen aber weiter überwiegend junge Sengenthaler auf ihn mit dem Wunsch nach einem Bauplatz zu. Reichertshofen sei bereits beplant, ansonsten müsse die Gemeinde mit Grundstücksbesitzern, zumeist Landwirten, sprechen. Wichtig ist Kratzer, bei Gestaltungswünschen flexibel zu agieren und künftig nicht mehr so große Baugebiete auszuweisen, sondern kleinere Flächen, die möglicherweise gemeinschaftlich erschlossen werden könnten. Die Grundstücksgrößen an und für sich sollen aber nicht zu klein werden und mindestens 550 bis 600 Quadratmeter betragen. Erfreulich sei, dass es wenig leer stehende Häuser gebe, da diese schnell weiterverkauft oder vermietet würden. Prinzipiell sei es wichtig, junge Familien in der Gemeinde zu halten, um die Schule und die Kitas zu erhalten

Die Mensa ist mit 15 Millionen Euro Kosten das größte Bauprojekt der neueren Geschichte Sengenthals – aber auch eines der umstrittensten. Wird Sengenthal dadurch profitieren?

Thomas Klein: Eindeutig ja. Er sei von Anfang an für das Projekt und in dem entsprechenden Gremium eingebunden gewesen. „Lieber einmal 15 Millionen ausgeben und dann etwas Gescheites für die nächsten 40 Jahre haben als immer wieder irgendwo irgendwas machen“, sagt Klein. Die Mensa sei wegen des gesetzlichen Anspruchs auf Ganztagsbetreuung nötig, zugleich könne hier an einem zentralen Ort frisch für Schüler, Kindergarten- und Krippenkinder gekocht werden. Als „Zuckerl“ für die Gemeinde bezeichnet Klein die Tatsache, dass die Mensa nebenher auch als Treffpunkt und Veranstaltungsort dienen könne. Damit werde künftig auch die Turnhalle nicht mehr durch Veranstaltungen belegt. Befürchtungen der Anwohner verstehe er, aber „die Gemeinde hat ja in der Hand, welche Veranstaltung man genehmigt“.

Bastian Wittmann tritt für die Freien Wähler in Sengenthal an. - Foto: Katrin Böhm

Bastian Wittmann: Dass die Mensa aufgrund der gesetzlichen Vorgaben zur Ganztagsbetreuung nötig ist, steht für Wittmann außer Frage. Fakt sei auch, dass mit der Mensa ein Raum geschaffen werde, in dem etwa wie beim Hochwasser 2024 oder einem Stromausfall Menschen schnell und unkompliziert unterkommen können. Auch für Vereine und Organisationen oder als Treffpunkt für Jung und Alt biete die Mensa eine Aufwertung, „aber nicht in dem Maß, wie es uns glauben gemacht wird“. Die Frage sei, ob die Mensa in dieser Dimensionierung nötig sei. Dabei geht es Wittmann weniger um die einmalige Millionen-Investition. „Das läuft schon.“ Jedoch folgten die Unterhaltskosten, „und die fallen uns schon irgendwann auf die Füße“. Abgesehen davon sei den Menschen suggeriert worden, dass künftig kulturelle Veranstaltungen hier stattfinden würden, so Wittmann. „Aber Kulturhauptstadt des Landkreises wird Sengenthal deswegen nicht werden.“

Stephan Kratzer: Mit der Mensa ist Kratzer nicht so richtig glücklich. Gegen den Bau sei er nicht gewesen, aber der Standort „ist für mich nicht der passende.“ Er sehe die Dorfmitte eher oben um die Schule und den Kindergarten herum, nicht unterhalb dieses Bereichs. Auch „das Konzept erschließt sich mir im Moment noch nicht“, sagt er. Nichtsdestotrotz sei der Bau begonnen und nun „muss man alle Kraft darauf setzen, das mit Leben zu füllen“. Das Schlimmste wäre, mit dem Gebäude nichts weiter anzufangen außer der Ganztagsbetreuung und der Mensa. Möglichkeiten gebe es einige – Räume könnten von Senioren, den Basteldamen oder den Kommunionkindern genutzt werden. Auch Theater und Musik sind für ihn vorstellbar. Alles müsse aber in Einklang mit den Nachbarn stattfinden. Kratzer bedauert es, dass für den Mensabau Grünflächen geopfert wurden. Er selbst habe den Sport- und Bolzplatz gerne genutzt. „Das ist schade, dass es diese Fläche nicht mehr gibt.“

Ärger mit Mühlhausen: Der bisherige Bürgermeister von Sengenthal hat sich stets gegen ein neues Nahversorgungszentrum in Mühlhausen ausgesprochen. Wie positionieren Sie sich dazu?

Thomas Klein: „Wir müssen unsere Nahversorgung im Blick haben, die muss unbedingt erhalten bleiben.“ Die Entscheidung falle in die Zuständigkeit der Genehmigungsbehörden und er vertraue darauf, dass nach gültigen Vorschriften entschieden werde. Allerdings kämen seiner Aussage nach 15 Prozent Kaufkraftumlenkung auf Sengenthal zu und schon ab zehn Prozent gelte diese als existenzgefährdend. Eine Überversorgung einer einzelnen Gemeinde fände er bedauerlich, für ein Nahversorgungszentrum in Mühlhausen sehe er persönlich die Notwendigkeit nicht, so Klein.

Thomas Klein will als Vertreter der FWG/UWG Bürgermeister in Sengenthal werden. - Foto: Florian Stiegler

Bastian Wittmann: Das Nahversorgungszentrum in Sengenthal hält Wittmann für eine große Bereicherung – allerdings kann er sich nicht vorstellen, dass ein Vollsortimenter in Mühlhausen diesem schadet. Wer in Sengenthal zum Tanken oder zum Getränkemarkt fahre, der kaufe dort auch gleich ein. Und wer künftig womöglich nach Mühlhausen fahre, der sei vermutlich vorher schon nach Neumarkt zum Einkaufen gefahren. „Ich sehe keinen Nachteil für uns und bin da eher gelassen.“

Stephan Kratzer: Den öffentlichen Streit findet Kratzer „nicht richtig“. Sengenthal habe ein tolles Nahversorgungsgebiet und er wolle alles dafür tun, dieses zu erhalten. Dennoch müsse man sich an einen Tisch setzen und dabei aus Sicht der Gemeinde Sengenthal „unser Ding unterstützen“. Das Nahversorgungsgebiet in Sengenthal habe Priorität und man müsse auch bei einem möglichen künftigen Ausbau der B 299 darauf achten, dass dieses unkompliziert angefahren werden könne.

Welches Thema liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen?

Thomas Klein: Als Feuerwehr-Vorsitzendem liegt ihm der Hochwasserschutz besonders am Herzen, sagt Klein. Keller unter Wasser überall in der Gemeinde wie im Juni 2024: „So etwas darf nicht mehr passieren.“ Ein Sturzflutenkonzept sei bereits in Auftrag gegeben, in der Dorfstraße erste Maßnahmen ergriffen worden. Alle Projekte müssten im Dialog mit den Bürgern umgesetzt werden – etwa, wenn es um Flächen für möglicherweise nötige Regenrückhaltebecken gehe.

Bastian Wittmann: Am wichtigsten ist ihm, Politik „ehrlich und transparent“ zu gestalten. Mit den Werten, die er bzw. die Freien Wähler vertreten, sei er in Gesprächen mit Bürgern „offene Türen eingerannt“. Er möchte den Menschen mehr zuhören und auch bei kleinen Anliegen schnell weiterhelfen – nicht außer Acht lassen dürfe man dabei die Senioren, die sonst „nur zur Wahl beachtet“ würden. Gerade diese Gruppe müsse man bei Entscheidungen aber mehr ins Boot holen.

Stephan Kratzer: Nach dem Hochwasser im Juni 2024 liegt Kratzer das Sturzflutenkonzept am Herzen. Dieses will er „mit Nachdruck voranbringen und umsetzen“. Man könne nicht jeden einzelnen Keller schützen, dennoch sei Hochwasser eines der großen Themen, „das man anpacken muss“. Weil er selbst ehrenamtlich aktiv ist, ist es ihm außerdem wichtig, dass die Kommune die Arbeit der Ehrenamtlichen unkompliziert unterstützt. „Mit kleinen Mitteln kann man bei Vereinen Großes erreichen.“

Die drei Kandidaten

• Thomas Klein (FWG/UWG): Der 49-jährige Vater einer erwachsenen Tochter engagiert sich als Vorsitzender und Jugendwart bei der Feuerwehr und weiß neben seiner Tochter („meine Wahlkampfmanagerin“) auch seine Frau hinter sich. Als staatlich geprüfter Bautechniker arbeitet Klein seit 13 Jahren im Landratsamt Neumarkt, in seiner Freizeit ist er gern im Garten aktiv. Dem Gemeinderat gehört er seit 2020 an.

• Bastian Wittmann (Freie Wähler): Der 49-jährige Vater von drei Kindern im Alter von fünf, sieben und elf Jahren arbeitet in der Agentur für Arbeit in Neumarkt, wo er Arbeitgeber betreut. In Sengenthal ist Wittmann als Feuerwehrkommandant aktiv, außerdem ist er Jugendtrainer in der Fußballjugend. Nebenbei ist er als DJ unterwegs. In den Gemeinderat will der kommunalpolitische Neuling frischen Wind bringen und für Vielfalt sorgen.

• Stephan Kratzer (CSU): Der 46-jährige Vater zweier Jungs im Alter von zehn und zwölf Jahren arbeitet als Produktionsleiter bei der Firma Bögl. Er hat die meiste kommunalpolitische Erfahrung – seit 24 Jahren ist er Mitglied im Gemeinderat, von 2008 bis 2020 war er stellvertretender Bürgermeister. Sein Herz gehört neben der Familie der Feuerwehr: Er ist zweiter Kommandant in Sengenthal, seit 2014 Kreisbrandmeister und seit 2020 Kreisjugendwart.