Nach Insolvenz und Verkauf von Wolf Industries: Nur ein kleines Team bleibt in Regensburg

15 Beschäftigte des früheren Druckgusswerks in der Prüfeninger Schloßstraße machen in Regensburg weiter – Vertrieb und Entwicklung sind dabei. Mehr als 50 Mitarbeiter mussten gehen. Einige suchen noch neue Jobs.
Seit September sucht Peter Pohlmann eine neue Anstellung als Technischer Zeichner. „Ich habe 25 Bewerbungen draußen und 25 Absagen kassiert“, sagt der 44-Jährige. Der Werkzeugbau bei Wolf Industries in Regensburg ist weggefallen. „Deshalb braucht man keinen Technischen Zeichner mehr.“
Peter Pohlmann hat 18 Jahre lang bei dem Traditionsunternehmen in der Prüfeninger Schloßstraße gearbeitet. Ende April muss er gehen. Im Herbst 2022 meldete das Unternehmen Insolvenz an, der Regensburger Standort erholte sich trotz Verkaufs nicht mehr. „Wir können mit den Chinesen und den gestiegenen Energiepreisen nicht mithalten“, bedauert Pohlmann.
Das frühere Druckgusswerk schließt am Standort in der Prüfeninger Schloßstraße. Die verbliebenen 15 Mitarbeiter aus Vertrieb und Entwicklung werden in neue Regensburger Büroräume umziehen.
Großteil der Beschäftigten hat neue Jobs gefunden
„Der Großteil der noch über 50 Mitarbeiter hat neue Stellen gefunden“, sagt Diplom-Ingenieur Johannes Schmidt, der Regensburg leitet und Mitgeschäftsführer der Tochtergesellschaft im ungarischen Sátoraljaújhely ist. Das waren Werkzeugbauer, Logistiker und Beschäftigte in der Verwaltung. Schmidt beobachtet jedoch schon, dass die Jobsuche zurzeit schwierig ist.
Der 55-Jährige betrachtet die Entwicklung durchaus mit Wehmut. „Aber es hat keine andere Möglichkeit gegeben. Wenn wir das nicht gemacht hätten, würde es uns gar nicht mehr geben.“
Ich habe 25 Bewerbungen draußen und 25 Absagen kassiertPeter Pohlmann, Mitarbeiter
Nach der Insolvenz kauften die Regensburger Unternehmer Konrad Altenbuchner und Andreas Astaller die Firmengruppe, die Druckgussbauteile aus Aluminium produziert, im Frühjahr 2023. Alle Arbeitsplätze blieben erhalten. Doch ein Jahr später kriselte es erneut in dem Traditionsbetrieb.
Die Fertigung von Druckgussteilen aus Aluminium wurde geschlossen und nach Ungarn verlegt. 120 der damals knapp 200 Beschäftigten waren betroffen. Im Sommer 2025 gab Geschäftsführer Johannes Schmidt dann die endgültige Einstellung aller operativen Tätigkeiten inklusive Werkzeugbau bekannt.
Trotz intensiver Bemühungen, den Standort Regensburg in einem herausfordernden Marktumfeld zu erhalten, hätten die anhaltend angespannte wirtschaftliche Lage des Unternehmens sowie der Druck durch die internationale Wettbewerbssituation die Leitung zu diesem Schritt gezwungen. Die Schließung war Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets zur langfristigen Sicherung der Unternehmensgruppe.
Es hat keine andere Möglichkeit gegeben. Wenn wir das nicht gemacht hätten, würde es uns gar nicht mehr gebenJohannes Schmidt, Geschäftsführer
Ein wesentlicher Auslöser dieser Entwicklung war die wirtschaftlich kritische Lage im Automobilsektor. Besonders der Werkzeugbau in Regensburg litt unter einem deutlichen Nachfragerückgang. Die Nachwirkungen der Insolvenz sowie hohe Lohn- und Energiekosten in Deutschland spielten eine Rolle. Die Unternehmensgruppe konnte mit diesen Maßnahmen das Jahr 2025 mit einer schwarzen Null abschließen. Durch die Reorganisation könne Wolf Industries auch die nächsten Jahre mit den bestehenden Verträgen gut überleben und neue Aufträge akquirieren.
Ein Filetgrundstück im Regensburger Westen
Das Betriebsgelände, ein großes Filetstück im Stadtwesten, gehört der Unternehmerfamilie, die die Regensburger Druckgusswerk Wolf GmbH gründete und rund 90 Jahre lang führte. Diese war für eine Stellungnahme über die Zukunft des Areals nicht zu erreichen.
Peter Pohlmann hofft auf einen Job in der Region. 25 bis 50 Kilometer würde er pendeln. Die Arbeitsagentur wollte ihn gleich mit ihrem ersten Angebot nach Frankfurt schicken, doch das kam für ihn nicht infrage. „Arbeitgeber können sich gerne bei mir melden“, sagt der Technische Zeichner.
Das Unternehmen
Entwicklung: Das Familienunternehmen wurde 1933 gegründet. Seit 2023 sind die Investoren Konrad Altenbuchner und Andreas Astaller die Gesellschafter von Wolf Industries. Regensburg war der Stammsitz mit 200 Mitarbeitern bis vor wenigen Jahren. Bei Wolf Industries Prec-Cast Kft. im ungarischen Sátoraljaújhely arbeiten heute rund 600 Menschen und bei Prec-Cast Co. Ltd. in Zhongshan/China fast 200.
Produktion: Wolf deckt die Wertschöpfungskette ab: vom Gießen über CNC-Bearbeitung und Montage bis zur Pulverbeschichtung. Die Gießerei-Werkzeuge werden selbst konstruiert. Die Kunden sind Autoindustrie, Zulieferer und Landmaschinen-Hersteller.