Brautstyling als Berufung: Natalie Rötzer will Münchner Flair nach Waldmünchen holen

Friseure gibt es seit vielen Jahrtausenden und dennoch ist es eine der Branchen, die besonders schnell auf Veränderungen reagiert. Ein Beispiel dafür gibt Natalie Rötzer. Im Januar hat sie ihr Friseurgeschäft eröffnet: In einem alten Bauernhof in Albernhof, der das Elternhaus ihres Mannes, Tobias Rötzer, ist. Im ersten Stock gibt es den modern eingerichteten kleinen Salon mit zwei Bedienplätzen. Noch fehlt draußen das Schild, das auf den Friseursalon hinweisen soll. Es muss nur noch angebracht werden.
Wer aber jetzt meint, die 28-jährige Friseurmeisterin hätte in dem kleinen Dorf bei Waldmünchen mit rund einem Dutzend Gebäuden einen der üblichen Dorf-Salons eröffnet, der sieht sich getäuscht. Genau das will Rötzer nicht. Provokant gesagt, will sie München nach Waldmünchen bringen.
„Ich will Münchner Flair aufs Land bringen“, sagt sie. Dafür hat sich die Friseurmeisterin weitergebildet. Sie hat erst kürzlich ein Diplom einer Kosmetikschule in München erworben und bei einem Kurs in Dubai Models für Aufnahmen geschminkt. Zudem hat sie sich für Extensions mit Echthaar weiterbilden lassen. Die Kursdiplome und ihr Meisterbrief hängen alle an der Wand des kleinen Salons.
Das Styling für Fotoshootings und Hochzeiten
Dieses neue erworbene Wissen will sie jetzt an die Frau bringen. Auch wenn sie ganz traditionell als Friseurin tätig ist – zum Beispiel im Seniorenheim in Waldmünchen – will sie ihr Kosmetik- und Friseurwissen für die Kundinnen nutzbar machen. Zum Beispiel für Brautstyling und Fotoshooting. „Ich lebe meine Leidenschaft als Make-up-Artist in der Beauty- und Hochzeitsbranche“, heißt es dazu in einem ihrer Posts auf Instagram.
Junge Frauen mit ihren langen Haaren seien immer seltener Kundinnen in Friseursalons, erklärt die Meisterin. Das sei bei langen Haaren auch nicht so oft nötig. Und Dauerwelle und Föhnfrisur seien out. Deswegen seien Stammkundinnen in den Salons immer seltener. Für Stammkundinnen hätten Salons aber meist den Aufwand einer Brautbetreuung betrieben. Mittlerweile sei es für viele Friseursalons deswegen zu aufwendig, sich speziell um Bräute und ihre Betreuung bei Kosmetik und Frisur speziell am Hochzeitstag zu kümmern, vermutet Rötzer.
Genau hier sieht sie ihre Marktlücke. Sie möchte Bräuten ein Komplettstyling mit einem guten Make-up bieten. Zudem kümmere sie sich um Make-up und Frisur bei Fotoshootings. „Das ist mein neues Konzept“, sagt Rötzer. Und weil Frau heutzutage ihre Haare meist lang trägt, hat sich Rötzer auch für Extensions mit Echthaar ausbilden lassen.
Für ihren Traum hat sie auch ihr Friseurstudio in Willmering, wo sie bisher tätig war, verlassen. „Ich habe mich schweren Herzens von meinem Laden getrennt und etwas Neues angefangen!“ Den Neustart habe sie gewagt, weil sie sich nach den Kursen „glücklich und voller Tatendrang“ gefühlt habe. „Ich weiß , ich gehe ins Risiko, aber ich brenne dafür. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, sagt Rötzer.
Allerdings seien ihre Ideen nicht mit normalen Salonöffnungszeiten vereinbar. Deswegen müsse man mit ihr einen Termin vereinbaren. Die nötigen Informationen dazu gibt es auf der Instagram-Seite von Natalie Rötzer.
Auch das sei eine neue Entwicklung in der Frisurenbranche. Um mit Kunden in Kontakt zu treten, müsse man Werbung auf den Socials machen, sagt Rötzer. Sie wende viel Zeit auf , um Videos von Stylings zu drehen und auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen. Gleich neben ihrem Salon habe sie sich einen kleinen Raum dafür eingerichtet, um Content zu produzieren. „Ich muss jeden Tag was posten!“, sagt Rötzer.
„Albernhof ist klein, aber gut zu erreichen“
Und ist dann einmal der Kontakt hergestellt, bekommt die Kundin mindestens einen Rückruf, meist aber auf auch ein WhatsApp zurück. Mit der Terminbestätigung, einer netten Botschaft, einer Anfahrtsbeschreibung und einem Foto vom Haus. „Dann findet man mich auch!“ Denn obwohl Rötzer auch Kundenbesuche macht, hofft sie auch auf Kundschaft aus weiterer Entfernung. „Albernhof ist zwar klein, aber gut zu erreichen“, sagt Rötzer.