Turbulenzen bei Kneißler: US-Eigentümer greift in Burglengenfelder Labor durch

Das Labor Kneißler, mit rund 350 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Burglengenfeld, hat über viele Jahre nur für positive Schlagzeilen gesorgt. Nun aber wurde bekannt, dass es einschneidende Veränderungen gibt, die intern ziemlichen Wirbel ausgelöst haben. Von harten Restrukturierungsmaßnahmen ist die Rede. Die Gerüchteküche brodelt, und die Geschäftsführer sind um Schadensbegrenzung bemüht.
Wie berichtet, wurde das Labor 1993 von Diplom-Ingenieur Arnolf Kneißler gegründet. Sohn Dr. Andreas Kneißler stieg 2009 in das Unternehmen ein. 2013 aber entschlossen sich die Geschäftsführer, den Betrieb an den US-Amerikaner Dr. Mansour Samadpour (67) zu verkaufen.
Der Wissenschaftler hatte 2001 im US-Bundesstaat Washington ein Institut für Umweltgesundheit gegründet und wollte in Europa nicht nur Fuß fassen, sondern ein Netzwerk von Speziallabors gründen. Die Kneißlers kamen ihm da gerade recht. Ihr Betrieb sollte zum Ankerpunkt eines europaweiten Verbundes mit dem Namen Ariana werden.
Arnolf und Andreas Kneißler waren fortan zwar in ihrem eigenen Betrieb nur noch Angestellte, bildeten aber als Doppelspitze die Geschäftsführung. Von der Kooperation mit Samadpour versprachen sie sich entscheidende Wettbewerbsvorteile und damit Zukunftssicherung – bei weitgehender Handlungsfreiheit.
Umstrukturierung trifft alle Labors in Europa
Der US-Amerikaner hatte erst im vergangenen Jahr gegenüber der MZ ein positives Fazit gezogen und die Kneißlers für ihre „unerschütterliche Unterstützung“ gewürdigt. Diese sei ausschlaggebend dafür gewesen, dass er überhaupt seine Aktivitäten in Europa habe aufbauen können. Das Labor Kneißler erfülle im Verbund eine Schlüsselrolle, ja es sei das Wichtigste am alten Kontinent, hieß es.
Doch lief es hinter verschlossener Tür nicht ganz so perfekt? Samadpour, mittlerweile Inhaber von über 100 Laboratorien, verfolgte nach MZ-Informationen die Entwicklung seiner europäischen Unternehmen schon länger mit wachsender Sorge. Vor dem Hintergrund ständig steigenden Marktdrucks und hoher Ausgaben sah er sich veranlasst, Umstrukturierungen auf den Weg zu leiten.
Mehrere Mitarbeiter in Burglengenfeld wurden vor die Tür gesetzt
„Bestimmte Vorkommnisse“ im Labor Kneißler nahm Samadpour zum Anlass, die Umsetzung seiner Pläne zu beschleunigen. Kürzlich reiste er deshalb nach Burglengenfeld. Sein Aufenthalt sollte diesmal nicht, wie üblich, nur einen Tag, sondern eine Woche dauern. Im Gepäck hatte der Amerikaner einige Botschaften, die betriebsintern für Wirbel gesorgt haben. Mitarbeiter berichten, Samadpour habe hart durchgegriffen. Mehrere Angestellte, für die er keine Verwendung mehr sah, habe er vor die Tür gesetzt.
Der Mittelbayerischen gelang es kurz darauf, Kontakt zu Samadpour herzustellen. In einem persönlichen Gespräch erklärte der 67-Jährige die Hintergründe seiner Visite – und was er konkret an Entscheidungen getroffen hat.
Wechsel in der Geschäftsführung – Laborgründer Arnolf Kneißler geht
Mit sofortiger Wirkung ist Samadpour nun selbst Mitglied der Geschäftsführung im Labor Kneißler. Von den Unternehmensgründern wird ihm nur noch Dr. Andreas Kneißler zur Seite stehen. Arnolf Kneißler geht dem Vernehmen nach Ende März in den Ruhestand. Er ist dann 71 Jahre alt. Aus Laborkreisen verlautete, dass sein Abschied „nicht ganz freiwillig“ ist. 2025 hatte Kneißler senior gegenüber der MZ erklärt, er verspüre durchaus noch Lust, ein paar Jahre weiterzumachen.
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Wie auch immer: Samadpours Ziel ist es, verschiedene Dinge neu zu strukturieren. Bestimmte Abläufe sollen zusammengefasst und vereinheitlicht werden, um die Effizienz zu steigern und Kosten zu sparen. Das sei wichtig, denn der Markt sei hart. Ausgaben seien zuletzt laufend gewachsen, aber für bestimmte Leistungen könne man nicht immer noch mehr verlangen, erklärte der Wissenschaftler.
Dr. Mansour Samadpour: Mehrere Kündigungen, aber auch Neueinstellungen
Dafür, dass Samadpour ein strenges Auge darauf hat, wofür Geld ausgegeben wird, spricht, dass im Labor Kneißler die erst vor einem Jahr mit hohem Aufwand eingerichtete Kantine wieder geschlossen wurde. Drei Mitarbeiter verloren dadurch ihren Job. Auch in den Bereichen Molekularbiologie, Qualitätssicherung, Logistik, Marketing und Architektur wurde jeweils einer Person gekündigt.
Andererseits, so betonte Samadpour, seien fünf Mitarbeiter neu eingestellt worden fünf weiteren, die gekündigt hatten (vier) oder kurz vor der Kündigung standen (einer), sei eine Wiedereinstellung angeboten worden.
Versuche, die Wogen zu glätten – und ein Dementi
Samadpour selbst war noch während seines Aufenthalts in Burglengenfeld zu Ohren gekommen, dass teils wilde Gerüchte kursierten. Ausdrücklich dementierte er gegenüber er MZ die Behauptung, ein Angestellter sei wegen „Veruntreuung“ gefeuert worden. Das entspreche nicht der Wahrheit.
Um die Wogen zu glätten, soll Samadpour eine Mitarbeiterversammlung einberufen haben. Nach eigener Darstellung habe er versucht, „deeskalierend einzuwirken“. Er werde alles daran setzen, dass in der Belegschaft wieder Ruhe einkehre, teilte Samadpour mit. Die verbliebenen Mitarbeiter sollten keine Angst haben, sondern sich sicher fühlen und ihrer Arbeit mit einem Gefühl der Zufriedenheit nachgehen. Es liege im öffentlichen Interesse, dass das Labor weiterbetrieben werde.
Verständnis für den Sparkurs des Eigentümers
Dr. Andreas Kneißler erklärte auf Anfrage, entgegen anders lautender Gerüchte werde er Samadpour weiter in doppelter Funktion unterstützen – als Geschäftsführer im Burglengenfelder Labor und in der Holding. Für die Bestrebungen, Kosten zu senken und Effizienz zu erhöhen, zeigte Kneißler Verständnis. Samadpour wolle gemeinsam mit seinen Partnern daran arbeiten, dass die Standorte in Europa zukunftsfähig blieben.
Die Kantine, so räumte Kneißler ein, habe sich leider als Flop erwiesen. Täglich seien nur bis zu 60 Essen ausgegeben worden. Umfragen im Vorfeld hätten darauf schließen lassen, dass die Nachfrage bei 150 Mahlzeiten liegen würde.