Bald eine Praxis weniger: Können Tierärzte in und um Schwandorf den Verlust kompensieren?

Von Philipp Breu · 23. Januar 2026 um 06:00

Für die tierärztliche Versorgung in und um Schwandorf ist es eine schlechte Nachricht: Dr. Hildegard Diermeier schließt ihre Praxis im Stadtteil Fronberg Ende Februar. Für die verbliebenen Tierärzte in der Großen Kreisstadt und dem benachbarten Wackersdorf wird das wohl unweigerlich noch mehr Patienten bedeuten. Dabei haben alle schon mehr als genug zu tun. Es gibt aber auch erfreuliche Neuigkeiten.

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Wohin mit Hund, Katze und Co., wenn sie krank oder verletzt sind? Diese Frage treibt Frauchen und Herrchen in Schwandorf um – vor allem diejenigen, die bisher mit ihren Vierbeinern bei Hildegard Diermeier eine Anlaufstelle fanden. Mehr als 30 Jahre betreibt sie schon ihre Praxis im Schwandorfer Stadtteil Fronberg. Ende Februar ist Schluss. Dann geht die 63-Jährige in den Ruhestand.

Schon beim Gespräch mit der Mittelbayerischen Mitte Dezember hatte die erfahrene Tierärztin durchklingen lassen, dass ihr der Schritt keinesfalls leicht falle. Nicht nur, weil sie ihre Arbeit unfassbar gern macht, sondern auch weil sie weiß, wie es um die Versorgungssituation in und um Schwandorf bestellt ist. Denn es gebe schon jetzt zu wenig Tierärzte und es fehle an Nachwuchs, klagte Diermeier damals.

In Schwandorf bleiben noch zwei Tierarztpraxen übrig

Das wissen auch die übrigen Veterinäre in der unmittelbaren Umgebung. Nach Diermeiers Renteneintritt wird es nur noch zwei Praxen in Schwandorf und zwei in Wackersdorf geben. Und irgendwo müssen die Patienten, die jahrelang in Fronberg behandelt wurden, ja hin.

Verabschiedet sich Ende Februar in den wohlverdienten Ruhestand: Dr. Hildegard Diermeier (l.). - Foto: Martin Kellermeier

In der Tierarztpraxis von Theresa Geitner in Wackersdorf sei die Belastungsgrenze eigentlich bereits erreicht, heißt es. Weitere Tiere könne man deshalb kaum mehr aufnehmen. Generell sehe es mit der tiermedizinischen Versorgung schlecht aus. „Vielleicht lässt sich irgendwann wieder ein neuer Tierarzt nieder“, sagt ein Praxismitarbeiter am Telefon.

Nicht ganz so pessimistisch ist die Stimmung in der Großen Kreisstadt. Mit Dr. Gerhard Bausewein und Dr. Brigitte Roscher-Ferstl werden ab Februar noch zwei erfahrene Tierärzte die Fahne hochhalten. Roscher-Ferstl arbeitet bereits seit 1984 in Schwandorf. Sie bezeichnet sich selbst scherzhaft als „Dinosaurier“. Doch ans Aufhören denkt die Tierärztin noch nicht. Ihr Praxisalltag sei natürlich stressig, aber auch erfüllend. „Ich habe natürlich auch mehr als genug zu tun“, sagt Roscher-Ferstl. Und sie schließt nicht aus, dass mit Diermeiers Praxisschließung der eine oder andere Patient mehr bei ihr auf der Matte stehen wird. Sie habe aber schon immer nach der einfachen Prämisse gehandelt: „Wer behandelt werden muss, kommt dran.“

Wie es in einigen Jahren generell um die tiermedizinische Versorgung in Schwandorf stehen werde, vermag sie nicht zu prognostizieren. Natürlich wisse sie auch, dass sich immer weniger junge Kollegen selbstständig machen. Lange Arbeitszeiten, hohe Verantwortung, finanzielle Risiken und Bürokratie täten ihr Übriges. Mittlerweile würde der Nachwuchs geregelte Arbeitszeiten bevorzugen und lieber in ein Angestellten-Verhältnis wechseln.

Doch es sei grundsätzlich nie ausgeschlossen, dass sich nicht doch wieder ein junger Tierarzt oder eine jüngere Tierärztin in der Großen Kreisstadt niederlasse. Und auch im Landkreis gebe es noch einige Anlaufstellen. „Die Menschen sind heutzutage mobiler und nehmen mit ihrem Tier weitere Wege in Kauf“, sagt Roscher-Ferstl.

Erfreuliche Entwicklungen in der Praxis von Dr. Gerhard Bausewein

Ähnlich sieht es Gerhard Bausewein, der seine Praxis an der Gaisbergstraße nahe der Grünwaldkreuzung betreibt. Die bloße Anzahl an Tierarztpraxen halte er prinzipiell nicht für entscheidend, sondern eher die Personalsituation vor Ort. Er selbst habe seine Öffnungszeiten nach einem Schlaganfall etwas zurückfahren müssen. Doch das soll sich bald ändern. Denn mit seinem Sohn und dessen Lebensgefährtin stünden zwei junge Tiermediziner schon in den Startlöchern, um die Praxis in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. „Wir werden gemeinsam versuchen, die Lücke, die Dr. Diermeier zwangsläufig hinterlassen wird, so gut es geht zu schließen.“ Und es gebe ja auch noch andere Tierärzte im Landkreis Schwandorf, sagt Bausewein.

Dr. Yvonne Friedl, die zweite Tierärztin in Wackersdorf, wollte sich indes auf Nachfrage der MZ nicht zur aktuellen Situation äußern.