Öko-Weihnachtsbäume aus Velburg: Bogenhof setzt auf Bio, Schafe und neue Technik

Seit einigen Jahren ist der Bogenhof der Familie Mutz in Velburg (Landkreis Neumarkt) nun schon eine beliebte Anlaufstelle für für Christbaum-Käufer. Doch seit die 31-jährige Laura Mutz immer stärker in die Leitung hineinwächst, kommt viel Bewegung in den Betrieb. Künftig sollen nur noch Bio-Tannen wachsen – unter strengen Auflagen.
„Ich bin mit der Landwirtschaft aufgewachsen, aber mein Studium hat mich noch einmal bestärkt“, erklärt Mutz. Sie hat Landwirtschaft an der Universität gelernt und mit einem Master in Agrarmanagement abgeschlossen. Sie bilde sich weiterhin intensiv zum Thema Christbäume fort. Vor kurzem habe sie auf einem Kurs in Dänemark, dem Ursprungsland des Christbaumanbaus, einiges Neues über die Sortenwahl und Düngung gelernt, erzählt sie.
Gemeinsam mit ihrem Partner soll sie in Zukunft die Geschäftsführung übernehmen. „Er kommt zwar nicht aus der Landwirtschaft, aber packt einfach gut mit an“, sagt Mutz. Aktuell seien die Eltern Paul und Andrea Mutz aber eine wichtige Stütze. Auch ihre zwei Schwestern würden mit ihren Partnern im Hochbetrieb im Winter mit anpacken. „Hauptberuflich arbeiten sie aber woanders“, erklärt Mutz.
Der Hof ist aktuell ein Bio-Umstellungsbetrieb. Das bedeutet, dass die Bäume zwar nach den Regeln des ökologischen Landbaus wachsen, doch die Zertifizierung erfolgt erst im nächsten Winter. „Wir werden von Naturland geprüft, da sind die Vorgaben strenger als bei den reinen EU-Richtlinien“, erklärt die 31-Jährige. Um mögliche Altbelastungen auszuschließen, dauert die Umstellung drei Jahre.
Spezielle Rasse von Schafen hilft Unkraut zu bekämpfen
„Wir haben schon auf dem Bogenhof von Anfang an nicht gespritzt“, sagt Mutz . Dennoch müsse man laut Richtlinien diese Frist einhalten, bevor man ein offizielles Bio-Siegel erhält. Um das Zertifikat zu behalten, müsse man kontinuierlich Maßnahmen umsetzen. So sind Mineraldünger und chemischer Pflanzenschutz tabu. Stattdessen setzt Familie Mutz auf organische Düngung und auf Shropshire-Schafe. Bei diesen Tieren handelt es sich um eine spezielle Rasse, die das Gras kurzhalten, ohne die Tannen, Fichten und Kiefern anzuknabbern. Aktuell habe die Familie drei Schafe, doch die Herde soll auf mindestens 15 Tiere wachsen.
„Zudem nutzen wir eine Top-Stopp-Zange“, erzählt die Landwirtin. Mit diesem Präzisionswerkzeug könne man das Wachstum der Spitze mechanisch kontrollieren. Diese darf nämlich bei einem Weihnachtsbaum nicht zu lang werden. „Durch die Zange können wir die Spitze einritzen“, erklärt Mutz. Dadurch wachse der Baum an dieser Stelle langsamer, weil der Wachstum fördernde Saftfluss unterbrochen wird. Andere Christbaumbauern würden das Wachstum der Spitze durch chemische Wachstumsregler kontrollieren. Diese werden sorgsam auf jeder einzelnen Spitze verteilt, beispielsweise mit Hilfe von Rollen.
„Ein Christbaum braucht ungefähr zehn Jahre Zeit zum Wachsen bis er ins Wohnzimmer gestellt werden kann“, sagt Mutz. Wenn die Bäume auf dem Bogenhof ankämen seien sie drei Jahre alt. „Wir beziehen die jungen Tannen von einer Baumschule“, erklärt Mutz. Sobald sie ungefähr auf Hüfthöhe gewachsen sind beginne der Formschnitt. Vorher sollen die Bäume erst einmal gut auswurzeln.
Laura Mutz selbst sei schon immer vom Ökolandbau angetan gewesen. Deshalb war es für sie eine Herzensangelegenheit den Schritt zum Biobetrieb zu gehen. „Durch die Maßnahmen gehen wir einen wichtigen Weg um die Artenvielfalt zu schützen“, erzählt Mutz. Zudem würde es den Böden besser gehen. Das wirke sich beispielsweise auf die Wasseraufnahme aus.
Kunden kaufen gezielt ungespritzte Bäume
„Auch viele Kunden schätzen das Konzept des Bogenhofs“, sagt die Landwirtin. Viele von ihnen möchten bewusst nachhaltig einkaufen und greifen aus Angst vor Allergien gezielt zu ungespritzten Bäumen.
Selbst beim Verkauf achte man schlussendlich auf Nachhaltigkeit. „Wir benutzen eine Technik, die es erst seit ein paar Jahren gibt und die immer beliebter wird“, erzählt Mutz. Statt einem Plastiknetz würde der Baum mit einer Sisalschnur, einer Naturfaser aus den Blättern einer Agave umwickelt. Dadurch spare man Plastik und habe stattdessen eine wiederverwendbare Schnur, die man beispielsweise im Garten benutzen könne.
Gut zu wissen: Das ist der Bogenhof
• Öffnungszeiten: Der Baumverkauf erfolgt ausschließlich im Bogenhof bei Velburg und findet in der Adventszeit von Donnerstag bis Sonntag statt. Donnerstag und Freitag ist von 13 bis 17 Uhr geöffnet und Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr.
• Das Gelände: Es handelt sich um einen Vollerwerbbetrieb mit 5,5 Hektar Nordmanntannen. Darüber hinaus züchtet die Familie Mutz auch Blaufichten, Kiefern und Coloradotannen. Letztere sind laut Mutz besonders durch ihren Geruch und das kuschelige Aussehen beliebt. Nach Mutz ist die Blaufichte für die Zukunft ein wichtiger Weihnachtsbaum. Durch den Klimawandel gebe es immer mehr Spätfrost. Auf diesen reagiere die Nordmanntanne anfälliger. Die Blaufichte ist Spätfrost sicherer, hätte aber Nadeln, die mehr piksen.
• Baumpflege: Laut Mutz kann man bei der Baumpflege nach dem Kauf gar nicht so viel falsch machen. Wichtig sei es vor allem den Baum kühl und schattig zu lagern, bis man ihn aufstellt. In der Wohnung müsse man vor allem auf ausreichend Wasser achten.