Sanierung zwischen Nürnberg und Regensburg beginnt: Das kommt auf Bahnfahrer zu

Von Marion Koller · 8. Januar 2026 um 05:00

Die Milliardensanierung der Zugstrecke Nürnberg – Regensburg startet im Februar. Die Pendler nehmen den Ersatzbus, das Auto oder bleiben im Homeoffice. Sie fürchten die deutlich längeren Fahrzeiten.

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Thilo Eggerbauer wohnt in der Regensburger Altstadt. Unter der Woche pendelt er mit dem Zug zu seiner Neumarkter Arbeitsstelle. Das dauert 40 Minuten. Vor der Generalsanierung der Bahnstrecke Nürnberg – Regensburg graut dem 30-Jährigen. Gesperrt ist die Trasse von 6. Februar bis 10. Juli 2026. „Die Ersatzbusse fahren eine Stunde und 20 Minuten. Das ist deutlich länger“, sagt er. „Knapp drei Stunden Pendelzeit am Tag. Das ist schon viel.“

Trotzdem wird der MZ-Volontär die Ersatzbusse ausprobieren. „Ob die überhaupt pünktlich sind?“, fragt er sich. Wenn es zu mühsam wird, will Thilo Eggerbauer seinen VW-Bus nehmen. Den parkt er freilich immer bei der TechBase im Stadtsüden. Auch dort muss er erst einmal hinkommen.

Wegen Verspätungen, Zugausfällen und überfüllten Waggons brauchen Bahnfahrer auch bisher schon gute Nerven. Wenn die Deutsche Bahn (DB) die Strecke zwischen Nürnberg und Regensburg für 1,4 Milliarden Euro in beiden Richtungen sanieren wird, kommen noch mehr Belastungen auf sie zu. Die Bahn rüstet sich für die Zukunft. Das ist dringend notwendig. Aber Pendler und Reisende werden länger unterwegs sein.

Die DB teilt mit, dass die Haupt-Ausweichroute im Regionalverkehr von Nürnberg über Amberg und Schwandorf nach Regensburg führt und umgekehrt. Die Züge werden über mehr Kapazitäten verfügen. Die Fahrzeit verlängert sich auf etwa eine Stunde und 40 Minuten. Auf der direkten Strecke werden neben dem Schienenersatzverkehr mit mehr als 90 Bussen zusätzlich Schnellverbindungs-Busse auf der Autobahn ohne weitere Haltestellen rollen. Tickets müssen die Bahngäste vorab kaufen.

Zweimal ins Homeoffice

Im Fernverkehr wird ein Teil der sonst mindestens zweistündlichen ICE-Züge zwischen Nürnberg und Regensburg über Ingolstadt umgeleitet. Die Fahrzeit verlängert sich um eine Stunde. Zusätzlich wird eine ICE-Fahrt je Tag und Richtung von München über Landshut, Regensburg und Passau nach Wien fahren. Alle weiteren Züge beginnen oder enden bereits in Nürnberg.

Alexander von Mitschke-Collande aus Undorf hat sich in der Bahn-App den Schienenersatzverkehr angesehen. „In der Früh ist die Taktung sehr gut gewählt“, sagt der Bankkaufmann. Der Bus startet um 8.13 Uhr in Undorf und fährt bis Regensburg nur zwei bis drei Haltestellen an. Eine halbe Stunde wird der 61-Jährige künftig brauchen, bisher sind es 14 Minuten. „Es könnte schlimmer sein“, findet Mitschke-Collande. „Ansonsten müsste man aufs Auto umsteigen. Das würde ich ungern.“

„Knapp drei Stunden Pendelzeit am Tag. Das ist schon viel“, sagt MZ-Volontär Thilo Eggerbauer. - Foto: Eggerbauer

Bei Bankkaufmann Marco Reindl erhöht sich dagegen die Fahrzeit zwischen seinem Wohnort Parsberg und Nürnberg „von 35 Minuten auf eindreiviertel Stunden“, wie er sagt. „Das ist eine Katastrophe.“ Deshalb plant der 46-Jährige, einen zweiten Tag im Homeoffice zu arbeiten, zweimal pro Woche ins Auto zu steigen und einmal in den Ersatzbus.

Einige Zahlen verdeutlichen das Mammutprojekt: Bei der Generalsanierung erneuert die DB über 80 Kilometer Gleise, 40 Weichen und 90 Kilometer Oberleitungen. Bei Deining wird ein Bahndamm saniert. Die Leit- und Sicherungstechnik wird modernisiert und der Einbau des modernen Zugbeeinflussungssystems ETCS vorbereitet. Nach der Generalsanierung sollen die Fahrgäste von attraktiven Stationen profitieren.

„Die DB modernisiert alle 20 Bahnhöfe zwischen Feucht und Regensburg-Prüfening nach einem ganzheitlichen, klaren Qualitätsstandard mit attraktiver Gestaltung“, kündigt eine Sprecherin der DB-Kommunikation Bayern an.

Hochbelastet und störanfällig

Dabei steht der barrierefreie Ausbau im Fokus. Ausgeklammert werden die Hauptbahnhöfe Nürnberg und Regensburg. An den Bahnstationen Seubersdorf, Parsberg und Beratzhausen werden Unterführungen neu gebaut, in Beratzhausen auch der Bahnhof.

Es könnte schlimmer sein.Alexander von Mitschke-Collande, Bankkaufmann

Die Gründe für die Sanierung: Das Schienennetz in Bayern ist hochbelastet, die Infrastruktur überaltert und störanfällig. Darunter leiden Personen- und Güterverkehr.

„Ziel der Generalsanierung ist, die Bahnstrecke langfristig stabiler und widerstandsfähiger zu machen“, sagt die DB-Sprecherin. Störungen und damit Verspätungen sollen sich deutlich reduzieren. Sofort im Anschluss wird die DB bis 11. Dezember die Strecke zwischen Obertraubling und Passau sanieren.

Auf Anwohner kommt Lärm zu

Die Arbeiten: Um die Sanierung innerhalb der geplanten Zeit zu stemmen, wird an den Baustellen Tag und Nacht gearbeitet, was sich auch auf die Anwohner an der Strecke auswirken wird. Besonders lärmgeplagten Anrainern sollen laut Bahn sogar kurzzeitige Wohnungswechsel angeboten werden.

Die Fahrplandaten: In der App DB Navigator und auf der Internetseite der Deutschen Bahn sind die Fahrplandaten zur Generalsanierung abrufbar. Eine eigene Unterseite informiert über den Schienenersatzverkehr.

Ersatzverkehr: Als Ersatz für Zugverbindungen im Nahverkehr, die wegen der Bauarbeiten nicht angeboten werden können, rollen in Spitzenzeiten entlang der Strecke Nürnberg – Regensburg und auf angrenzenden Umleitungsstrecken über 97 Busse auf acht Linien.