Kälteschutztelefon im Dauereinsatz: Lage für Obdachlose in Regensburg spitzt sich zu

Von Maja Schoplocher · 19. Januar 2026 um 14:00

Mit den anhaltenden Minusgraden spitzt sich die Lage für obdachlose Menschen in Regensburg zu. „Bei starkem Frost steigt das Risiko für Unterkühlung, Erfrierungen und akute gesundheitliche Krisen deutlich. Dann zählt jede schnelle Meldung und jede schnelle Versorgung vor Ort“, sagt Brigitte Weißmann vom Caritasverband für die Diözese Regensburg.

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Eine genaue Zahl, wie viele Menschen derzeit im Freien schlafen, gibt es nicht – zu schnell wechselten die Aufenthaltsorte zwischen Straße, Bekannten, Notunterkünften oder anderen Schlafmöglichkeiten.

Warum manche Betroffene die Einrichtungen wie NOAH – dein TagNachtHalt, die Taunusstraße oder die Frauennotunterkunft in der Ostengasse nicht nutzen, hat vielfältige Gründe. „Menschen wollen ihre Haustiere nicht zurücklassen, haben Angst oder schlechte Erfahrungen gemacht oder meiden Regeln und Abläufe in Unterkünften“, erklärt Weißmann. Auch Suchterkrankungen, psychische Probleme oder Hausverbote spielten eine Rolle. Die Caritas versuche, für jede Situation individuelle Lösungen zu finden – auch für jene, die trotz Kälte nicht in eine Unterkunft gehen möchten.

Bei Frost fast voll belegt

Die NOAH-Einrichtung ist laut Weißmann in Frostnächten nahezu voll belegt, aktuell seien dort lediglich fünf Plätze frei. Notfallschlafplätze ergänzen das Angebot. Im Marienheim schwanke die Auslastung, genaue Tageszahlen lägen nicht vor. „Wir schicken im Winter niemanden weg. Wenn die regulären Plätze belegt sind, arbeiten wir mit Notfalllösungen und klären im Einzelfall das weitere Vorgehen“, betont sie.

Das Kälteschutztelefon der Caritas (0175/145 56 69) ist derzeit im Dauereinsatz. „Wir sind im Winter rund um die Uhr erreichbar. An sehr kalten Tagen erhalten wir tagsüber im Schnitt rund fünf Anrufe“, so Weißmann. Meist melden Bürger Menschen, die ohne ausreichende Winterausrüstung im Freien sitzen oder liegen. Danach koordiniert die Caritas sofort Hilfe: Streetworker fahren zum Ort, verteilen warme Kleidung, Schlafsäcke oder Isomatten und vermitteln in Unterkünfte. Bei medizinischen Notfällen wird der Rettungsdienst informiert.

Heiße Getränke

Die Streetwork-Teams sind vor allem im Bahnhofsbereich unterwegs und sprechen obdachlose Menschen aktiv an. Sie führen heiße Getränke, Decken und Schlafsäcke mit und geben Lebensmittel aus. „Wir arbeiten mit kurzen Wegen. Das Kälteschutztelefon nimmt Meldungen an und löst Einsätze aus“, beschreibt Weißmann das koordinierte Vorgehen.

Trotz gezielter Spendenaufrufe im Herbst bleibt der Bedarf an warmer Winterkleidung groß. „Vor allem lange Unterwäsche, warme Socken, Handschuhe, Mützen und Schals werden im Winter laufend gebraucht“, sagt Weißmann. Neben Sachspenden seien auch finanzielle Unterstützung und verlässliche Mitarbeit wichtig, um die Hilfsangebote dauerhaft sicherzustellen. Wer helfen möchte, könne sich direkt bei der Caritas informieren.

Niedrigschwellige Angebote

Langfristig sieht Weißmann Handlungsbedarf. „Wenn der Bedarf steigt, braucht es mehr stabile Ressourcen und niedrigschwellige Angebote, damit Menschen nicht draußen bleiben müssen.“ Notwendig seien eine verlässliche Finanzierung über mehrere Winter, mehr warme Aufenthaltsorte tagsüber, Lösungen für Paare und Haustierbesitzer sowie gezielte Hilfen für Menschen mit Sucht- oder psychischen Erkrankungen. „Mehr Prävention und längerfristige Wohnperspektiven sind entscheidend, damit Menschen nicht dauerhaft auf der Straße leben müssen“, resümiert sie.