Wie das Burglengenfelder Labor Kneißler Teil eines europaweit agierenden Netzwerks wurde

Von Thomas Rieke · 14. Juni 2025 um 05:00

Seit Jahren sorgt das Labor Kneißler immer wieder für positive Schlagzeilen. Nicht nur weil es sich sukzessive zum größten Arbeitgeber Burglengenfelds gemausert hat. Eine nicht ganz unwesentliche Information dürfte allerdings den allermeisten Bürgern dieser Stadt bis heute unbekannt sein: Der Familienbetrieb wurde bereits 2013 an einen US-Amerikaner verkauft und ist zentraler Bestandteil eines europaweit agierenden Netzwerks. Es heißt Ariana und hat seinen Sitz am selben Standort wie das Labor Kneißler, also am Unteren Mühlweg 10.

Rückblende: 1993 legt der aus dem Schwarzwald stammende Diplom-Ingenieur Arnolf Kneißler in der Nähe von Bayreuth den Grundstein für sein Unternehmen. Stetig erweitert er seine Aktivität – und sucht einen strategisch günstigeren Ort. Er findet ihn in Burglengenfeld, wo 1998 im Gewerbegebiet Am Brunnfeld ein erstes Gebäude hochgezogen wird. 2009 steigt Sohn Andreas, der Tiermedizin studiert hat, in das Unternehmen ein. Hauptbetätigungsfeld ist die prophylaktische Analyse von Lebensmitteln, inklusive Trinkwasser.

Die Kneißlers sind sehr erfolgreich, aber: Schon damals herrscht in der Branche ein knallharter Wettbewerb, der zu einem Konzentrationsprozess führt. Auch das Labor Kneißler, so schildert der Firmengründer die damalige Situation, erreichen häufig Anrufe, ob man keine Verkaufsabsichten hege. Die Frage, wie man die Zukunft unter Erhalt größtmöglicher Selbstständigkeit am besten sichern könnte, gewinnt mehr und mehr an Bedeutung.

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Die Begegnung mit dem Wissenschaftler Dr. Mansour Samadpour-Motalebi, der sich 2001 im US-Bundesstaat Washington mit einem Institut für Umweltgesundheit (IEH Laboratories & Consulting Group) selbstständig machte, führt zur Lösung. Nachdem sich die Wege schon einmal gekreuzt hatten, besichtigt Samadpour das Labor in Burglengenfeld. Er ist begeistert und schlägt neben dem Kauf auch die Gründung eines Netzwerks vor. Kneißler soll zum Ankerpunkt eines europaweiten Verbundes werden.

Gedanke war schon länger gereift

Die Inhaber müssen nicht lange überlegen. Samadpours Gedanken decken sich weitgehend mit ihren eigenen Vorstellungen, die schon länger gereift sind. Das Geschäft verspricht, die wesentlichen Ideen ideal zu verbinden. Zwar sind die Kneißlers mit dem Verkauf nur noch Angestellte. Aber sie dürfen als Geschäftsführer ihr Labor wie gehabt als Familienbetrieb fortführen, kräftig investieren – und sie werden Mitglieder der Geschäftsführung des neuen Netzwerks, das den Namen von Samadpours Tochter, Ariana, trägt.

Die breite Öffentlichkeit bekommt davon nichts mit. Auch als das Labor 2023 in der Stadthalle mit 350 Mitarbeitern und ausgewählten Gästen sein 30-jähriges Bestehen feiert, geht der Kurs, der zehn Jahre zuvor eingeschlagen wurde, fast unter. Andreas Kneißler skizziert zwar die Erfolgsgeschichte des Unternehmens, das Netzwerk Ariana erwähnt er aber nur kurz und ohne dass für Außenstehende deutlich würde, was mit der Entwicklung „zur großen Patchworkfamilie“ genau gemeint ist. Eigentümer Samadpour ist nicht anwesend. Er wird auch nicht per Videoübertragung zugeschaltet.

Erinnerung an das Jubiläum vor zwei Jahren: Arnolf Kneißler (2. v. l.) und seine Frau Jutta freuen sich über Ehrenurkunden der IHK, die im Beisein von Finanzminister Albert Füracker (r.) überreicht wurden. - Foto: Thomas Rieke

Wieso das so gelaufen ist? Die Kneißlers scheinen es heute selbst nicht mehr genau zu wissen. Man habe keine Notwendigkeit gesehen, den Verkauf und die Gründung von Ariana in den Fokus zu rücken, heißt es. Die Aufmerksamkeit sei auf das eigene Jubiläum gerichtet gewesen. Und Samadpour sei seinerzeit vermutlich zu beschäftigt gewesen, um sich einzuklinken.

Wie auch immer: Von Geheimniskrämerei könne keine Rede sein, betonen die Kneißlers. Immerhin sei man ein wachsendes Unternehmen, das permanent neue Mitarbeiter suche. Und ob bei Betriebsversammlungen oder Vorstellungsgesprächen – der Status der Firma und das Netzwerk würden stets kommuniziert. Jeder Kandidat erfahre, welche Chancen sich dadurch bieten würden.

„Wir haben den Schritt nie bereut“, versichern Arnolf und Andreas Kneißler. Verkauf und Netzwerkaufbau hätten bisher nur Vorteile gebracht. Besonders deutlich sei dies während der Corona-Pandemie zu spüren gewesen. Nur dank der Kontakte nach Amerika, also zu Dr. Samadpour, habe man in der Oberpfalz jederzeit auf neue Herausforderungen reagieren können. Einen Großteil der Test-Kits habe man aus den USA bezogen. So habe das Labor Kneißler stets über das erforderliche Material verfügt und vergleichsweise schnell Untersuchungsergebnisse liefern können.

Ariana ist kontinuierlich gewachsen

Das Netzwerk ist europaweit kontinuierlich gewachsen und zählt heute nicht weniger als 14 Unternehmen. Jüngstes Mitglied ist das Labor Dr. Lippert mit Sitz im rheinland-pfälzischen Sinzig. Es hat sich auf die Untersuchung von Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen auf ihre Inhaltsstoffe und Rückstände spezialisiert und ist damit, ähnlich wie Kneißler, ein Musterbeispiel für die Strategie der Netzwerker: Mit Experten wollen sie Nischen besetzen und bei Bedarf möglichst flexibel und schlagfertig agieren. Auch der mittelständische Gedanke soll weiter gepflegt werden, ergänzt Arnolf Kneißler.

Was wirklich zählt, sind die kurzen Entscheidungswege.

Dr. Mansour Samadpour-Motalebi, Eigentümer des Unternehmens

Dr. Samadpour zieht ebenfalls eine positive Bilanz. In einer Stellungnahme, die er auf Anfrage extra verfasst hat, unterstreicht der Mikrobiologe und Epidemiologe, was er Familie Kneißler zu verdanken habe. Die „unerschütterliche Unterstützung“ von Arnolf und Andreas Kneißler sei ausschlaggebend dafür gewesen, dass er seine europäischen Aktivitäten von den USA aus habe aufbauen können.

Es spiele keine Rolle, wem offiziell welches Unternehmen gehöre, meint Samadpour. Was wirklich zähle, seien kurze Entscheidungswege. Insofern komme Kneißler eine Schlüsselrolle zu; das Labor sei für ihn das wichtigste Europas.