Zu viel Milch produziert: Landwirte im Landkreis Schwandorf beklagen Preisverfall

Die Nachfrage nach Milchprodukten ist relativ konstant, die Milch- und Fleischpreise sind hoch, die Milchkuhhalter blickten deshalb auf ein gutes Jahr zurück. Der Vorsitzende der Kreisrinderzuchtgenossenschaft (KRZG), Matthias Irlbacher, zeigte sich bei der Jahresversammlung im Tierzuchtzentrum in Schwandorf durchwegs zufrieden über die aktuelle Situation der Genossenschaftsmitglieder.
2025 habe gezeigt, dass die Märkte für Agrarprodukte hervorragend funktionieren, allerdings habe man ein Mengenproblem. Durch die zu hohe Milchproduktion um fünf bis sieben Prozent gebe es einen Preisverfall von deutlich mehr als zehn Cent pro Liter Milch. Deshalb brauche es Marktmechanismen für die Landwirte, um gegensteuern zu können. Die Rahmenbedingungen dazu müsse die Politik schaffen.
Irlbacher kritisierte, dass in Deutschland und speziell im Freistaat Bayern Agrarminister diese Entwicklung blockieren würden mit der Begründung, dass eine Rückkehr in die Planwirtschaft erfolgen könne. Die Aussage der Politiker, dass Eingriffe jetzt nicht angebracht seien, da die Talsohle in der Milchproduktion bald erreicht sei, beruhe auf dem Prinzip Hoffnung und nehme weitere Wertschöpfungsverluste in Kauf, sagte Irlbacher.
Niedriger Milchpreis würde Millionenverluste für Bauern bedeuten
Ein zehn Cent niedriger Milchpreis bedeute 50.000 Euro weniger Einnahmen pro Betrieb und rund 15 Millionen Euro im Landkreis Schwandorf. Der KRZG-Vorsitzende rügte auch die Düngemittelverordnung: Auch hier gebe die deutsche Politik kein gutes Bild ab. Matthias Irlbacher informierte zudem über einen weiteren Anstieg an Kühen, die über mehrere Jahre konstant hohe Milchleistung erbringen, sogenannten 100.000-Liter-Kühen, und gut laufenden Märkten im Landkreis.
Zuchtleiter Lukas Irlbacher berichtete von derzeit 548 Betrieben mit rund 22.580 Kühlen im Landkreis Schwandorf. Im Berichtszeitraum seien bei Auktionen 187 Kühe gehandelt worden, ab Stall weitere 122 Tiere. Bei den Verkaufszahlen von Kälbern liege man in Schwandorf mit 3205 im Mittelfeld, von den 100.000-Liter-Kühen in der Oberpfalz kommen 22 aus dem Landkreis. Mit jeweils vier Betrieben sei der Landkreis bei der durchschnittlichen Lebenstagleistung und der Spitzen-Biobetriebe vertreten.
Der 2017 erstmals ermittelte „Kuhprofi“ habe die Merkmale Milchleistung, Abgangsrate, Zellzahl, Lebensleistung und Lebenstagleistung. Den Gesamtumsatz des Rinderzuchtverbandes Oberpfalz bezifferte Irlbacher jun. auf rund 21,7 Millionen Euro. Stellvertretender Landrat Jakob Scharf würdigte die Arbeit der KRZG, denn nur durch loyalen Einsatz der Mitarbeiter und dank der Mitglieder sei man so erfolgreich. Er verwies auf den großen Wandel in der Landwirtschaft, China habe in der Fleischvermarktung bereits den Landkreis erreicht, sagte Scharf unter Hinweis auf den Verkauf der Firma Wolf.
Ernährungssicherheit sei durch Auflagen gefährdet
BBV-Kreisgeschäftsführer Josef Wittmann kritisierte die großen Herausforderungen, die zur Überforderung der Landwirtschaft führen würden. Zum Erhalt der Ernährungssicherheit bräuchten die Bauern keine weiteren Auflagen mehr.
Der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Helmut Melchner, sprach angesichts zahlreicher Krisen ebenfalls das Thema Ernährungssicherheit an. Seine Behörde werde sich deshalb gegen Cyberangriffe oder Attacken wappnen. Derzeit gebe es in den meisten landwirtschaftlichen Betrieben, aber auch im Lebensmittelhandel kaum Notstromversorgungen.
Dr. Josef König vom Veterinäramt informierte über den Umgang mit kranken und verletzten Tieren sowie über Tierseuchen, Tierschutz und Biosicherheit. In seinem Referat sprach Hans Koch zum Thema Fütterung.
Von Kuh-Profi bis Spitzen-Biobetrieb: Rinderhalter ausgezeichnet
• Spitzenbetriebe: Michael Geisler jun. aus Untermainsbach, Georg Wendl aus Kemnath bei Fuhrn und Markus Piehler GbR aus Wolfsbach.
• 100.000-Liter-Kühe: Diese Kühe haben Wolfgang Blödt aus Trichenricht, Salomon M&M GbR in Schwaighof, Johannes Hösl aus Hof, Eva-Maria Bäuml aus Gögglbach, Josef Stangl aus Raffach, Michael Zimmermann aus Pischdorf, Peter Scherr aus Dietersdorf und Johann Ippisch aus Bubenhof.
• Prüfbullen: Die Ehrung „Prüfbullen“ erhielten die Mayer GbR in Freihöls, Eva-Maria Bäuml aus Gögglbach für zwei Bullen, Andreas Müller aus Köttlitz, die Lottner GbR aus Wagnern für zwei Bullen und Michael Geisler jun. aus Untermainsbach.
• Kuh-Profi: Die Plakette „Kuhprofi“ ging an die Lotter GbR in Wagnern, die Ostermeier GbR in Pullenried, Peter Scherr aus Dietersdorf und Hermann Uschold aus Rottendorf.
• Weitere: Als Spitzen-Biobetrieb wurde Andreas Kulzer aus Schönsee geehrt. Als bester Marktbeschicker wurde Matthias Irlbacher aus Unteraich ausgezeichnet.