Erst der Vater, dann der Sohn: Krebs gönnt einer Familie aus Berngau keine Pause

Timo möchte gerne Maler werden, vielleicht aber auch Eisverkäufer. Denn Eis mag er so gerne – und darf es im Moment nicht essen. Der Siebenjährige bekommt Chemotherapie. Er kämpft gegen einen seltenen Krebs und ums Überleben. Doch das ist nicht der einzige Schicksalsschlag, der Familie Kamper aus Röckersbühl (Gemeinde Berngau, Landkreis Neumarkt) getroffen hat. Warum sie gerade jetzt Hilfe braucht, berührt tief.
Eigentlich sollte 2026 das Jahr der Familie Kamper werden: Cindy und Marco wollten zum ersten Mal in ihrem Leben mit ihren Söhnen fliegen. Der Urlaub in die Türkei mit den Großeltern war schon gebucht, endlich wollten sie Zeit füreinander haben, das neue Haus und die Garage fertigstellen. Doch manchmal stellt das Leben Menschen vor Prüfungen, die kaum in Worte zu fassen sind. In der ersten Januarwoche sind alle Hoffnungen der Kampers zerplatzt.
Während sich Timo, der erst an diesem Montag vom ersten Chemozyklus nach Hause gekommen ist, im Wohnzimmer blass und schwach aufs Sofa kauert und mit seinem Bruder Bennet (acht Jahre) fernsieht, erzählen seine Eltern im Esszimmer mit leiser Stimme die Geschichte von Anfang an. Ihre Blicke sind leer, die Augen verweint.
Existenzängste wegen des neu gebauten Hauses
Anfang 2023 kurz nach dem Bau ihres neuen Zuhauses in Röckersbühl, das zu dem Zeitpunkt noch im Rohbau steht, bekommt der Familienvater eine Diagnose, die alle Pläne völlig auf den Kopf stellt: Krebs, ein Pleuramesotheliom, ein aggressiver, meist durch Asbest verursachter bösartiger Tumor des Rippenfells, erklärt der 39-Jährige.
Er wird im Uni-Klinikum Regensburg mehrmals operiert, bekommt Chemotherapie. Auch wenn die Situation anfangs sehr bedrohlich ist, gibt Marco nicht auf. Er übersteht Operationen und Therapien gut, lernt mit den Folgen der Krebserkrankung umzugehen. Aber immer mit dem Wissen, dass sie nicht heilbar ist, und mit der Angst, dass bei Kontrolluntersuchungen wieder etwas gefunden wird.
Neben den Sorgen wegen der Krankheit begleiten die Familie auch finanzielle Existenzängste. Wenngleich der Arbeitgeber viel Entgegenkommen zeigt und Marco zwischen Krankenhausaufenthalten immer wieder arbeitet, fällt der Hauptverdiener dennoch immer oft wochenlang aus: Werden sie es schaffen, ihr neues Zuhause halten können?
Unerträgliche Schmerzen im Oberschenkel
Freunde helfen ihnen, dass das Haus fertiggestellt werden, die Familie umziehen kann. Deswegen verlieren Cindy und Marco Kamper nie den Mut. Ende 2025, eineinhalb Jahre nach der schrecklichen Diagnose, blickt sie mit großem Optimismus auf das neue Jahr.
Aber dann klagt Timo kurz vor Weihnachten plötzlich über Schmerzen im Oberschenkel. Da es nicht, wie zunächst angenommen, ein so genannter Hüftschnupfen ist, der nach kurzer Zeit wieder vergeht, und Timos Schmerzen letztlich so unerträglich werden, dass er überhaupt nicht mehr gehen kann, beginnt eine Odyssee zu vielen Fachärzten.
Die Familie ist bei uns in der Gemeinde ehrenamtlich sehr engagiert. Sie haben nicht um Hilfe gebeten, aber es ist wichtig, dass sie sie jetzt bekommen.Bürgermeister Thomas Meier, Berngau
Anfang Januar bringen die Eltern den Siebenjährigen zur Untersuchung in eine Nürnberger Klinik. Timo wird stundenlang untersucht, für die Eltern vergehen bange Stunden und Tage. Der Verdacht auf Leukämie bestätigt sich nicht, doch nach dem ersten Aufatmen folgt eine genauso niederschmetternde Diagnose: Timo leidet unter einem Neuroblastom, einer aggressiven, bösartigen und schnell fortschreitenden Krebserkrankung, die bereits im dritten Stadium ist.
Das heißt: Es haben sich bereits Metastasen im gesamten Skelett gebildet, schildern Cindy und Marco. Timo wird sofort als Hochrisiko-Patient eingestuft. Mit dem Mut der Verzweiflung stemmt sich die Familie seither gegen den schrecklichen Befund. Besonders stolz sind die Eltern auf ihre Söhne – wie geduldig Timo seine Krankheit erträgt und wie sehr Bennet sich um ihn kümmert.
Starke Chemotherapie und Bestrahlungen
Seit Anfang Januar heißt es für den Siebenjährigen: viele Wochen sehr starke Chemotherapie, der später Bestrahlungen und eine Immuntherapie folgen sollen, und hoffen, dass die Behandlungen anschlagen. Während dieser ist seine Mama stets bei ihm im Krankenhaus.
Das bedeutet nicht nur, dass sie nicht arbeiten kann und die Familie deswegen den Gürtel finanziell noch enger schnallen muss. Der Vater muss allein Beruf, Haushalt und Krankenbesuche organisieren. Gleichzeitig möchte er für Timos großen Bruder zumindest etwas Normalität in den Alltag bringen, dass er sich mit Freunden treffen und Vereine besuchen kann – ein Kraftakt.
Freunde starten eine Spenden-Aktion
Um die Familie zu entlasten und es den Eltern zu ermöglichen, sich ganz auf ihre Söhne zu konzentrieren, hat Lea Sophie Rossner, die Tochter von Freunden, einen GoFundMe-Spendenaufruf ins Leben gerufen. Die Idee ist, dass sich die Kampers in dieser schweren Zeit nicht auch noch sorgen müssen, ihre laufenden Kosten begleichen zu können.
In der Dorfgemeinschaft engagieren sich die Kampers in zahlreichen Vereinen, so bei den Schützen, bei der Feuerwehr und dem FSV Berngau. Marco ist auch im Elternbeirat der Schule und Klassenelternsprecher aktiv. Die Nachricht vom schweren Schicksal der Familie hat sich in der Gemeinde Berngau wie ein Lauffeuer verbreitet und eine große Welle der Hilfsbereitschaft hervorgerufen: Nachbarn, die Timos großen Bruder nach Hause einladen, mit in die Schule oder mit zum Sport nehmen, Vereinskollegen, die ihre Unterstützung anbieten.
Große Unterstützung aus der ganzen Gemeinde Berngau
Auch Berngaus Bürgermeister Thomas Meier zeigt sich tief betroffen und unterstützt die Spendenaktion: „Die Familie ist bei uns in der Gemeinde ehrenamtlich sehr engagiert. Sie haben nicht um Hilfe gebeten, aber es ist wichtig, dass sie sie jetzt bekommen.“
Cindy und Marco Kamper sind überwältigt von der großen Anteilnahme der Dorfgemeinschaft: „Wir können nur von ganzem Herzen Danke sagen.“
Was ist ein Neuroblastom?
• Erkrankung: Das Neuroblastom ist laut Onko-Portal und Uni-Klinikum Münster eine bösartige Krebserkrankung des Nervensystems, die meist Kleinkinder bis zum sechsten Lebensjahr betrifft. Es entsteht aus entarteten, unreifen Zellen des sogenannten sympathischen Nervensystems, das – als ein Teil des autonomen Nervensystems – die unwillkürlichen Funktionen, wie Herz- und Kreislauf, Darm- und Blasentätigkeit, steuert. Neuroblastome wachsen oft rasch und ungehemmt und verbreiten sich vor allem über das Blut, manchmal auch über das Lymphsystem im gesamten Körper.
• Erkrankungsverlauf: Neuroblastomen werden vier Krankheitsstadien zugeordnet. Die Einteilung berücksichtigt die Größe des Tumors, die Beteiligung von Lymphknoten und ob Tochtergeschwülste (Metastasen) vorhanden sind. Das Ausbreitungsstadium des Tumors ist Kriterium für die Wahl der idealen Behandlungsstrategie
• Spendenaktion: Um Familie Kamper zu unterstützen, haben Freunde eine Spendenaktion gestartet. Mehr Informationen gibt es unter dem Suchbegriff „Zwei Krebsdiagnosen innerhalb von drei Jahren – Vater und Sohn“ auf der Seite GoFundMe.