Johannes Schuierer (17) aus Bruck ist Jugend-Europameister der Kaninchenzüchter

Nummer 1547 spitzt interessiert die Löffel, als Johannes Schuierer ihn auf die grüne Unterlage auf dem Tisch setzt. Sein weiches Fell schimmert bläulich – genau so wie es soll. Ein Siegerkaninchen ist es, denn mit ihm ist der 17-Jährige im November in der Slowakei Jugend-Europameister der Kaninchenzüchter geworden. In der heimischen Scheune in Bruck erzählt der Schüler, wie er zu seinem Hobby kam.
„Angefangen hat alles, als ich so zehn, elf Jahre alt war“, sagt Johannes Schuierer. „Da sind wir in Nittenau auf die Ausstellung gefahren.“ Dort habe er erstmals die Rasse „Blaue Wiener“ gesehen und zu seinem Vater gesagt:„Papa, ich will die Hasen da.“ Zwei Jahre konnte Vater Marcus Schuierer, der als Kind selbst diese Rasse gezüchtet habe, seinen Sohn hinhalten. Dann sei er „so unausstehlich“ geworden, dass sie ein paar Ställe gebaut hätten, erinnert sich der Nachwuchszüchter. „Da haben wir so drei Hasen gekauft, zum Anfangen.“
2019 kamen die ersten Jungen, dann Corona. 2020 hätten sie noch „blind“ und „per Augenmaß“ Tiere von einem Züchter gekauft. Dann nahm das Projekt Fahrt auf, und sie fingen wirklich das Züchten an. Im selben Jahr war Johannes auf der Bezirksschau in Waldmünchen vertreten und machte dort den Bezirksmeister, zwei Wochen später noch den Vereinsmeister im Nittenauer Kleintierzuchtverein. Dort ist er Mitglied – eine Voraussetzung, um auch international ausstellen zu dürfen. Alles mit dem damaligen „Material“, wie er es nennt.
100 Stallhasen hat der Schüler in der heimischen Scheune
Mittlerweile hat der Vorderthürner rund 100 Kaninchen auf dem Familienhof, alle feinsäuberlich in einzelnen Ställen. An jedem Stall steht die Zuchtnummer des Tiers, zur Identifizierung, dazu Geschlecht, Gewicht und Geburtsdatum. Jedes bringt rund vier bis fünf Kilogramm auf die Waage.
Der Großteil seiner Kaninchen gehe an andere Züchter. Im Schnitt verkauften sie die Tiere für rund 80 Euro; Spitzentiere könnten aber auch 500 Euro erzielen. Manchmal falle es ihm schwer, Tiere abzugeben, erzählt Johannes. Die, die sie selbst nicht ausstellten oder zur Zucht verwendeten, würden geschlachtet und selbst verwertet.

Seit 2023 züchtet er zusammen mit seiner Schwester Laura (9), die 2025 Deutscher Jugendmeister wurde, zusätzlich die Rasse „Perlfeh“. Rund zwei Stunden täglich wendet er für seine Tiere auf, für Füttern, Stallreinigen oder Wasserauffüllen. Ein eher ungewöhnliches Hobby, vor allem im Vergleich zu seinen Mitschülern, die eher im Fußballverein seien, wie er sagt.
Außer den Fellohren habe die Familie als Landwirtschaftsbetrieb Kühe. Tiere habe er schon immer gemocht. Warum es ihm gerade die Blauen Wiener so angetan haben? „Mir gefällt das schöne satte Blau von denen. Und auch der Körperbau“, schwärmt der 17-Jährige.
Damit die Kaninchen – die keine Hasen sind, auch wenn die Begriffe im Alltag oft synonym verwendet werden – so aussehen, wie sie aussehen, gibt es Ziele. „Es gibt zehn Kriterien“, ergänzt sein Vater. Ganz genau sind Gewicht, Körperform und -bau, Kopf und Ohr sowie Gleichmäßigkeit, Deck- und Unterfarbe des Fells festgelegt.
Für mich ist das Tier mehr wert als der Titel.Johannes Schuierer, Kaninchenzüchter
„Die sollen eben ein schönes, sattes Blau haben“, erklärt der Jugendliche und fährt einem seiner Kaninchen gegen denn Strich durch das Fell, um die Farbe zu zeigen. Kein Schatten sei erlaubt. „Das ist auch ein Klimaproblem“, sagt Vater Marcus mit Blick auf das wechselhafte Wetter. „Wenn es so lange so warm ist, werden die nie mit der Haarung fertig.“
Für die Schauen müssen diese sogenannten „Positionen“ sowie Pflegezustand, Sauberkeit und gesundheitlicher Zustand erfüllt sein. Auch richtig präsentieren können muss sich das Kaninchen. Johannes Schuierers Nummer 1547 erhielt dafür 386 Punkte in der Bewertung.
Schuierer gewann überraschend den Titel Jugend-Europameister in Nitra
Eine stolze Punktzahl sei das in der Jugend-Sparte, sagt sein Vater. Der männliche und ein weiblicher Blauer Wiener brachten ihm den Titel Jugend-Europameister. Aber Johannes Schuierer betont auch: „Für mich ist das Tier mehr wert als der Titel.“ Die EE-Europaschau in Nitra in der Slowakei war für ihn die erste auf internationaler Ebene und ein eindrucksvolles Erlebnis: „Da sind mir die Augen aufgegangen, was das für eine große Schau ist.“ Außer Zuchttiere zu bewundern, gehe es bei den Schauen auch darum, Kontakte und Freundschaften zu knüpfen.
Dass er tatsächlich gewinnen würde, hat der Vorderthürner im Vorfeld nicht gedacht. Sein Vereinsvorstand, der mit den Tieren voraus gereist war, habe ihm die Ergebnisse geschickt und gesagt: „Du hast den Vogel voll abgeschossen“, erzählt der Realschüler. Vor Ort bekam er dann auch eine Urkunde.
Dieses Jahr kann der 17-Jährige das letzte Mal bei den Jugendlichen ausstellen. Danach geht es unter den erwachsenen Züchtern weiter – und vor allem in der Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker.
