Hochwasserschutz: Auf der Regensburger Donauinsel müssen Privatleute Grund abtreten

Am Oberen Wöhrd in Regensburg laufen Bohrungen für den Hochwasserschutz – Eine Handvoll Eigentümer verliert Flächen. Ob Bäume fallen werden, ist noch unklar.
Die Baustelle auf der Jahninsel, dem Feier- und Erholungsgelände der Regensburger, fällt sofort ins Auge: Mit einer neun Meter hohen Bohranlage am Donau-Ufer erkunden drei Fachleute von Baugrund Süd den Boden. Die Maschine stößt bis zu 24 Meter tief. „Wir ziehen Proben“, sagt Bauleiter Moritz Preuß von der Geotechnikfirma. Ein Geologe wird die Proben untersuchen.
Die Bohrungen sind Vorarbeiten für den Bau des Hochwasserschutzes am Oberen Wöhrd. Das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Regensburg und die Stadt planen gemeinsam. „Es wird untersucht, wie der Untergrund aussieht, um die spätere Standsicherheit und das Verhalten des Grundwassers ermitteln zu können“, sagt Rainer Zimmermann, Projektleiter Hochwasserschutz des WWA.
Es kommen wohl eine Mauer und mobile Elemente
Wie der Hochwasserschutz in diesem sensiblen Bereich mitten im Welterbe aussehen wird, weiß die Behörde in dieser frühen Planungsphase noch nicht genau. Zimmermann geht jedoch davon aus, dass Mauern und mobile Elemente kombiniert werden.
Wir bohren bis zu 24 Meter tief und ziehen ProbenMoritz Preuß, Baugrund Süd
Eine Reihe von Privateigentümern am Oberen Wöhrd muss Grund abtreten. Zimmermann spricht von „einer Handvoll“ Betroffener. Er betont, dass die Flächen genutzt würden, um deren Eigentümer besser vor den Hochwasserfolgen zu schützen. Die Behörde habe bereits Kontakt zu den Betroffenen aufgenommen.
Am Donau-Ufer auf der Jahninsel reihen sich alte Baumriesen. Sind sie in Gefahr? „Bei der Planung wird angestrebt, den Eingriff so gering wie möglich zu halten“, sagt Rainer Zimmermann. Noch sei unklar, in welchem Umfang Bäume betroffen sein werden. Das Wasserwirtschaftsamt ermittle und bewerte aber alle Eingriffe. Dabei gelte folgende Reihenfolge: „Eingriffe vermeiden, wenn unvermeidbar, möglichst gering halten, und die Eingriffe dann mindestens bewertungsgleich ersetzen, beispielsweise mit Pflanzungen.“
127 Bäume werden für die Hochwasserschutzmaßnahmen am benachbarten Unteren Wöhrd gefällt, wo die Planungen schon weiter sind. Im Januar gab es einen Aufschrei von Anwohnern, weil an der Wöhrdstraße acht alte Rosskastanien fallen sollen.
Am Oberen Wörth sind 28 Bohrungen und 38 Rammsondierungen im bebauten Bereich notwendig. Ein Großteil ist erledigt.
150 Millionen Euro für den Schutz von Regensburg
Elf der Bohrungen werden zu Grundwasser-Messstellen ausgebaut, kündigt die Behörde an. Die Bohrung wird mit einem Rohr und am Ende mit einem Filterrohr ausgebaut. Dies ermöglicht dem WWA, den Wasserstand mit technischer Ausstattung der Messstelle langfristig aufzuzeichnen und Höhe sowie Verhalten des Grundwassers zu beobachten.

Bei Rammsondierungen werde neben dem drehenden Bohren zusätzlich noch eine schlagende, vertikale Kraft verwendet, heißt es vom Wasserwirtschaftsamt. Diese Arbeiten dauern laut Moritz Preuß noch bis Ende der Woche.
Insgesamt werden der Freistaat und die Stadt über 150 Millionen Euro in den Regensburger Hochwasserschutz investieren. Das dramatische Hochwasser 2013 war ein 30-jährliches Ereignis. „Wir schützen vor einem 100-jährlichen Hochwasser, das nochmals einen deutlich höheren Wasserstand mit sich bringt“, sagt Projektchef Rainer Zimmermann.