800.000 Euro aus Berlin für ein Regensburger Start-up

Von Marion Koller · 14. Januar 2026 um 11:00

Das Bundesforschungsministerium fördert Complioty aus Regensburg – Die Gründer bieten Cybersicherheit für Maschinenbauer. Als erstes haben sie nun Mitarbeiter eingestellt.

In der Regensburger TechBase am Galgenberg haben die Wirtschaftsinformatiker Dr. Philip Empl und Markus Hornsteiner die ersten unternehmerischen Schritte gewagt. Nur zwei Jahre nach der Gründung ihres Start-ups Complioty erhalten sie knapp 800.000 Euro vom Bundesforschungsministerium. „StartUpSecure ist so etwas wie der heilige Gral der IT-Sicherheitsförderungen“, sagt Philip Empl. Weniger als zehn Prozent der Antragsteller können mit einer Zuwendung rechnen.

Gefördert werden nur höchst innovative Ansätze. Daher freut es die Gründer umso mehr, dass sie diese Summe erhalten werden.

Schutz vor digitaler Attacke

Jetzt können sie endlich mit voller Kraft die Entwicklung vorantreiben. Markus Hornsteiner spricht von einem „sehr coolen Schritt“. Complioty bietet Unterstützung bei der Compliance (Einhaltung von Gesetzen) für den mittelständischen Maschinen- und Anlagenbau an, etwa für Komponentenhersteller. Die junge Firma hat eine Software entwickelt, die den Abgleich der industriellen Produkte mit dem neuen EU-Gesetz Cyber Resilience Act automatisiert, um schnell die gesetzlich geforderten Sicherheitsreports zu liefern.

Wenn Computersysteme lahmgelegt werden, kann das zu hohen finanziellen Verlusten führen – oder sogar zu Personenschäden, falls ein Roboter nicht richtig funktioniert. Digitale Angriffe auf Maschinen und Produktionsanlagen häufen sich.

Die Absicherung überfordert jedoch viele Mittelständler. Es fehlt oft an Fachkräften und Kompetenzen.

Philip Empl (30) und Markus Hornsteiner (32) kommen aus der Forschung und kennen den Stand der Technik aus Kooperationen mit der Industrie. Drei Softwareentwickler haben sie mit der Förderung bereits eingestellt. Gemeinsam mit den Gründern bilden sie ein Team aus Experten für Sicherheit in der Lieferkette und Schwachstellenmanagement. „Wir brauchen neugierige, motivierte Entwickler“, sagt Empl. Die beiden geschäftsführenden Gesellschafter suchen weitere Fachleute, etwa im Vertrieb.

Complioty arbeitet bei der Einhaltung von Gesetzen, Richtlinien und Standards eng mit Maschinenbauern zusammen. Ab Februar betreut das Team einen ersten Kunden, der ein monatliches Abonnement abgeschlossen hat, um seine Produkte „entlang des Lebenszyklus abzusichern“, wie Empl sagt. Es handelt sich um einen Hersteller industrieller Sensoren.

Complioty arbeitet weiterhin von der TechBase aus, doch sind beide Wirtschaftsinformatiker für den Aufbau eines Netzwerks nach München gezogen. Sie kommen aus Oberbayern und wollen auch wieder näher bei ihren Familien leben. „München hat ein sehr starkes Start-up-Netzwerk“, sagt Markus Hornsteiner. Deshalb hat Complioty Coworking-Räume im digitalen Gründerzentrum Werk1 beim Ostbahnhof angemietet.

Knapp acht Gründungen je 100.000 Einwohner in Regensburg

In einem neuen Ranking des Startup-Verbands führt München mit 19,3 Neugründungen pro 100.000 Einwohner bundesweit, Regensburg erreicht mit 7,9 den 15. Platz. Verglichen werden Großstädte, in denen mehr als 150.000 Menschen leben.

Für die Complioty-Gründer bleibt es spannend, nicht zuletzt, weil Cybersicherheit technisch anspruchsvoll ist. „Wir müssen bei der Geschäftsentwicklung Vollgas geben und die Software weiter vorantreiben“, nimmt sich Markus Hornsteiner vor. Die Themen: Schwachstellen-Management und automatisierte Meldeprozesse. „Wir bauen was, das der gesamten Industrie weiterhelfen kann.“ Die Zeit drängt, denn Maschinenbauer müssen die neuen Cybersicherheits-Anforderungen erfüllen.

Die Regensburger TechBase mit Geschäftsführer Alexander Rupprecht erhält großes Lob: „Die haben richtig Bock darauf, Start-ups weiterzuhelfen“, sind sich die Informatiker einig. „Alles super Leute, vom Café-Betreiber bis zum Start-up-Berater.“