Trotz eisiger Kälte: Obdachloser kampiert seit Wochen in Ramspauer Bushäuschen

Sein Schicksal beschäftigt viele Menschen: Seit Wochen kampiert ein offenbar obdachloser Mann in einem Bushäuschen in Ramspau (Regenstauf, Landkreis Regensburg). Trotz eisiger Kälte weigert er sich standhaft, in eine Notunterkunft umzuziehen. Bürgermeister Josef Schindler ist ratlos. „Ich weiß nicht, was wir tun sollen“, sorgt er sich angesichts der frostigen Temperaturen um den Mann.
Damit steht Schindler nicht allein. Immer wieder sind in den letzten Wochen Hinweise besorgter Bürger bei der Gemeinde und der Polizei, und auch beim Kälteschutztelefon der Regensburger Caritas eingegangen. Das zeige, dass eine erhöhte Sensibilität für das Thema Kältehilfe für Obdachlose da ist, sagt Brigitte Weißmann, Leiterin des Referats Besondere Lebenslagen bei der Caritas und verantwortlich für das Kälteschutztelefon. „Das Beispiel Regenstauf zeigt, dass die Menschen dort alles richtig gemacht haben“, betont sie. Sie meint damit, dass sich die Menschen im Umkreis offensichtlich um den Mann im Bushäuschen kümmern.
Mit Planen und Decken eine Unterkunft errichtet
An der Situation vor Ort hat das in den letzten Wochen freilich nichts geändert. In den Tagen vor Weihnachten ist der Mann offenbar nach Ramspau gekommen und hat sich dort in dem Bushäuschen, das von keiner Linie angefahren wird, eine Art Unterkunft mit Planen und Decken eingerichtet. Zuvor hatte er auf diese Weise auch schon Bushäuschen bei Laub und am Grasigen Weg in Regenstauf genutzt, berichtet der Regenstaufer Bürgermeister.
Der Mann will dort in Ruhe gelassen werden. Das zeigt sich auch beim Besuch des MZ-Reporters. „Gehen Sie weg!“, entgegnet er mehrfach auf den Versuch, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Nicht viel anders erging es zuvor schon den Mitarbeitern der Marktverwaltung und den Streifen der Polizeiinspektion Regenstauf, die mehrmals versucht haben, ihn davon zu überzeugen, in die gemeindliche Notunterkunft mitzukommen. Drei bis vier Personen kann der Markt Regenstauf dort nach Auskunft des Bürgermeisters unterbringen. „In einem eigenen Zimmer“, wie Schindler betont.
Der Mann in dem Ramspauer Bushäuschen schlug das auch am vergangenen Freitag aus, als zwei Mitarbeiter der Marktverwaltung mit einem Kleinbus zu ihm gefahren waren und ihm anboten, auch seine gesamten Habseligkeiten mit zur Unterkunft zu transportieren. Immerhin: Nach allem was Schindler weiß, erhält der Mann immer wieder von Bürgern etwas Warmes zu essen und zu trinken. Auch die Polizei schaut weiter regelmäßig vorbei.
Polizeistreifen schauen immer weider vorbei
Das bestätigt Hauptkommissar Florian Beck, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Regenstauf. Wenn Streifen dort unterwegs sind, vergewissern sie sich seinen Worten zufolge, dass der Mann keine Hilfe benötigt. Trotz der frostigen Temperaturen war das bislang offensichtlich nicht der Fall, zumal auch nach den Beobachtungen der Polizisten Passanten immer wieder Essen und Trinken vorbeibringen.
All das ist allerdings nicht für alle Passanten zu erkennen, die an dem Bushäuschen vorbeikommen und den Mann in seinem notdürftig zusammengezimmerten Verschlag sehen. Deshalb kommen bei der Polizei, aber auch beim Markt Regenstauf immer wieder Hinweise auf den Mann an – und auch heftige Vorwürfe. Bürgermeister Schindler berichtet, dass den Mitarbeitern im Rathaus vorgeworfen wird, sich nicht um den Obdachlosen zu kümmern.
Polizei darf nur bei erheblicher Gefahr eingreifen
Das ist jedoch gar nicht so einfach – zumindest, wenn jemand das nicht will und das auch, so wie im Ramspauer Fall, auch deutlich sagt. „Wir können nicht einfach jemanden mitnehmen und in eine Unterkunft reinzwingen“, stellt der stellvertretende Inspektionsleiter klar. Die Polizei darf seinen Worten zufolge nur eingreifen, wenn eine psychische Erkrankung vorliegt und erkennbar eine erhebliche Gefahr für den Obdachlosen oder andere besteht. Eine weitere Möglichkeit bietet das Polizeiaufgabengesetz. Demnach kann jemand in sogenannten Schutzgewahrsam genommen werden, der beispielsweise so betrunken ist, dass er nicht mehr Herr seine Sinne ist. Das alles ist jedoch bei dem Mann im Ramspauer Bushäuschen nicht der Fall.
Hohe Sensibilität und Hilfsbereitschaft
Brigitte Weißmann ist trotzdem sehr froh, dass der Obdachlose mittlerweile auch am Kälteschutztelefon schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat. „Das ist gut und wichtig“, sagt sie. Auch hier ging der erste Anruf schon Mitte Dezember ein. Weißmann sieht darin einen deutlichen Hinweis „auf eine wirklich hohe Sensibilität und beeindruckende Hilfsbereitschaft in Regenstauf“.
Seitens der Caritas wurde ihren Angaben zufolge auf die Möglichkeit einer Unterbringung in der Notunterkunft für obdachlose Männer in der Landshuter Straße in Regensburg hingewiesen. Diese Möglichkeit sei allerdings bislang nicht wahrgenommen worden. Die Caritas-Mitarbeiterin ist sich darüber im Klaren, dass jeder Obdachlose diese Entscheidung für sich selbst trifft. Hier komme – und das sei wichtig – das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen ins Spiel. „Niemand muss Hilfe annehmen, aber jeder darf“, sagt sie.
Dennoch sei es wichtig, dass obdachlosen Menschen immer wieder gezeigt werde, dass der Weg ins Hilfesystem offen steht – „unaufdringlich aber stetig“. Das soll nun auch in Ramspau versucht werden. Nach Auskunft von Weißmann ist angedacht, dass ein Caritas-Fachberater für besondere Lebenslagen den Kontakt zu dem obdachlosen Mann sucht.
Kältehilfe in Stadt und Landkreis Regensburg
• Wer im Bereich der Stadt Regensburg draußen eine Person sieht, die offensichtlich friert oder schutzlos der Kälte ausgeliefert ist, kann das Kälteschutztelefon der Caritas anrufen. Die Nummer lautet (01 75) 1 45 56 69.
• Das Kälteschutztelefon ist von 1. November bis 31. März rund um die Uhr besetzt. Mit dem Telefonat wird versucht, die Lage zu klären. Zudem wird geklärt, ob die Person Hilfe annehmen möchte, wie beispielsweise eine Unterbringung in der Notunterkunft. Dank zahlreicher Spenden verfügt die Caritas über ausreichend Winterausstattung, die sie an obdachlose Menschen ausgeben kann.
• Für die Kommunen im Landkreis Regensburg gibt es keine zentrale Anlaufstelle in Fällen, in denen eine Person offensichtlich friert oder schutzlos der Kälte ausgeliefert ist. Zuständig sind hier in erster Linie die jeweiligen Kommunen oder die Polizeidienststellen.
• In Fällen, in denen Menschen in der Kälte nicht mehr ansprechbar sind, sollte der Rettungsdienst unter 112 angerufen werden.