Damit Neumarkt lebenswert bleibt: Oberbürgermeister stellt Zukunftsplan bis 2035 vor

Von Wolfgang Endlein · 24. Januar 2026 um 00:56

Es sind Zeiten, „die die viele Menschen als Dauer-Krise empfinden“. So skizzierte Neumarkts Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn in seiner Rede beim Neujahrsempfang die Weltlage. Verunsicherung, Wut und Erschöpfung sickere in unseren Alltag. Aber keine Neujahrsansprache ohne Zuversicht. Wobei Ochsenkühn das große Besteck hervorholte: Er präsentierte ein Programm für die Stadt bis 2035 mit sieben Handlungsfeldern, die „für eine gute Zukunft Neumarkts entscheidend sind“.

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Seit Monaten haben die führenden Köpfe in der Verwaltung an dem Programm gearbeitet, von dem zunächst unter dem Arbeitstitel „Agenda 2035“ zu hören war. Der offizielle Titel lautet: „Zukunft 2035: Fortschritt. Verantwortung. Zusammenhalt.“

Es gehe ihm darum, Neumarkt dauerhaft handlungsfähig zu halten, sagte Ochsenkühn. Dazu brauche es einen Plan, der die Möglichkeiten und Grenzen der Stadt kenne und daraus klare Prioritäten ableite. Vor allem aber habe der Plan ein Ziel: „Wir gestalten ein lebenswertes und nachhaltiges Zuhause für alle Bürgerinnen und Bürger, Familien und Unternehmen.“ Das solle das Leitbild für die Stadtverwaltung sein, sagte Ochsenkühn.

Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky verbreitete beim Neujahrsempfang Optimismus, was die Zukunft anbelangt. - Foto: Wolfgang Endlein

Vor allem in den sieben Handlungsfeldern des Zukunftsplans. Diese könnten jedoch nicht alle gleichzeitig bearbeitet werden, sondern in einer sinnvollen Reihenfolge und dann umso intensiver, kündigte Ochsenkühn an.

Neumarkts Innenstadt soll mehr Bäume bekommen

Handlungsfeld Nummer eins: die Innenstadt. Bis 2035 soll diese zum urbanen Wohnzimmer der Stadt werden. Eine Innenstadt, die grüner ist, in der man sich gerne aufhält und anderen Menschen begegnen kann. Ochsenkühn nannte denkbare Maßnahmen wie mehr Bäume und entsiegelte Flächen. Man könnte den Wochenmarkt stärken und den Residenzplatz und den Stadtgraben beleben, Eigentümer bei der Sanierung ihrer Häuser unterstützen sowie Verkehrslösungen suchen, die die Innenstadt bereichern.

Familienfreundlichkeit lautet das zweite Handlungsfeld. Wenn Familien in Neumarkt gut leben könnten, „ist das unser bester Standortfaktor“, sagte Ochsenkühn. Er schloss darin auch Senioren. Neben modernen Kitas, flexiblen Betreuungszeiten, sicheren Schulwegen und starken Schulen müsse Neumarkt sich auch dafür einsetzen, dass das Älterwerden nicht als Last, sondern als wertvolle Lebensphase erfahren werden kann. Für passende Lösungen will der OB künftig verstärkt die Schwarmintelligenz der Neumarkter anzapfen. Es gehe dabei um Beteiligungsplattformen.

Damit Neumarkt in seine Bewohner investieren kann, braucht es Einnahmen und dafür wiederum eine starke Wirtschaft. Diese zu stärken, ist das dritte Handlungsfeld. Industrie anzusiedeln reiche nicht. „Wir müssen ein Ökosystem für Innovation schaffen“, sagte Ochsenkühn und verwies beispielhaft auf das Makers’ Home, das Gründer fördert.

Der Handschlag mit OB Markus Ochsenkühn gehört zum Neujahrsempfang der Stadt Neumarkt (l. Ehefrau Carola und Bürgermeister Marco Gmelch). - Foto: Endlein

Als viertes Handlungsfeld benannte der OB die Infrastruktur aus Straßen, Brücken, Kläranlage, Kitas, Schulen etc. Weil diese für eine Stadt lebenswichtig sei, müsse sie unerschütterlich sein. Damit dies so bleibt, will das Rathaus zeitnah einen Infrastrukturplan erstellen.

„Infrastruktur bedeutet heute aber auch Energie-Souveränität“, erklärte Ochsenkühn. Weswegen die Stadt ihre Energieversorgung lokal und regenerativ aufstelle. Die Stadtwerke machten dabei wichtige Schritte, sagte der OB. Zwei große Solarparks und zwei Windräder werden entstehen, die Energie für mehr als 22 000 Haushalte in Neumarkt liefern.

Neumarkts OB glaubt, mit Bau-Turbo bezahlbaren Wohnraum schaffen zu können

Neumarkts Haushalte treibt wie in vielen anderen Städten das Thema bezahlbarer Wohnraum um. Für Ochsenkühn ist es das fünfte Handlungsfeld, das eine Frage der sozialen Gerechtigkeit und des Zusammenhalts sei. Der Weg zu mehr bezahlbaren Wohnraum sei aber schwierig, gestand Ochsenkühn ein.

Lösungsansätze sind für ihn: Die Stadt muss selbst weiter bauen. Daneben brauche es Bauträger und Privatleute. Ideen, wie er Anreize für die beiden Letzteren schaffen will, nannte der OB auch. Beispielsweise könnten städtische Grundstücke nach Konzeptqualität vergeben werden. Hoffnungen setzt Ochsenkühn zudem in den Bau-Turbo. Die Gesetzesänderung sei ein Instrument, um einfacher Wohnraum schaffen zu können.

Verwaltung im Neumarkter Rathaus soll bis 2035 digitalisiert sein

Der Klimawandel mache es nötig, sich anzupassen, leitete der Oberbürgermeister zum sechsten Handlungsfeld über. Das beinhaltet mehr Grünflächen, Bäume, und Wasser, die alle zusammen die Stadt in heißen Sommern kühlen. Wichtig sei auch der Schutz bei Starkregen und das Prinzip der Schwammstadt, die Regen speichert. Neumarkt entsprechend umzubauen, sei auch eine Chance, die Stadt noch lebenswerter zu machen, erklärte der Rathauschef.

Die Swingin’ Connection der Sing- und Musikschule Neumarkt begleitete den Neujahrsempfang schwungvoll.

Im letzten der sieben Handlungsfelder geht es Ochsenkühn um die Digitalisierung der Verwaltung. Bis spätestens 2035 müsse das Rathaus seiner Vorstellung nach digitalisiert sein. Dass das kein rein technischer Vorgang ist, betonte Ochsenkühn. Es gehe auch darum, Prozesse zu optimieren und Mitarbeiter zu qualifizieren. Alles für das Ziel, „eine effizientere, bürgerfreundlichere und transparentere Verwaltung zu schaffen.“ Bei aller Digitalisierung betonte der OB aber auch: „Der persönliche Kontakt wird nicht durch die Digitalisierung ersetzt werden.“

Die sieben Handlungsfelder für die Arbeit der Stadtverwaltung bis 2035 seien ein „herausforderndes Programm, zu dem es aber keine Alternative gibt“, erklärte Ochsenkühn abschließend. Dabei könne ein Oberbürgermeister und die Verwaltung die Vision nicht allein schaffen. Der OB kündigte daher an, neue, zeitgemäße Dialogformate zu schaffen, durch die Bürger Anliegen und Ideen unkompliziert einbringen könnten. „Denn unsere Stadt wird nicht nur im Rathaus gebaut. Sie wird vor allem von den Menschen gebaut, die in ihr leben.“