Ruhe vor dem Katzensturm: Warum dem Tierheim Neumarkt bald wieder Hochbetrieb droht

Von Nico Hilscher · 1. Februar 2026 um 19:00

Vor knapp zwei Jahren meldete das Neumarkter Tierheim Überlastung. Beim Empfang am Mittwoch zeigt sich Leiterin Dr. Astrid Winkler nun überraschend gelöst. „Momentan haben wir einen historisch niedrigen Bestand“, sagt sie – wohlwissend, dass diese Ruhe trügerisch ist und das Team bald wieder an seine Grenzen kommen könnte.

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Aktuell befinden sich nur wenige Tiere im Tierheim, fast ausschließlich Katzen und Hunde. Eine Ausnahme bilden die beiden Rassekaninchen Maxl und Lola. Ursprünglich wurden sie im Viererpack abgegeben, da ihr Besitzer sich nicht mehr um sie kümmern konnte. Zwei Tiere fanden rasch ein neues Zuhause, Maxl und Lola warten noch. Sie sind größer als ihre Artgenossen, zudem versteht sich Lola nicht mit anderen Weibchen. Winkler bleibt dennoch optimistisch: „Im Frühjahr finden wir sicher auch für sie die passende Unterbringung.“

Zur Entwarnung sieht die Tierheimleiterin jedoch keinen Anlass. Aus Erfahrung weiß sie, wie schnell sich die Situation ändern kann. „Spätestens im Mai ist die Verschnaufpause vorbei“, sagt Winkler. Jahr für Jahr beginnt dann die arbeitsintensivste Zeit – ausgelöst vor allem durch eine stark steigende Zahl an Katzen.

Frühjahr ist die arbeitsintensivste Zeit im Tierheim in Neumarkt

Die sogenannte Katzenschwemme setzt teils schon im März ein und hält bis in den Herbst an. „Es gibt nicht mehr die klassische Ranzzeit wie früher“, erklärt Winkler. Damit ist die intensive Paarungszeit der Katzen gemeint, die sich inzwischen über mehrere Monate erstreckt. Bereits jetzt höre man von mutterlosen Kätzchen, die per Hand aufgezogen werden müssen – zuletzt etwa aus Deggendorf.

Oft werden die Jungtiere von Spaziergängern gefunden. Nicht immer sei jedoch klar, ob es sich tatsächlich um Fundtiere handle. „Wichtig ist letztlich nur, dass es den Tieren gut geht“, betont Winkler. Dass Kätzchen ihre Mutter verlieren, hat viele Gründe: Junge Katzenmütter sind mitunter überfordert, Muttertiere verunglücken etwa im Straßenverkehr oder Unterschlüpfe werden zerstört.

Rassekaninchen Maxl und seine Partnerin Lola suchen ein neues Zuhause. - Foto: Nico Hilscher

Rund 30 Katzen konnten im vergangenen Halbjahr vermittelt werden. Konkrete Gründe dafür könne sie nicht nennen, sagt Winkler. Es habe schlicht viele passende Anfragen gegeben, von denen nur wenige hätten abgelehnt werden müssen. Zudem steige die Vermittlungsrate im Herbst leicht an, da sich Katzen in der kalten Jahreszeit schneller an eine neue Wohnung gewöhnen – nicht zuletzt, weil sie seltener nach draußen drängen und mehr Zeit im Inneren verbringen. „Einen speziellen Schlussverkauf gab es aber nicht“, sagt die Leiterin schmunzelnd. Es könne ebenso gut Zufall sein – und im kommenden Jahr wieder ganz anders aussehen.

Einen Mythos räumt Winkler aus: Dass gerade zur Weihnachtszeit vermehrt Tiere ausgesetzt würden, sei kaum noch ein Thema. „Zum Glück ist den meisten Menschen bewusst, dass ein Tier kein Geschenk ist.“ Schmunzelnd erinnert sie sich dennoch an einen Ausnahmefall: Ein junger Mann habe an Heiligabend noch kurzfristig ein Geschenk für seine Freundin gesucht – vor dem Tierheim.

Unsere Tiere sollen ihre endgültigen Plätze finden – keine Wanderpokale werden.Dr. Astrid Winkler, Leiterin des Tierheims Neumarkt

Unabhängig von der Jahreszeit sei eine schnelle Vermittlung entscheidend. „Ein Tierheim ist immer eine stressige Umgebung und kein Ersatz für ein Zuhause“, betont Winkler. Sie wehrt sich gegen die Behauptung, Tierheime wollten ihre Tiere nicht vermitteln. Dennoch prüfe man Interessenten sorgfältig. „Wenn jemand an einer Bundesstraße wohnt, können wir keine Freigängerkatze abgeben.“ Auch mangelnde Vorbereitung sei ein Problem. „Unsere Tiere sollen ihre endgültigen Plätze finden – keine Wanderpokale werden.“

In den Katzenräumen kommen verschiedene Katzen-Typen zusammen. - Foto: Nico Hilscher

Für manche Tiere bleibt dennoch das Tierheim in Neumarkt der letzte Lebensort. So etwa für den Hund Ben, der blind, fast taub und bereits sehr alt ist. Oder für Kater Batman, der alle zwei Wochen eine Cortisonspritze benötigt. Bei diesen Tieren hofft Winkler zwar weiterhin auf eine Vermittlung, ist sich aber bewusst, dass sie das Tierheim vermutlich nicht mehr verlassen werden.

Manche Unterstützer kommen mit vollem Kofferraum zum Tierheim

Umso wichtiger sei eine gute Versorgung. Dankbar zeigt sich die Leiterin für ehrenamtliche Hilfe und Spenden. Benötigt werde nicht nur Futter, sondern auch Alltagsbedarf wie Waschmittel oder Reinigungsmittel. „Viele vergessen, wie vielfältig der Bedarf in einem Tierheim ist“, erklärt die Leiterin. Geldspenden seien jedoch am flexibelsten – etwa für spezielles Futter kranker Tiere. „Manche Unterstützer kommen einmal im Monat mit einem vollen Kofferraum vorbei.“

Eine tragende Rolle spielen Ehrenamtliche: Katzenstreichler, Gassigeher, helfende Hände. Die 27-jährige Florentine besucht fast täglich die Katzen. Der Kontakt helfe nicht nur ihr beim Abschalten, sondern auch den Tieren. Manche verlören ihre Scheu – so wie Katze Gina, die schließlich vermittelt werden konnte.

Gassigeherin Karin Kuboth und Hund Hannes verstehen sich gut. - Foto:

Seit neun Jahren engagiert sich auch Karin Kuboth für die Hunde. Nach mehreren Operationen habe sie zunächst wenig Kondition gehabt. Zu dem Zeitpunkt habe sie kaum Erfahrung mit Hunden gehabt – ihre letzte intensive Begegnung mit ihnen liege noch in der Kindheit.

Fast täglich war Kuboth im Tierheim und kam schließlich auch mit anspruchsvolleren Hunden zurecht. Der Tod ihres Stammhundes kurz vor Weihnachten traf sie besonders – der Verlust brauche Zeit, um verarbeitet zu werden.

Das Leben im Tierheim bewege sich zwischen Sonnen- und Schattenseiten, sagt Winkler. Auch sie frage sich manchmal, wie sie sich immer wieder neu motivieren könne. „Aber die Liebe der Tiere gibt Kraft.“